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MUSIK: «Ich war kein typischer Jugendlicher»

Heute spielt Max Raabe mit dem Palastorchester im KKL. Im Interview spricht der Sänger über fehlende Pläne und warum man auch mit Krawatte ein Chaot sein kann.
Hier fährt Max Raabe freihändig Velo. Er sagt aber auch: «Seinen wahrhaftigen Charakter lernt man ja erst als Autofahrer im Berufsverkehr kennen.» (Bild: PD / Marcus Höhn)

Hier fährt Max Raabe freihändig Velo. Er sagt aber auch: «Seinen wahrhaftigen Charakter lernt man ja erst als Autofahrer im Berufsverkehr kennen.» (Bild: PD / Marcus Höhn)

Interview Christoph Forsthoff

Max Raabe, wie erwirbt man sich auf einem Bauernhof eine aristokratische Ausstrahlung wie die Ihrige?

Max Raabe: Sie hätten uns mal sonntags in die Kirche gehen sehen sollen! Nur weil man auf einem Bauernhof aufwächst, heisst das ja nicht, dass alle die ganze Zeit in der Nase bohren – das ist ja ein komisches Vorurteil...

...was ich keineswegs bedienen wollte – ich habe grossen Respekt vor Landwirten.

Raabe: Meine Eltern haben immer auf Selbstverständlichkeiten geachtet: Dass man aufsteht, wenn man Leute begrüsst, dass man die Tür aufhält, dass man guckt, ob man irgendwo mit anfassen kann und erst anfängt zu essen, wenn alle etwas haben. Und meine Onkels und Opas sind sonntags immer mit Krawatte und Anzug und Weste zum Nachmittagstee erschienen: Das war nie übertrieben, aber immer ganz selbstverständlich, dass man sich ordentlich an den Tisch setzt, und wenn man abends weggeht, sich auch in Schale wirft.

Und das hat bei dem Neffen und Enkel einen solch tiefen Eindruck hinterlassen, dass Sie auch schon diesen Stil gepflegt haben, bevor Sie als Max Raabe aufgetreten sind?

Raabe: Zu Hause bin ich ganz normal mit Cordhose, schon auch mal mit Sakko herumgelaufen, aber selbstverständlich nicht mit Krawatte. Doch wenn abends etwas war, habe ich auch eine Krawatte umgebunden.

Angesichts Ihres offenbar schon früh ausgeprägten Sinns für Stil und Benimm erstaunt es ja, dass Sie seinerzeit kurz vor dem Abitur von der Schule geflogen sind...

Raabe: ...auch wenn man eine Krawatte trägt, kann man ja ein ziemlicher Chaot sein (lacht). Ich hatte miserable Noten in Mathe und in Griechisch und konnte mir aussuchen, wo ich eine Nachprüfung mache – doch da ich nicht fleissig genug war und stattdessen lieber durch die Welt gereist bin, wurde ich dann des Instituts verwiesen. Die Quittung dafür ist, dass ich heute singen und im Unterhaltungsgeschäft arbeiten muss. Hätte ich mal aufgepasst...

Während Ihrer Studentenzeit haben Sie es ja erst einmal mit Putzen und Heckeschneiden versucht, um Ihr Studium zu finanzieren...

Raabe: Arbeit schändet nicht, hat meine Mutter immer gesagt – Putzen habe ich allerdings nie wirklich beherrscht. Da blieb nur Heckeschneiden und Rasenmähen, denn sonst hätte ich kellnern müssen – und das kann ich nun gar nicht.

Stattdessen haben Sie dann vor 29 Jahren mit Kommilitonen das Palastorchester gegründet – gab es da Überlegungen, diese Idee mehr als ein Vierteljahrhundert fortzuführen?

Raabe: Im Leben haben wir nicht daran gedacht! Allerdings plane ich grundsätzlich nicht weit voraus – ich könnte Ihnen heute nicht sagen, wie lange ich das noch vorhabe zu machen.

Bald drei Jahrzehnte sind eine lange Zeit – doch Sie selbst sagen, Sie würden sich immer noch wie ein 17-Jähriger fühlen. Klingt nach der Attitüde eines Berufsjugendlichen...

Raabe: Auch als 17-Jähriger habe ich mich nie wie ein 17-Jähriger gefühlt – ich war nie ein typischer Jugendlicher und werde wahrscheinlich nie ein typischer alter Sack sein, sondern laufe, natürlich mit den Verfallserscheinungen, immer noch mit derselben Haltung durch die Welt wie mit 17.

Wie sieht diese Haltung aus?

Raabe: Ich war nie ein typischer Jugendlicher, der sich überlegt hat, wie er sich etwa gegen seine Eltern aufbäumen könnte. Man muss nicht provozieren, sondern ich mache das einfach, wie es mir passt – nur, dass ich eben kein Punk bin, sondern eine andere Stilistik gefunden habe.

Gibt es eigentlich etwas, das Sie nicht im Griff haben, einmal abgesehen von Ausflügen auf dem Surfbrett?

Raabe: Seinen wahrhaftigen Charakter lernt man ja erst als Autofahrer im Berufsverkehr kennen – und da habe natürlich auch ich meine Unbeherrschtheiten (lacht) ... Da erweitert sich mein Vokabelschatz enorm, und man merkt erst einmal, wie aufmerksam man doch dazulernt, ohne diese Ausdrücke eigentlich in seinem aktiven Wortschatz zu wähnen.

Würden Sie denn nicht auch auf der Bühne gern einmal ausbrechen und die Emotionen laufen lassen?

Raabe: Einen ersten Ansatz dazu gab es ja schon mit dem Stück «Kein Schwein ruft mich an», als ich dachte: Ich stelle mich jetzt im Frack auf die Bühne und singe dann Kraftausdrücke wie Sau.

Sie haben mal gesagt, Sie träumen von Orten, wo es keine Musik gibt...

Raabe: ...ich mag es einfach nicht, wenn permanent überall Musik gespielt wird.

Resultiert diese Dauerberieselung aus einer Angst vor der Stille?

Raabe: Ja, es herrscht offenbar bei vielen Menschen eine komplette Verzweiflung, sobald mal nicht irgendwie irgendetwas zu hören ist. Anscheinend liegen dann sofort die Nerven blank, wenn Menschen mal mit sich und einer bestimmten Ruhe konfrontiert werden. Dabei tut man sich doch keinen Gefallen damit, die ganze Zeit immer alles mit Musik zu verstrahlen.

Max Raabe und das Palastorchester heute um 20 Uhr im KKL. Karten: www.kkl-luzern.ch

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