Thomas Kräuchi komponiert Musik, um sie zu verstehen

Jazzpianist Thomas Kräuchi macht Musik, die berührt - und «bewusste Stilkopien» sind.

Martin Preisser
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Jazzpianist und Komponist Thomas Kräuchi. (Bild: Hanspeter Schiess)

Jazzpianist und Komponist Thomas Kräuchi. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Bewusste Stilkopien» seien seine Kompositionen, sagt Jazzpianist Thomas Kräuchi. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Die zehn fein gebauten, sensibel empfundenen Stücke für Violine und Klavier, die der ehemalige Klavierlehrer an der Kantonsschule am Burgraben und Theorielehrer an der Jazzschule St. Gallen mit seiner Tochter Julia Kräuchi eingespielt hat, sind mit «Herzensangelegenheiten» betitelt. Es ist Musik, die berührt, sehr persönlich wirkt und – eben Stilkopie – dabei den Fundus traditioneller Formen, Kadenzen und Strukturen subtil erforscht und dann aber individuell füllt.

Da klingen Stücke nach Schubert oder Reger, brahmssche Melancholie kommt herein oder der Schwung eines romantischen Jägerstücks. Thomas Kräuchi komponiert auch, weil er wissen will, wie die Musik der grossen Vorbilder gemacht ist; er will sie intellektuell durchdringen, an ihr wachsen:

«Ich lerne viel über Musik, wenn ich sie schreibe.»

Die ruhigen Duos auf der CD ahmen aber nie bloss eine Vorlage nach, sondern sind, auch was die Eigenständigkeit der Stimmen angeht, einnehmend präzis gebaut. «Komponieren ist eine strenge geistig-intellektuelle Auseinandersetzung, ein Planspiel, ein Lernprozess», sagt Kräuchi. Am Mittwoch präsentiert er mit seiner Tochter sowie der Bratscherin Rahel Zellweger neue Triostücke unter dem Motto «Spurensuche», angelehnt auch an alte kirchenmusikalische Formen. «Die neuen Arbeiten haben mich sehr gefordert», sagt der 66-jährige Musiker aus Berg SG: «Sie sind harmonisch komplex und farbig.» Und auch sie wollen wieder Herzensangelegenheiten sein.

Konzert: Mi, 19.12., 12.15 Uhr, St. Laurenzen, St. Gallen