Opernhaus Zürich
Homoki ist auf Kurs zur schwarzen Null

Andreas Homoki und sein Team präsentierten das neue Programm des Opernhauses Zürich: Es ist ein kluger Mix von Moderne und Tradition. Die finanzielle Bilanz der ersten Saison des neuen Zürcher Opernchefs sollte positiv ausfallen.

Christian Berzins
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Andreas Homoki vor dem Zürcher Opernhaus (Archiv)

Andreas Homoki vor dem Zürcher Opernhaus (Archiv)

Keystone

Andreas Homoki macht den Pereira schon ziemlich gut. Der neue Zürcher Opernhausintendant erwähnte bei der Programmpräsentation jeden Projektsponsor ebenso deutlich wie den jeweiligen Dirigenten – und naturgemäss läuft gemäss seiner Aussagen alles grossartig. Ob Eröffnungsfest, modern inszenierter «Rigoletto» oder die Kinderoper: Alles wurde offenbar gestürmt. Und deshalb war man dann umso neugieriger auf die nackten Zahl. Geht das «System Homoki» dank der 80 Subventionsmillionen auf oder gibt es trotzdem den befürchteten Einbruch?

Der neue kaufmännischer Direktor Christian Berner zeigte sich verhalten optimistisch. Die Abonnemente (ein Drittel aller Kartenverkäufe) nahmen leicht zu und in den ersten Monaten lag die Auslastung über 80 Prozent – also höher als bei Pereira in den letzten Jahren. Damit ist man in der Saison 2012/2013 auf dem Weg zu einer schwarzen Null.

Das ist eine gute Ausgangslage für die Saison 2013/14, die man mutig mit der Zürcher Erstaufführung von Bernd Alois Zimmermanns (1918-1970) monumentalen «Die Soldaten» beginnt. Calixto Bieito, in Basel wie Bern geliebter und gehasster Sex- und Gewalt-Regisseur, wird das erste Mal am Opernhaus Zürich arbeiten. Das zweite moderne Werk ist dann bereits die Kinderoper rund um Weihnachten: Der Komponist Marius Felix Lange vertont «Das Gespenst von Canterville», eine Gruseloper nach Oscar Wilde. Damit führt man die Idee fort, die Kinderoper mit grossem Aufwand auf der Hauptbühne zu zeigen. Stolze 11 200 Eintritte verzeichnete bis jetzt «Die Schatzinsel».

Homoki zeigt sein grosses Interesse an den Regiekollegen, allesamt sind es moderne Geschichtenerzähler, die nach Zürich kommen, Alt- wie Jungstars halten sich die Waage: Christof Loy (*1962) inszeniert Händels «Alcina», Willy Decker (*1950) Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in Patria», Robert Carsen (*1954) Tschaikowskys «Pique Dame». Von den Jüngeren setzt Jan Philipp Gloger (*1981) Gounods «Faust», Tatjana Gürbaca (*1973) Verdis «Aïda» und Barrie Kosky (*1967) Puccinis «La Fanciulla del West» um. Homoki (*1960) steht in der Mitte, er inszeniert Beethovens «Fidelio».

Bei den Dirigenten tauchen weniger berühmte Namen auf, die Stars sind fast ganz verschwunden. Dem Relikt vergangener Ären, Nello Santi, gönnt man zwei Produktionen, Chefdirigent Fabio Luisi leitet deren fünf. Giovanni Antonini debütiert am Haus mit «Alcina».

Wer in den letzten Monaten im Opernhaus war, hörte, dass es auch famose Stimmen gibt, die nicht als «Weltstars» angepriesen werden. Und doch wurde gefragt, wo denn Kaliber wie José Cura, Thomas Hampson, Matti Salminen oder Vesselina Kasarova geblieben seien. Operndirektorin Sophie de Lindt sagte kühl und sachlich, dass gewisse von ihnen in der übernächsten Spielzeit wieder in Zürich auftreten, andere aber nicht mehr, da sie nicht für längere Proben zur Verfügung stehen. Cecilia Bartoli hingegen kehrt zurück (Alcina). René Pape wird in Zürich als Philippe II debütieren (Basel liebte 1992 in dieser Rolle), Edita Gruberova singt unoriginellerweise genau dieselben zwei Werke wie in der laufenden Saison.

Ballettchef Christian Spuck wird nach «Leonce und Lena» erneut einen Büchner-Abend zeigen und «Woyzeck» choreografieren. Im dreiteiligen Abend «Forellenquintett» wird der Schweizer Martin Schläpfer Schubert choreografieren. Douglas Lee und Jiri Kylian vervollständigen den Abend. Bei «Notations» gibt es Tanztheater von Wayne McGregor, Marco Goecke und von Spuck zu sehen. Der Abend wird im Rahmen von Festival «Steps» gezeigt, und geht dann auch in die Westschweiz auf Tournee

Auch das Opernhausorchester, die Philharmonia Zürich, hat grosse (Reise)pläne, selbst von CD-Aufnahmen ist die Rede (allerdings noch nicht an der Pressekonferenz). Das Tonhalle-Orchester muss sich warm anziehen, das Selbstvertrauen der Opernmannschaft ist riesig. Zurecht: Neun Opern und drei Ballette werden neuproduziert. «Wir sind das fleissigste Opernhaus der Welt» trompete Homoki – so wie einst Pereira.