Tipp der Woche

Chiaroscuro Quartet spielt Schubert: Liebe auf den ersten Ton

Man kann es sich leichter machen. Ausgerechnet Schubert und dann noch «Der Tod und das Mädchen». Das Werk gilt als Krönung aller Quartettkunst. Doch leicht machen will es sich das 2005 gegründete Chiaroscuro Quartet ohnehin nicht.

Anna Kardos 
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Die vier jungen Musiker des Chiaroscuro Quartets.

Die vier jungen Musiker des Chiaroscuro Quartets.

Eva Vermandel

«Arbeite hart, aber verpasse das Leben nicht. Schliesslich willst du mit der Musik etwas zu erzählen haben», verraten die vier jungen Musiker auf Youtube. Und was sie mit Schuberts berühmtem Streichquartett in tragischem d-Moll erzählen, ist tatsächlich allerhand.

Da wird aus dem museal bewunderten Meisterwerk alias «Der Tod und das Mädchen» ein Stück lebendige Musik, ja ein musikantisches Kabinettstück. Schon der Klang der vier geht unter die Haut. Kernig, dunkel, erdig, manchmal gar schrammelnd. Und er nimmt sogleich Fahrt auf unter ihren virtuosen und darüber hinaus historisch geschulten Händen, formt sich zum gespenstischen Ritt durch das nächtliche Wien. Alles ist da: Tanzkapelle und Walzer, Hornsignale und Vogelgezwitscher, Todesahnung und wilder Galopp, es ist eine Musik wie aus Schuberts Leben – und vielleicht auch aus seinen (Alb-)Träumen.

Damit nicht genug. Auch das zweite Schubert-Quartett auf dem Album, No. 9 in g-Moll steht seinem «grossen Bruder» in nichts nach. So lebendig, so organisch, so persönlich ist das, schlicht Liebe auf den ersten Ton.

Chiaroscuro Quartet: «Schubert String Quartets. No 14 an No 9.» BIS Records 2018.