MUSIK: Auch tote Popstars lassen den Rubel rollen

Einige der ganz Grossen sind dieses Jahr von uns gegangen. Wenn Popstars das Zeitliche segnen, leben sie allerdings durch ihre Musik weiter. Und sichern damit häufig den Wohlstand ihrer Erben.

Drucken
Teilen
Prince hinterliess einen Tresor voller unveröffentlichter Musik. (Bild: Keystone (4. Juli 2010))

Prince hinterliess einen Tresor voller unveröffentlichter Musik. (Bild: Keystone (4. Juli 2010))

Als die American Music Awards im November vergeben wurden, ging die Trophäe für den besten Soundtrack an den im April gestorbenen Prince für die Film­musik zu «Purple Rain» von 1984. Nach dem überraschenden Tod des 57-jährigen Sängers an einer versehentlichen Überdosis Schmerzmittel waren die Ver­käufe seines wohl bekanntesten Albums in die Höhe geschnellt.

«Wir heben das in Paisley Park für dich auf, bis wir dich wiedersehen», sagte mit stockender Stimme Princes Schwester Tyka Nelson, als sie den Preis für ihn entgegennahm, mit Hinweis auf sein Anwesen.

Immer wieder kommen neue Fans dazu

Musiker wie Jim Morrison, Janis Joplin, Bob Marley und Jimi Hendrix sind nach ihrem frühen Ableben zu Ikonen geworden. Selbst Jahrzehnte danach gewinnen sie neue Fans hinzu, ihre Musik bringt Millionen. Vom Gitarrenhelden Hendrix etwa sind dank eines umfangreichen Archivs von Studioaufnahmen posthum viermal so viele Alben erschienen wie zu Lebzeiten.

Ob Hinterbliebene und Nachfahren berühmter Musiker an deren Erfolg verdienen, hängt davon ab, welche Vorkehrungen getroffen worden sind. Der ebenfalls in diesem Jahr verstorbene Superstar David Bowie war ein cleverer Geschäftsmann. Er sorgte dafür, dass die Rechte an ­seiner Arbeit bei seiner Familie bleiben. Die Verwaltung vertraute er seinem langjährigen Business-Manager Bill Zysblat an.

Bowie hat Berichten zufolge auch Vorbereitungen für meh­rere Anthologien seiner Musik getroffen, die posthum herauskommen sollen. Seit seinem Krebstod mit 69 Jahren im Januar sind bereits die Sammlung «Legacy» und ein Album zu seinem Musical «Lazarus» erschienen.

Es gebe noch unveröffentlichtes Material, sagte der langjährige Bowie-Produzent Tony Visconti der BBC. Für das kommende Jahr kündigte er «eine Menge netter Sachen» an.

Auch von Prince wird noch zu hören sein. Er hat einen Tresor voller unveröffentlichter Musik hinterlassen, aber offenbar kein Testament. Sein Nachlass, der auf bis zu 300 Millionen Dollar geschätzt wird, geht damit an Nelson und fünf Halbgeschwister. Dazu gehört auch Paisley Park, das in einem Vorort der US-Stadt Minneapolis liegt.

Gefragt ist Fingerspitzengefühl

Der Anwalt Donald David hat die Erbmasse des erschossenen Rappers Tupac Shakur verwaltet. Wenn Princes Nachlass gut gemanaged werde, sagt David, «wird man in den nächsten zwei Jahrzehnten immer wieder neue Prince-Alben sehen.»

Erben von Musikern müssen entscheiden, ob sie Werke rausbringen, die deren Urheber womöglich aus guten Gründen für sich behalten haben. Wo es um viel Geld geht, fehlt häufig das Fingerspitzengefühl. Die Erben des Reggae-Stars Bob Marley etwa wurden dafür kritisiert, dessen Namen für eine Cannabis-Marke hergegeben zu haben.

Michael Jacksons posthumer Auftritt als Hologramm bei den Billboard Music Awards 2014 fanden einige seiner Fans verstörend. Und Elvis Presleys Anwesen Graceland in Memphis, eine Pilgerstätte, ist vor kurzem um ein Hotel mit 450 Zimmern erweitert worden. Ein 20000 Quadratmeter grosser «Unterhaltungskomplex» soll 2017 folgen.

Mit dem Graceland-Management hat die Stiftung, die sich um Princes Erbmasse kümmert, zusammengearbeitet, um aus Paisley Park ein Museum zu machen. Das hatte Prince gewollt. Nun gibt es dort unter anderem die VIP-Tour «Sunday Brunch Experience», und Besucher können in Princes Tonstudios, wo er tot aufgefunden wurde, den Gesang für eines seiner Stücke aufnehmen. Ob das auch den Wünschen des Künstlers entspricht, weiss indes niemand.

Valerie Hamilton, DPA

 

kultur@luzernerzeitung.ch