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Eindrückliches Konzert mit Musik, die zum Mitmachen animiert

Das Eröffnungskonzert der Kammermusikreihe im Marianischen Saal überraschte mit hochkarätiger Musik aus Europa und Afrika.
Gerda Neunhoeffer
«Manchester Collective» beherrschen viele Genres meisterhaft. Bild: PD

«Manchester Collective» beherrschen viele Genres meisterhaft. Bild: PD

Es gibt immer wieder aussergewöhnliche Konzerte in der Kammermusikreihe im Marianischen Saal Luzern, die vor vielen Jahren von Gerhard Pawlica gegründet wurde. Aber dass am Ende fast alle Zuhörer im ausverkauften Saal stehen, afrikanische Silben singen und rhythmisch klatschen, ist wohl eher selten.

Doch so war es am Sonntag im Eröffnungskonzert des 24. Zyklus der Kammermusikreihe mit dem Programm «Sirocco»: Ein Brückenschlag zwischen europäischer und afrikanischer Musik, eindrucksvoll gestaltet von «Manchester Collective». Viele Kinder der «BaBel Strings», dem interkulturellen Kinder- und Jugendstreichorchester des Quartiers Basel/Bernstrasse Luzern, sassen in der ersten Reihe. Sie lauschten aufmerksam und machten gerne mit, wenn Cellist und Leiter Abel Selaocoe dazu aufforderte. Er spielte nicht nur Cello, er erklärte die Stücke, er sang in allen Tonlagen dazu und mit seiner offenen Art erreichte er das Publikum unmittelbar.

Tief archaische Stimmklänge

Selaocoe, der aus Südafrika stammt, eröffnete das Konzert mit «Lamentation» von Giovanni Sollima (*1962) in seiner ganz eigenen Version. Doppelgriffe, virtuose Arpeggien, Springbogen auf dem Cello, Obertongesang, Sprechgesang zu melancholischen Melodien und ganz tief archaische Stimmklänge – er breitete ein musikalisches Spektrum aus, das weit über Gewohntes hinausging. Aus dem Stimmen der Instrumente heraus entwickelte sich dann «Air» von William Laves (1602–1645). Die barocken Klänge der beiden Violinen (Rakhi und Simmy Singh), der Viola von Ruth Gibson und dem Cello schmeichelten den Ohren, erfüllten den Saal mit Wohlklang.

Da in Manchester nie die Sonne scheint, meinte Selaocoe, braucht es Musik, zum Beispiel «Click Song» aus Westafrika. Da begann Alan Keary mit volltönender Bassgitarre, er wurde auf der Djembe, einer einfelligen Bechertrommel und der Calabash, einer grossen Kürbishälfte, begleitet, und die Melodie wurde vom Cello erweitert. Perkussionist Sidiki Dembele von der Elfenbeinküste entfachte nur mit seinen Handflächen und Fingern eine unzählige Vielfalt an Rhythmen, variabel, schnell, exakt. Das musste die Sonne wohl überall hervorlocken, so mitreissend hell und stark waren die Klänge.

Hervorragend ausgebildete Musiker

Dass alle sechs Mitglieder von «Manchester Collective» hervorragend ausgebildete Musiker sind, dass sie viele Genres meisterhaft beherrschen, das war in allen Stücken zu hören. In dem «Adagio sostenuto» aus dem Streichquartett op. 76 Nr. 1 von Joseph Haydn spielten die Streicher einfühlsam, differenziert, mit süffigem Klang und idealer Intonation. Es war ein inniger Ruhepol zwischen rhythmischen Grenzgängen und fremdartiger Musik, aber wie fliessend Übergänge sein können, und wie fantastisch die jungen Künstler damit umgehen, das zeigte das Volkslied «Ibuyile» aus Südafrika. Denn es ging nahtlos aus dem Haydn-Adagio hervor, unmittelbar in gleicher Tonalität und Melodie, und in gleichem Charakter. Einer der sanften Höhepunkte des Konzertes.

Wie das dänische Volkslied «O Fredik, o Fredik» in afrikanischer Version klingt, brachte überraschende Assoziationen von Weite, Tanz und Lebensfreude. Auszüge aus Henry Purcells «The Fairy Queen» oder Igor Strawinskys «Concertino» wurden ebenso hervorragend gestaltet wie die Volkslieder aus verschiedensten Regionen. In «Shaka» von der Elfenbeinküste spielte der Perkussionist die «Kamelen Ngoni», ein siebensaitiges, lautenähnliches Instrument, das wundersam sphärengleiche Töne schwingen lässt und mit allen zusammen meditative Stimmung verbreitete.

Wie ein Perpetuum Mobile, wie in der Minimalmusic kreisten Melodien und Rhythmen ineinander. Und mit dem fast jazzigen «Ka Bohaleng» aus Südafrika endete das ungewöhnliche Kammerkonzert, in dem alle sich mitreissen liessen und sogar aktiv mitmachten.

Nächstes Konzert der Reihe am 3.November mit dem Brodsky Quartetwww.kammermusik-luzern.ch

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