Peter Schärli will mit seiner Musik die Welt verändern

Peter Schärli stellt in Luzern seine neue Band vor: Peace Now ist ein Quintett, mit dem der Trompeter nebst seinen subtilen Klängen auch eine Haltung vermittelt.

Pirmin Bossart
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Peter Schärli (2. von rechts) mit Peace Now. Bild: Priska Ketterer/PD

Peter Schärli (2. von rechts) mit Peace Now. Bild: Priska Ketterer/PD

Es gibt wenige Bandleader, die über Jahrzehnte mit den gleichen Musikern arbeiten und das Prinzip der «working band» hochhalten. Für Peter Schärli ist das nicht ein Prinzip, sondern schlicht das, was für ihn musikalisch und menschlich immer naheliegend gewesen ist. Einzelne Musiker wie Thomas Dürst oder Glenn Ferris gehören seit 30 oder 40 Jahren zu seinen Bands, auch Hans Feigenwinter oder Hans ­Peter Pfammatter, Sandy Patton und Antonia Giordano sind langjährige Schärli-Mitstreiter.

Weil es sich so ergeben hat, ist der aus Schötz stammende Trompeter nun doch mit einer neuen Band unterwegs. Mit dabei ist die deutsche Saxofonistin Silke Eberhard, die unter anderem mit exzellenten Tribute-Projekten an Eric Dolphy und Charles Mingus auf sich aufmerksam gemacht hat. Mit dem Posaunisten Jean-Jacques Pedretti hat Schärli schon in der Sound Experience gespielt. Zu den herausragenden Schweizer Jazz- und Impro-Musikern gehören Christian Weber (Bass) und Norbert Pfammatter (Schlagzeug), die der Band das rhythmische Profil verleihen.

Die Improvisation stärker gewichtet

Er habe angesichts seiner langjährigen Zusammenarbeit mit bewährten Musikern mal wieder ein neues Projekt auf die Beine stellen wollen, sagt Schärli. «Natürlich sind es Leute, die musikalisch top sind. Aber fast noch wichtiger ist mir, dass es Musiker sind, mit denen ich mich wohlfühle und die zu mir passen.» Chemie vor Virtuosität, sozusagen.

Für Peace Now hat Schärli neue Kompositionen geschrieben. Man darf von melodiösen und harmonisch feingeschliffenen Tunes ausgehen, die in ihrer Schlichtheit besonders «deep» wirken und einen berühren. Andererseits wird die Musik auch freier sein als in anderen Bands. «Ich habe in diesem Projekt die freie Improvisation stärker gewichtet.»

Peter Schärli ist bekannt dafür, dass er auf der Bühne mit seinen launigen Ansagen nicht nur für erheiternde Momente sorgt, sondern ab und zu auch politisch-gesellschaftliche Kommentare einstreut. Als Musiker beschäftige er sich nicht nur mit Klängen, sagt Schärli. «Ich registriere, was in der Welt läuft, mache mir meine Gedanken, habe eine Haltung dem Menschen, der Gesellschaft, dem Leben gegenüber.»

Peace Now ist auch eine Botschaft

In den letzten Jahren sei dem Musiker noch klarer geworden, dass unser globales System aus den Fugen gerate. Hinter der sauberen Maske des Kapitalismus werde die Welt liebloser, unmenschlicher. «Um Gewinne zu maximieren, werden Menschenrechte verletzt und verhungern Menschen. Es ist wieder salonfähig, Minderheiten und Wehrlose zu demütigen, zu diskriminieren, zu hassen.»

Der Name «Peace Now» ist denn auch nicht zufällig gewählt. «Natürlich geht es mir primär darum, dass die Leute Freude haben, wenn sie meine Konzerte besuchen und dass wir das Leben geniessen, so gut es geht. Nur ist das manchmal so schwierig und widersprüchlich, wenn man sich vor Augen führt, wie es läuft auf der Welt.»

Aber was soll Musik gegen die Politik der Welt ausrichten können? «Musik kann die Welt verändern», sagt Peter Schärli und fügt an: «Man muss ihr nur zuhören.»

Schärli – Peace Now: 13. Dezember, 20.30 Uhr, Jazzkantine