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MUSIK: Sphärischer Klangfarben-Pop

Subtiles Gefrickel, zarte Sphären, dunkle Pulse: Jon Hood ist ein Luzerner Trio, das auf seinem ersten Album dem minimalistischen (Dream-)Pop huldigt.

Jon Hood ist eine Art Supergroup der jungen Luzerner Szene: Da ist Joan Seiler, die einst als zart singende Singer-Songwriterin mit Gitarre im «Underground» auftauchte und später mit Joan & the Sailors zwei Alben mit düster-schönen Folk-Rock-Songs veröffentlichte. Nun bildet sie mit Mario Hänni und Martin Schenker das Trio Jon Hood. Die Band ist Teil des mittlerweile prominent angewachsenen Musiker-Kollektivs von Red Brick Chapel, das vom Luzerner Simon Borer (Long Tall Jefferson) koordiniert wird.

Multiinstrumentalist Hänni, der auch mit dem Trio Heinz Herbert, Hanreti, Pablo Nouvelle, Mnevis und seinem Soloprojekt Rio aktiv ist, gehört zu den kreativsten Schlagzeugern der Schweiz. Gitarrist und Songschreiber Martin Schenker macht zurzeit als Frontman der «sophisticated» Pop-Band Alois von sich reden. Als Jon Hood arbeiten die drei seit zwei Jahren zusammen. Vor einem Jahr machten sie den Soundtrack zur Inszenierung «Romeo und Julia» im Luzerner Theater.

«Body Semantics» heisst ihr Debut, das dem Langweiler-Genre «Dream Pop» eine hörenswerte Auffrischung verpasst. Das klingt immer noch träumerisch und schwebend, ist aber von vielen klanglichen Finessen durchwirkt, die mit folkigen und minimal-elektronischen Elementen zu einem eigenen Ganzen verwoben werden. Manchmal erwacht ein guter Puls und verleiht der Musik Volumen. Produziert hat das Album der in Bern wirkende Musiker Conrad Lambert alias Merz, was durchaus als Gütesiegel zu verstehen ist. Viele Klangfarben dürften auch auf sein Konto gehen.

Zart und sphärisch, minimal und schwelgerisch, fragil und ausgefeilt halten sich die Songs in einer eigentümlichen Schwebe. Das macht sie quasi wertneutral und interessant, aber selten zwingend. Keiner der neun Songs bleibt einem wirklich im Ohr. Eher sind es einzelne Melodiefragmente und Klangbausteine, wie sie sich über das ganze Album ziehen und nie akut songspezifisch sind, die für den eigenen Geschmack von «Body Semantics» sorgen.

Eher nerdig als erdig

Atmosphärisch erinnern uns Seilers Phrasierungen punktuell an Sängerinnen wie Linda Perhacs oder die frühen New-Weird-Ikonen Josephine Foster oder Marissa Nadler. Doch wo diese Stimmen in ein bluesig-erdigeres oder Americana-verschrobeneres Musiksubstrat gepackt waren, dominiert auf «Body Semantics» ein zeitgenössisch-minimales Klangbild aus nerdigen Pop-Mikrozellen und Elektro-Abstraktheiten. Das kann durchaus mal soft-avantgardistisch flunkern, bleibt aber stets zugänglich und frei von Abgründen.

Joan Seilers Stimme ist oft in verhallte Atmosphären getaucht. Lieblichkeit und Entrücktheit gehen bei ihr Hand in Hand, rutschen aber dank ausgefeilter Arrangements mit punktuellen Störelementen und reduzierten Texturen nicht ins Kitschige ab. Dass Jon Hood mit «I Won’t Hurt You» einen Song von The West Coast Pop Art Experimental Band gecovert haben, finden wir zweifach ausserordentlich: Zum einen rücken sie eine grossartige Band ins Bewusstsein, die wir schon lange verehren, zum andern ist auch ihre entschlackte Version ganz einnehmend geglückt.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Jon Hood. Body Semantics, Red Brick Chapel, 2017.

Freitag, 27. Oktober, 22 Uhr, Südpol: Plattentaufe Jon Hood.

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