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Volkskultur in Obwalden: Musik voller Schwermut und Sehnsucht

Das Volkskulturfest Obwald, das noch bis Sonntag läuft, hat dieses Jahr Portugal zu Gast. Die Kontraste sind diesmal eher sanft. Für den spannendsten musikalischen Akzent sorgt ein Toggenburger.
Michael Graber
Sie vertreten das Gastland Portugal: Die Grupo Coral e Etnografico da Casa do Povo de Serpa. (Bilder Dominik Wunderli, 29. Juni 2018)

Sie vertreten das Gastland Portugal: Die Grupo Coral e Etnografico da Casa do Povo de Serpa. (Bilder Dominik Wunderli, 29. Juni 2018)


Die Nacht krabbelt langsam unter das aufgespannte Zeltdach. Die Bühne ist voll geworden. Neben den Jodlern aus dem Entlebuch sitzen stämmige Portugiesen, vorne singt und spielt eine Ländlertruppe um Simon Lüthi. Das Volkskulturfest Obwald lässt Welten aufeinanderprallen. Dieses Mal ist Portugal zu Gast, und das Aufeinanderprallen ist sanft.

Zwar mögen zwischen dem Toggenburg – dort kommt Simon Lüthi her – und Serpa, der Heimat des portugiesischen Männerchors, knapp 2000 Kilometer liegen. Aber musikalisch sind sie näher beieinander. Unterschiede gibt es schon – in Farbe, Tonalität und Phrasierung. Aber es sind keine scharfen Kontraste.

Noch kein Verschmelzen

Ohnehin: Es wird alles mundgerecht serviert am Obwald. Die einzelnen Beiträge haben Häppchenlänge. Zwischen fünf und fünfzehn Minuten stehen die einzelnen Gruppen im Vordergrund, bevor sie sich niedersetzen und zuhören. Es gibt an diesem Eröffnungsabend am Donnerstag auf der Waldlichtung in der Nähe von Giswil noch kein Verschmelzen zwischen der Musik aus Portugal und der Schweiz. Möglich, dass dies noch passiert. Die Vorstellung, dass der brummige Männerchor mit dem Örgeli von Lüthi musiziert, wäre spannend.

Spätestens nach der Pause ist das Programm aber auch so sehr reizvoll. Ein Highlight ist Bernhard Betschart mit seinem Naturjuuz. Es ist extrem imposant, was der Muotathaler für Laute aus seinem Mund hervorkratzt. Es geht auf und ab, ist mal laut und leise. Zusammen mit Karin Gwerder, Partnerin von Simon Lüthi, wird dann im Duett ge­juuzt. Der Männerchor dahinter staunt und nickt anerkennend.

Vielleicht der grösste Unterschied zwischen den Portugiesen und den Schweizern sind die Bilder, die die Musik im Kopf hervorruft. Bei den Jodlern, Juuzern und Volksmusikanten denkt man an die Berge, während der Chor aus Serpa und die Fadosängerin Ana Sofia Varela einen ans Meer entführen. Es schwingt immer eine Mischung aus Sehnsucht und Schwermut mit. Man kennt diese Stimmung vielleicht aus den Ferien, wenn man am Tag vor der Abreise noch einmal auf das offene Meer schaut.

Wunderbar beobachten lässt sich das Ritualisierte, das beiden Volksmusiken inne ist. Der Chor tritt immer gleich auf, fängt gleich an, auch die Lieder entwickeln sich stets ähnlich. Ähnliche Rituale sieht man, wenn die Jodler sich in den Halbkreis stellen. Die Traditionen scheinen ähnlich, sind einfach in den Kontext der jeweiligen Region gestellt.

Grosses Gewusel im Backstage

Klänge aus dem Toggenburg.

Klänge aus dem Toggenburg.

Einen wichtigen Beitrag für das Gelingen des Abends leistet Simon Lüthi. Mit seinem virtuosen Örgelispiel verleiht er dem Abend eine zusätzliche musikalische Komponente. Durch die fehlenden scharfen Kontraste droht der Abend dann und wann zu gleichförmig zu werden. Lüthi und der Häppchenlänge sei Dank, dass es zwar da und dort einzelne Längen hat, aber nie langweilig wird.

In dieser Stimmung kann man sich verlieren. Die Berge im Hintergrund werden vom Vollmond beleuchtet, und in der Küche gibt es Gerichte aus der Schweiz und Portugal. Und im Backstage herrscht stets ein grosses Gewusel. Das Obwald hat etwas, was vielen anderen Anlässen fehlt: Es ist inspirierend.

Für den Abschluss vom Sonntag 1. Juli gibt es noch Tickets: www.obwald.ch.

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