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Musik kann die Zeit anhalten

Das Appenzeller Kammerorchester hat in Herisau und Rehetobel ein durchdachtes Programm zum Thema Leben und Sterben präsentiert. Die neue Komposition von Jürg Surber fügte sich da nahtlos ein.
Martin Preisser
Komponist und Dirigent: Jürg Surber leitet das Appenzeller Kammerorchester. (Bild: Hanspeter Schiess)

Komponist und Dirigent: Jürg Surber leitet das Appenzeller Kammerorchester. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens», hat der Philosoph Khalil Gibran in seinem «Prophet» geschrieben. Dass Leben und Tod eins seien, über diesen Gedanken hat der Musiker Jürg Surber eine Komposition geschrieben. Und sein neues Stück schien ganz an den Duktus der anderen Stücke des Konzerts des Appenzeller Kammerorchesters und des Vokalensembles Voci anzuknüpfen.

Gibrans Gedanken fasst Surber in eine gleichzeitig archaische wie gemässigt moderne Klangsprache. Da gibt es harmonische Verbindungen, die an die englische Chortradition der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnern, aber auch an die Welt der Gregorianik.

Das Stück ist so offen wie intensiv, wobei Surber nie dick aufträgt, sondern bei aller Spannung, aber auch bei stehenden Klängen einen ruhigen, dezenten Ausdruck findet, der das Werk gerade dadurch zugänglich macht. «Denn Leben und Tod sind eins» strahlt gedeckte Expressivität und elementare Eindringlichkeit aus. Es führt Musikepochen feinsinnig zusammen und lässt auch tänzerisch-rituelle Elemente nicht vermissen.

Unbekannte Perlen in ruhigem Fluss

Der ganze, in Text- und Musikauswahl ansprechende, durchdachte Konzertabend strahlte etwas Dezentes und konzentriert Reflexives aus. «In the midst of life» präsentierte Musik und Texte zum Sterben. Und reihte teils unbekannte Perlen in einem ruhig fliessenden roten Faden aneinander. Eine kleine Entdeckung war ein barockes Requiem in F des Venezianers Antonio Lotti, der mit einer schön umgesetzten Balance aus Schlichtheit und Nachdrücklichkeit überzeugte. Höhepunkte des Abends bildete natürlich die Musik der Engländer John Dowland und Henry Purcell. Renaissance und Frühbarock erwiesen sich an diesem Konzert wieder als uns sehr nahe liegende und vor allem nahe gehende Epochen. Alle Beteiligten setzten diese poetische und klangsinnliche Musik mit beherztem und angenehm introvertiertem Engagement um.

Reflexionen über Leben und Tod sind auch Reflexionen über die Zeit. Das Programm erreichte eine spannende Zusammenführung ganz verschiedener Epochen zu einem musikalischen Jetzt. Und an manchen Stellen schien diese Zeit auch stehen zu bleiben. Dirigent Jürg Surber erwies sich als der ruhige Dirigent, den nicht die vordergründige Wirkung von Musik interessiert.

Chor und Orchester überzeugten mit konzentrierten und gedeckten Klangfarben bei den Streichern, nicht zuletzt auch hervorgerufen durch das Spiel mit historischen Bögen. Der kräftige, durchaus selbstbewusste Sopran von Maria Walpen setzte ebenso Akzente wie das souveräne Spiel von Konzertmeisterin Christine Baumann. Nachdenkliche Gitarrenklänge steuerte Christian ­Berger bei. Und Schauspielerin Jeanne Devos rezitierte nicht nur Texte von Gibran, Rumi und Rose Ausländer, sondern unterstrich das Gesamtkonzept dieses Abends, der durch seine interessante Kombination aus Wort und Musik zu einer intensiven, lohnenden Reflexion über ein geheimnisvolles Thema wurde.

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