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MUSIK: Popsängerin Janelle Monáe: «Ich kämpfe für sexuelle Freiheit»

Prince war ihr Mentor. Jetzt ist Popkünstlerin Janelle Monáe zurück. Ihr Album «Dirty Computer» ist eine knallige Hymne an die Weiblichkeit. Die Sängerin feiert sich darauf selbst als bisexuelle schwarze Frau.
Steffen Rüth
Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe spielt das Spiel mit dem Pop und den Genderrollen nach ihren eigenen Regeln. (Bild: Nina Prommer/EPA (Beverly Hills, 4. März 2018))

Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe spielt das Spiel mit dem Pop und den Genderrollen nach ihren eigenen Regeln. (Bild: Nina Prommer/EPA (Beverly Hills, 4. März 2018))

Interview: Steffen Rüth

Was für eine Frau. Janelle Monáe, vor 32 Jahren in Kansas City geboren und früh von Prince, BigBoi (Outkast) und Puff Daddy ­gefördert, hat schon mit zwei soulfuturistischen Alben für Aufsehen gesorgt. Ihr drittes Album, «Dirty Computer», ist ihr zugänglichstes. Wir sprechen mit einer entspannten Janelle Monáe in einem Berliner Privatclub. Weder das Hühnchen noch die Frites vor ihr rührt sie während des Interviews an.

Janelle Monáe, wir führen dieses Gespräch ausgerechnet am internationalen Welt­frauentag. Bedeutet Ihnen dieses Datum etwas?

Oh mein Gott, natürlich, absolut und zu hundert Prozent. Ich liebe es, eine Frau zu sein. Ich liebe es, andere Frauen zu unterstützen und zu fördern. Mädchen sollen schon früh die Gewissheit haben, dass sie auf einem hohen Niveau mithalten können, dass sie selbstverständlich in allen Bereichen die gleichen Chancen haben wie Jungs.

Feminismus kommt auch Männern zugute, oder?

Selbstverständlich. Feminismus nützt der gesamten Menschheit. Wir alle profitieren als Gesellschaft, wenn niemand diskriminiert oder unterschätzt wird. Die Rechte der Frauen und ihr Wohlergehen sind ein Menschenrecht. Wenn du dich um die Frauen kümmerst, dann kümmerst du dich um die gesamte menschliche Rasse.

Sind Sie zäh?

Oh ja. Zäh und zuversichtlich. Rückschläge und Hindernisse runden meine Persönlichkeit ab. Deshalb denke ich auch nicht, dass die kommerzielle Weltherrschaft das grosse Ziel ist. Was ich will, ist, mit meiner Kunst etwas Positives zur Gesellschaft beizutragen.

Sie spielten in «Moonlight» und «Hidden Figures» mit, den wichtigsten Filmen des vergangenen Jahres. Glück oder ein gutes Händchen?

Wahrscheinlich beides (lacht). Ich habe Rollen ausgewählt, zu denen ich gleich eine starke und feste Verbindung aufbauen konnte. Das Drehbuch zu «Moonlight» habe ich im Flugzeug gelesen. Ich sass am Fenster und weiss noch, wie ich mir die Decke über den Kopf zog und zu heulen anfing, als ich die Geschichte über diesen kleinen Jungen las.

Und das Drehbuch zu ­«Hidden Figures»?

Bei «Hidden Figures» habe ich mich wiederum total geärgert, dass niemand von diesen Frauen wusste, von diesen genialen schwarzen Mathematikerinnen bei der Nasa, ohne die die gesamte Geschichte der bemannten Raumfahrt vielleicht anders aussähe. Mein Gedanke war: Die Leute müssen diese Frauen kennen lernen.

Warum?

Diese Filme feiern Menschen, die mir am Herzen liegen – taffe, kluge Frauen und einen jungen, schwulen Schwarzen, ein Mitglied der LGBQ-Gemeinschaft. («Lesbian, Gay, Bisexual, Queer», Anm. der Red.). Gerade diese Menschen bekommen zu häufig nicht die Anerkennung, die sie ver­dienen.

In «Django Jane» rappen Sie «Let the vagina do the monologue». Sollen die Männer mal die Klappe halten und die Frauen den Mund aufmachen?

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Männer, ich liebe Männer, und nicht alle Männer sind der Feind. Aber es gibt Feinde. Manche sind schrecklich. Ich denke, der derzeitige Führer der freien Welt, und mit ihm die Männer und Frauen, die sein Tun ermöglichen, sind meine Feinde.

Ihre Feinde?

Diese Leute interessieren sich nicht für mich, eine junge schwarze Frau, deren Eltern aus der Arbeiterklasse stammen. Ich denke, es ist allerhöchste Zeit, dass mehr Frauen in machtvolle Positionen kommen, gerade in den USA. Es gibt Studien, die zeigen, dass sexuelle Belästigungen abnehmen, sobald Frauen in einem Betrieb das Sagen haben.

«Make Me Feel» ist eine Funk-Dance-Nummer mit starkem 80ies-Einfluss. Man kann sich vorstellen, wie die Leute am Strand zu dem Song Party machen werden.

Yeah, hoffentlich tun sie das. «Make Me Feel» dreht sich zu hundert Prozent ums Feiern. «Django Jane» ist eine relativ wütende Botschaft, aber «Make Me Feel» ist ein überschwänglich fröhlicher Song.

Aber mit einer Botschaft...

Das Lied ist ein Plädoyer für sexuelle Befreiung und sexuelle Freiheit. Ich finde, jeder Mensch hat das Recht, seine Sexualität nicht klar zu definieren. Bei vielen von uns funktioniert das ja auch nicht innerhalb eines Schwarz-Weiss-Schemas. Leben wir nicht sowieso alle irgendwo in einem Graubereich? Jeder soll so leben und so lieben können, wie er möchte und wie er ist – ohne bewertet zu werden. Wäre es nicht wundervoll, in einer Welt zu leben, in der wir alle vollkommen frei und ohne Tabus glücklich werden dürfen?

Im Video zu «Make Me Feel» tanzen Sie hin und her gerissen zwischen einer männlichen und einer weiblichen Person. Manche interpretieren den Clip als bisexuelles Coming-out.

I am a free motherfucker. Mehr möchte ich zu der Frage nicht sagen.

An «Make Me Feel» haben Sie mit Prince gearbeitet, der Song klingt nach «Kiss».

Prince war ein Mentor und ein enger Freund. Jedes Mal, wenn ich eine neue Platte anfing, ging ich zuerst zu ihm.

Was können Sie über seine Persönlichkeit erzählen?

Er war zurückhaltend. Zum Beispiel wollte er nicht, dass die Öffentlichkeit weiss, wie viel er für mich und meine Musik tat. Prince hatte mehr Einfluss auf meine Musik, als die meisten Menschen glauben. Kurzum: Prince ist mein Held.

Warum heisst das Album «Dirty Computer»?

Weil es sich mit den Viren und Programmfehlern von uns selbst beschäftigt. Die Gesellschaft sieht unsere Unzulänglichkeiten als etwas Negatives, als etwas, das man korrigieren muss. «Dirty Computer» feiert die Fehler, die die Gesellschaft bereichern. Ich jedenfalls liebe den «Dirty Computer» in meinem Kopf, ich habe nicht vor, meine Festplatte jemals zu säubern.

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