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Long Tall Jefferson macht Musik mit besonderem Herzton

Long Tall Jefferson gehört zu den wenigen Luzerner Musikern, die es auf eigene Faust geschafft haben, sich respektabel Gehör zu verschaffen. Nun legt er mit «Lucky Guy» ein neues, starkes Album vor.
Interview: Pirmin Bossart
Simon Borer alias Long Tall Jefferson hat in den letzten zwei Jahren knapp 200 Konzerte gespielt. Bild: PD

Simon Borer alias Long Tall Jefferson hat in den letzten zwei Jahren knapp 200 Konzerte gespielt. Bild: PD

Die Songs des vor über zwei Jahren erschienenen Débuts «I Want My Honey Back» sind längst noch nicht abgegriffen, da folgt der nächste Streich: Mit «Lucky Guy» veröffentlicht der gebürtige Buttisholzer Simon Borer alias Long Tall Jefferson ein ausgezeichnetes Nachfolgealbum, auf dem neue Einflüsse auftauchen. Es wurde mit Produzent Timo Keller in dessen Studio «Vom Dach» in Luzern aufgenommen.

Die elf Songs tragen untrüglich die Handschrift von Long Tall Jefferson: Da ist dieser melancholische Tonfall ohne Gejammer, dazu ein präzises Song-Handwerk, das die Musik prägnant und sensibel hält und eine deepe Stimmung erzeugt. Wir lieben nicht zuletzt Long Tall Jeffersons Artikulation. Die Art und Weise, wie er intoniert, Worte in Flow bringt, mit Selbstreferenzen spielt und auch mal zwischen den Zeilen lächelt.

Auf «Lucky Guy» hat der Gitarrist und Sänger erstmals diverse Musiker beigezogen, die seine Songs vom kargen Folk zum ­etwas üppiger instrumentierten Pop verwandeln. Songs wie «Stay A Little Longer», «Good Dreamer» oder «Over For Tea» sind Beispiele für den Einfluss des «Cosmic Pop», wie ihn Produzent Timo Keller im Blut hat. Die Songs klingen nicht überarrangiert, sondern behalten ihren erdigen Charakter und ihren besonderen Herzton.

Long Tall Jefferson, ihr Alltag in den letzten Jahren war von Konzerten in halb Europa geprägt. Wie behagt Ihnen dieses Leben eines herumziehenden Musikers?

Sehr gut. In den letzten zwei Jahren habe ich über 200 Konzerte gespielt. Es ist ein etwas ruheloser Zustand, aber den habe ich auch, wenn ich wieder mal daheim bin. Mein Alltag ist nicht sehr geregelt, jeder Tag ist anders. Ich muss mir die Zeit regelrecht erkämpfen, um ein wenig Ruhe zu haben, Songs zu entwickeln.

Schreiben Sie unterwegs auch Songs?

Unterwegs sammle ich Ideen. Alleine auf Tour, bist du die einzige Ansprechperson. Da fehlt meistens die Zeit, um einzutauchen. Vor allem braucht es einen freien Kopf. Vereinzelt sind auch schon Songs unterwegs entstanden. So erzählt etwa «You & The Uni­verse» vom Unterwegssein eines Musikers. Er schaut aus dem Zugfenster und fragt sich, wohin er geht und was das Leben der Menschen draussen mit seinem eigenen zu tun haben könnte.

Wie entsteht ein neuer Song?

Manchmal ist es ein bestimmter Akkordwechsel, manchmal eine einzelne Zeile, die mir gut über die Lippen geht und die ich gerne singe. Daraus kann sich ein Song entwickeln. Aber ich weiss dann noch nicht, wohin es ihn treibt, wie der Refrain lautet, ob es noch eine Bridge gibt. Ich höre dem Song zu, wohin er will.

Wie wollten Sie, dass Ihr Album «Lucky Guy» klingt?

Produzent Timo Keller und ich waren uns einig, dass wir ganz klar ein Long-Tall-Jefferson-Album machen wollten, eines, das mit anderen Musikern aber ergänzt werden und einen Pop-Charakter haben sollte.

Sie haben nun eine Live-Band: Was soll diese Band mit ihren Songs anstellen?

Ich hatte nie die Idee, der Typ auf der Bühne zu sein, der sich von einer Band begleiten lässt. Es muss «crazy» sein, es muss etwas passieren, die Songs sollen auch laut werden oder mal ausfahren können. Grundsätzlich geht es darum, den Songs eine andere Klanglichkeit zu verleihen. Und wenn Franziska und Martina Backing Vocals singen, tönt das schon sehr cool.

Früher spielten Sie in Pop-Bands oder waren bis vor kurzem als Sideman mit Pablo Nouvelle unterwegs. Was nehmen Sie von diesen Erfahrungen mit?

Es ist nicht die Musik, die mich geprägt hat, sondern das Zusammensein mit anderen Musikern. Die Stunden gemeinsam im Bus, das Diskutieren über Bands, Songs, die verschiedenen Haltungen und Wahrnehmungen, der Austausch mit Musikern, die ich respektiere. Die Freundschaften, das Menschliche, die Erfahrung.

Reichen all Ihre musikalischen Aktivitäten, um von der Musik leben zu können?

Seit drei Jahren habe ich nie mehr einen anderen Job gehabt. Ich lebe nicht in Luxus, aber es geht irgendwie, und das stimmt so für mich. Ich kann Musiker sein und einen Alltag leben, wie ich ihn mir gewünscht habe.

Man hat oft das Gefühl, dass die Leute an Konzerten gar nicht mehr richtig zuhören. Es wird geschnorrt und auf dem Handy herumgescrollt. Erleben Sie das anders?

Ich hatte bis jetzt praktisch immer ein Publikum, das wirklich zugehört hat. Vielleicht geht das gar nicht anders. Meine Musik fordert, dass man sich darauf einlässt. Das unterscheidet mich wahrscheinlich auch vom Singer-Songwriter-Genre, das viele Leute als schön und nett erleben.

Mit dem Streaming können jederzeit 40 Millionen Songs erschlossen werden. Wie verschafft man sich da noch Aufmerksamkeit?

Streaming-Plattformen wie Spotify funktionieren mit Playlists. Die Aufmerksamkeit steigt sofort, wenn man in eine Playlist aufgenommen wird. Das muss man sich gezielt erarbeiten. Einer meiner neuen Songs – «Over For Tea» – ist jetzt auf der Playlist «Kaffeehausmusik». Und schon wird der Song in grösseren Städten wie Berlin oder Wien häufig gespielt.

Long Tall Jefferson: Lucky Guy (Red Brick Chapel)

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