Klassik
Den Kampf der Zürcher Orchester und ihren Solisten gibt es jetzt auf CD

Zwei junge Pianistinnen beflügeln den Zürcher Orchester-Konkurrenzkampf: Yuja Wang hilft der Tonhalle, Lise de la Salle der Philharmonia, dem Opernorchester.

Christian Berzins
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Lise de la Salle (l.) und Yuja Wang (r.)

Lise de la Salle (l.) und Yuja Wang (r.)

HO

Lionel Bringuier und Fabio Luisi haben ein gesundes Selbstvertrauen. Beide Zürcher Chefdirigenten präsentieren sich diese Tage der Welt mit vielgespieltem sinfonischem Repertoire auf CD. Das ist insofern mutig, da doch der 29-jährige Bringuier erst ein Jahr mit dem Tonhalle-Orchester zusammenarbeitet, und der erfahrene, 56-jährige Luisi mit der Philharmonia Zürich kein Sinfonie-, sondern ein Opernorchester leitet.

Und im Opernhaus legt man nicht bloss eine CD vor, sondern gleich alle Klavierkonzerte Rachmaninows in einer hübschen 3-CD-Box – allesamt live aufgenommen.

So sind denn auf beiden Aufnahmen nicht nur die Orchester oder ihre Dirigenten das Verkaufs-Zugpferd, sondern auch die Solistinnen: die 27-jährige Französin Lise de la Salle bei der Philharmonia und die 28-jährige US-Chinesin Yuja Wang beim Tonhalle-Orchester.

Fern von Klischees

Famos sind beide. Lise da la Salle beherrscht ihren Rachmaninow, spielt alle vier Konzerte mitsamt Paganini-Rhapsodie mit Sinn für einen flächigen Klang und beschenkt uns doch mit schönsten Details. Zwischen dem Orchester und de La Salle herrscht ein grosses Einverständnis, da ist eine Einheit in der Aussage zu spüren. In der Ravel-CD des Tonhalle-Orchesters leuchtet Yuja Wang heraus: Sie sorgt für die überraschenden Momente – und zaubert.

Selbst wenn im langsamen Satz des Ravel-Konzertes die Orchestersolisten triumphieren, ist es die Pianistin, die den Puls vorgibt. Sie zeigt, dass Auftrumpfen nichts mit Druck oder Schönheitssuche zu tun hat.

Die Philharmonia zeigt sich in Rachmaninows Welt sattelfest. Luisi weiss, was er will: Da rollt nicht eine dunkle russische Klangwolke über den Hörer hinweg, sondern dieser Rachmaninow ist auch mal leicht, duftig und hell. Klischees sollen die andere bedienen.

Auch das Tonhalle-Orchester Zürich hat mit dem klischierten französischen Klang nichts am Hut: Ravel wirkt zwar durchaus sattelfest, aber auch etwas schwer. Allerdings steht auf keinem Papier, dass französische Musik dauernd rosarotleicht duften muss. Bringuier mag seinen Ravel nun mal zupackend. Eine impulsive Solistin wie Yuja Wang kann ein Orchester durchaus mitreissen, brillant über die Stränge zu schlagen.

Hier ein Abstrich, da eine Trübung. Na und? Zwei sich konkurrierende Schweizer Orchester spielen mutig und eigenwillig gewichtige Werke ein, das Tonhalle-Orchester gar bei der stolzen Deutschen Grammophon. Da darf man durchaus auch stolz sein. Über die Zürcher Stadtgrenze hinaus.

Ravel: Piano Concertos u.a. Wang, Tonhalle-Orchester Zürich, Bringuier, Deutsche Grammophon 2015

Rachmaninov: Piano Concertos 1-4 u.a., de la Salle, Philharmonia Zürich, Luisi, Philharmonia rec 2015

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