Kurz vor dem Durchbruch, doch dann kam Corona: Warum diese Brugger Band trotzdem cool bleibt

Zwei Jahre hat die Brugger Band Ellas an ihrem Debütalbum gearbeitet. Jetzt hätte es erscheinen sollen – eigentlich.

Chris Sommer
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«Es bricht keine Welt zusammen»: Jorina Stamm von Ellas.

«Es bricht keine Welt zusammen»: Jorina Stamm von Ellas.

Bild: zvg

Dass der Kanton Aargau nicht nur stolzer Autobahn- sondern auch Kulturkanton ist, weiss man inzwischen in der ganzen Schweiz. Immer wieder sorgen junge Bands aus der Region um das Wasserschloss bis über die Landesgrenzen hinaus für Furore: Al Pride, One Sentence Supervisor oder Pedestrians – diese Namen kennt die Schweizer Musikwelt. Sie alle entstammen dem offensichtlich günstigen Aargauer Musikklima um Brugg und Baden. Einer der jüngsten Zugänge dieser Reihe ist die fünfköpfige Pop-Band Ellas. Letztes Wochenende hätte eigentlich ihr langersehntes Debütalbum «A Whole Lot More» veröffentlicht werden sollen.

Angefangen hat die Band mit Jorina Stamm (Gesang/Gitarre) und Sarina Schmid (Keys) als Duo. Kurze Zeit später folgten erste grosse Auftritte und 2 zusätzliche Bandmitglieder, ­Marius Meier (Bass) und Lukas Kuprecht (Drums). 2017 veröffentlichten die vier ihre erste EP, «You Can’t Drown A Fish».

Coolness trotz Absagen der grossen Festivals

Das Erstlingswerk zog die Aufmerksamkeit der Radiostationen auf sich, und so kürte SRF Virus das Stück «Strange World» als «Song der Woche». Mit Simon Boss an der Gitarre wuchs die Band zum Quintett, gleichzeitig entschlossen sich Ellas, an ihrem Debütalbum zu arbeiten. Das war vor über zwei Jahren. Fortan haben sie keine Konzerte mehr gespielt, um sich vollumfänglich dem Songwriting widmen zu können. Eine intensive Zeit, Jorina Stamm sagt heute: «Bei der Arbeit am Album haben wir uns richtig kennen gelernt.»

Zwei Jahre später ist das Album fertig und die Band bereit. Sie hatten ein Label gefunden, das ihr Debüt herausgibt, eine Agentur verschaffte Ellas Auftritte an den grössten Festivals der Schweiz. Eigentlich wäre alles perfekt gewesen. Doch dann brach die Covid-19-Pandemie über Europa herein.

Erst wurde die Albumtaufe und damit auch die Veröffentlichung des Debüts sowie die Releasetour verschoben. Schliesslich fiel auch Ellas’ Festivalsommer ins Wasser. Dass die abgesagten Auftritte an den renommiertesten Festivals der Schweiz wie dem Open Air St.Gallen oder dem Gurtenfestival Jorina Stamm nicht aus der Fassung bringen, zeigt, wie erwachsen die Band ist: «Es bricht jetzt keine Welt zusammen, wir veröffentlichen das Album einfach später und die Festivals spielen wir ein anderes Mal.»

Bereits aus dem Album erschienen sind zwei Singles. Im Song «Seven Billion» besingt Jorina Stamm mit ihrer warmen Stimme die Konflikte der Generation Tinder. Also den Millennials, die sich eigentlich mit der ganzen Welt und ihren sieben Milliarden Bewohnern verknüpfen können und genau darum von der Gesellschaft für ihr Singledasein in Frage gestellt werden. Weiche Synthesizer und schimmernde E-Gitarren ebnen den Weg für den Refrain, der so eingängig ist, dass auf den Song nicht nur Schweizer Radiostationen aufmerksam wurden, sondern auch Sender in Deutschland.

Album gibt es nur auf Vinyl oder CD

«Beim Album haben wir stark darauf hingearbeitet, dass die Songs klanglich eine Linie aufweisen», sagt Jorina Stamm. Das ist der Band gelungen: Mit der zuletzt erschienenen Single «Keys» setzen die fünf auf das, was die Band kann: gefühlvolle Melodien, klare Arrangements, ästhetische Synthesizerklänge.

Wer alle Songs des Albums hören möchte, muss sich nicht nur gedulden, sondern den Longplayer auch in physischer Form kaufen: Ellas werden ihr Debüt «A Whole Lot More» nicht digital zur Verfügung stellen, das Album als Ganzes wird es nur auf CD und Vinyl zu kaufen geben. Damit folgen sie dem Trend des Streamingzeitalters, wo viele Künstler digital vor allem auf den Werbeeffekt von Singles setzen. Bei Ellas bleibt das Album etwas Besonderes: Vielleich auch, weil das Debüt der Durchbruch für Ellas bedeuten könnte.