Stella Doufexis
«Ich hatte viel Spass mit Christoph Waltz»

Mezzosopranistin Stella Doufexis macht zwischen Berlin und Wien für drei Konzerte Halt im Aargau. Die Ehefrau des Komponisten Christian Jost ist eng befreundet mit dem Zürcher Opernchef Andreas Homoki.

Christian Berzins
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Stella Doufexis tritt mit dem Argovia Philharmonic auf. Milena Schlösser

Stella Doufexis tritt mit dem Argovia Philharmonic auf. Milena Schlösser

Stella Doufexis, im Mai machen Sie einen Abstecher zwischen Berlin und Wien in die kleinen Konzertsäle des Kantons Aargau. Mögen Sie solche Sprünge von den Metropolen in die Provinz?

Stella Doufexis: Klassische Musik ist ein kostbares und zu pflegendes Gut – und dies überall auf der Welt. Mir ist es wichtig, die Menschen zu erreichen, da mache ich keinerlei Unterschiede. Für mich zählt das zu singende, zu gestaltende Werk, nur so kann ich authentische, im besten Fall magische Momente für die Menschen erstellen.

Es ist auch ein Abstecher von Händels «Xerxes» zu Maurice Ravels Orchesterlieder «Shéhérazade»! Wie herausfordernd ist für Ihre Stimme der Wechsel von Barock zu üppigem frühen 20. Jahrhundert?

Ein gut ausgebildeter Sänger sollte keine Probleme mit verschiedenen Stilrichtungen haben und sich, an den eigenen stimmlichen Möglichkeiten orientierend, immer wieder Neuem stellen. Ich geniesse diese Wechsel und die damit einhergehenden stimmlichen und darstellerischen Herausforderungen immer wieder sehr, sie bereichern mich geradezu und treiben mich an, Stimme und Ausdruck, Gestaltung und Interpretation frei und flexibel umzusetzen. So bleibe ich mit meiner Kunst immer in Bewegung, hinterfrage aus unterschiedlichen Blickwinkeln meine Arbeit und entdecke dabei ständig Neues, auch bei den mir bekannten und oft von mir aufgeführten Werken.

Wo liegen für die Sängerin die Schwierigkeiten in Ravels Orchesterliedern?

Im Erfassen und Verdeutlichen der besonderen Atmosphäre, die Ravel auf so wundersame Weise zu kreieren vermag. In den Farben der Klänge, den Farben der Sprache, alles ist geradezu perfekt komponiert, nichts dem Zufall überlassen. Hier einzutauchen und den richtigen Zugriff zu finden, dass alles im Einklang steht, ist jedes Mal eine spezielle Herausforderung, die ich sehr liebe.

Was verlangen Sie von einem Dirigenten beziehungsweise von seinem Orchester, wenn Sie «Shéhérazade» singen?

Dass wir uns gemeinsam auf genau diese Reise gegeben, dass wir die Schnittstelle erfassen, bei der Klang und Sprache ihren Zauber am besten entfalten können. Da Ravel so genau und ökonomisch strukturiert, sollte ein Dirigent diese Struktur wie einen orientalischen, fliegenden Teppich auszubreiten vermögen, auf dem ich gemeinsam mit dem Orchester schweben kann.

Wie wichtig wäre es, dass die Zuhörer nicht einfach Klänge, sondern Worte verstehen?

Die Worte – und somit der Inhalt – sind natürlich die Basis für jegliches Gesangsrepertoire, aber der Sänger sollte so deutlich lesbar sein, dass das Publikum auch ohne genaue Textkenntnis allem zu folgen vermag. Als Sängerin bin ich quasi die Tür, durch die der Zuhörer in diese fantastische Welt eintauchen kann.

Sie haben im Dezember in Antwerpen und Gent in einer weltweit beachteten «Rosenkavalier»-Aufführung mitgewirkt: Viel beachtet, da Hollywood-Star Christoph Waltz inszenierte. War das eine gute Erfahrung?

Selbstverständlich! Ein Mann mit diesen Erfahrungen, dieser Kenntnis von Oper und der ausgesprochenen Liebe zur Musik konnte in jedem Fall nur eine Bereicherung für mich und meine Arbeit sein, und ich habe es sehr genossen. Schauspielerisch habe ich eine völlig neue Art des Spielens kennen gelernt, das Zurücknehmen und Nichtspielen. Durch diese Art der Reduktion wurde jede Geste, jeder Blick sehr genau, fast schon filmisch übersetzt.

Lächeln Opernsänger nicht bisweilen über Opernregie-Neulinge, die einen grossen Namen tragen?

Natürlich haben wir gelächelt, wir hatten ja auch sehr viel Spass bei der Arbeit! Christoph Waltz ist hochgradig professionell und seriös in seiner Arbeit und das überträgt sich auch unmittelbar auf ein Ensemble.

Waren Sie im Berliner «Xerxes» von Stefan Herheim mehr gefordert?

Stefan Herheim ist ein Regietheater-Fantast, der aus seiner schier unerschöpflichen Fantasie die Opernhäuser immer wieder an den Rand des Machbaren treibt und damit herausragende Opernerlebnisse erschafft. Diese kraftvolle Energie hat etwas Wunderbares und liegt meiner Art, meine Rollen zu erarbeiten, sehr.

Ob Antwerpen oder Berlin: Sie singen da wie dort öfters Hosenrollen: Sie schlüpfen in die Rolle von Männern. Ist das eine Mezzo-Pflicht oder geradezu eine künstlerische Herausforderung für Sie?

Natürlich ist es eine der Hauptaufgaben eines Mezzosoprans, Hosenrollen zu gestalten und ich tue dies auch immer noch sehr gerne. Im Moment des Spielens denke ich darüber jedoch nicht mehr nach. Ich denke, empfinde und handle dann als die zu spielende Person, egal, ob diese männlich oder weiblich ist.

In Antwerpen trafen Sie unseren Schweizer Intendanten Aviel Cahn, in Berlin unseren Zürcher Intendanten Andreas Homoki. Wie erlebten Sie diese zwei Menschen?

Beide sind hoch professionelle Intendanten, die für die Oper brennen und dabei immer wieder auf der Suche nach innovativen und mitreissenden Aufführungsformen sind. Dies treibt beide gleichermassen an, daher fühle ich mich ihnen beiden sehr verbunden.

Ihr Mann Christian Jost komponiert für das Opernhaus Zürich die Oper «Rote Laterne» – die Uraufführung ist am 8. März 2015. Sie haben ihm bestimmt über die Schulter geschaut. Was dürfen wir erwarten?

Sicher einen spannenden und bewegenden Opernabend, den Sie sich nicht entgehen lassen sollten!

Warum singen Sie nicht mit?

Ich geniesse die Arbeiten meines Mannes auch sehr gerne von aussen, und mit dem wunderbaren Ensemble der Oper Zürich liegt die neue Oper meines Mannes dort in den besten Händen.

Stella Doufexis wurde 1968 in Frankfurt am Main geboren. Die Mezzosopranistin ist seit 2005 Ensemblemitglied an der Komischen Oper in Berlin, dem ehemaligen Haus von Zürichs Opernintendant Andreas Homoki. Oft gastiert Doufexis weltweit: nicht nur als Opern-, sondern immer wieder auch als Lied- und Konzertsängerin. Stella Doufexis lebt in Berlin und ist mit dem Komponisten und Dirigenten Christian Jost verheiratet. Ab Freitag singt sie dreimal im Aargau.

Argovia Philharmonic: Fr 9. Mai, 19.30 Uhr, Baden Trafo; So 11. Mai, 17 Uhr und Di 13. Mai, 19.30 Uhr, Bärenmatte Suhr. Chefdirigent Douglas Bostock dirigiert Werke von Borodin, Tan Dun, Ferruccio Busoni und begleitet Stella Doufexis in Maurice Ravels Orchesterliedern «Shéhérazade. Karten: www.argoviaphil.ch