Pop
Michael Bublé: «In Wahrheit bin ich ein Vollidiot»

Der kanadische Entertainer Michael Bublé ist mit seiner swingenden Popmusik in die Fussstapfen von Frank Sinatra und Dean Martin getreten. Seine letzte CD wurde zum erfolgreichsten Weihnachtsalbum der Neuzeit.

Reinhold Hönle
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Der Kanadier Michael Bublé (37) gehört aktuell zu den erfolgreichsten Solokünstlern im Pop.

Der Kanadier Michael Bublé (37) gehört aktuell zu den erfolgreichsten Solokünstlern im Pop.

Was bedeutet es Ihnen, dass Ihre letzte CD der ganz grosse Weihnachts-Hit wurde?

Michael Bublé: Es heisst, dass ich als jemand in Erinnerung bleiben werde, den man an Weihnachten zu sich nach Hause einlädt. Das ist einfach wunderbar! Bei «Christmas» hatte ich auch zum ersten Mal das Gefühl, die Fähigkeit und das Selbstbewusstsein mitzubringen, mein persönliches Album aufzunehmen, auf das ich stolz sein werde. Zugleich ist ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen.

Mit einer CD, die an Bing Crosbys «White Christmas» heranreicht?

Und ähnlich viel Freude macht. Interessant ist schon, dass die Leute von Crosby fast nur noch dieses Lied kennen, obwohl er jede Menge Hits hatte. Manchmal kann man es sich jedoch wirklich nicht aussuchen, welche Spuren man hinterlässt.

Die Ausbildung des Kindes, das Sie und Ihre Frau gerade erwarten, ist nun finanziell abgesichert.

Das war vorher schon so (lacht). Nach den 9 Millionen «Christmas»-CDs bin ich nun bei 40 Millionen verkauften Alben angelangt. Aber meine Zufriedenheit hing nie vom Geld ab. Das ist natürlich einfacher zu sagen, wenn man Geld hat, aber die Wahrheit ist: Auf der Welt gibt es viele reiche und trotzdem todunglückliche Leute – proportional wohl sogar mehr.

Ihre beruflichen Alternativen waren Eishockey-Profi oder Journalist.

Als Schlittschuhläufer war ich nie gut genug, um als Hockeyspieler meinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Vermutlich wäre ich Journalist geworden – würde heute Radio oder Fernsehen machen, Unterhaltung und Sport. Die meisten meiner Freunde sind Medienleute. Es waren mehr von ihnen an unserer Hochzeit als Gäste aus dem Showbusiness!

Was reizte Sie am Journalismus?

Ich schreibe gerne und ich komme aus einem Land voller Beobachter, dem kleinen Kanada, das neben den riesigen USA liegt. Ich finde es aber auch faszinierend, den Menschen zuzuschauen, und geniesse es, mit ihnen zu sprechen und etwas über ihre Lebensgeschichte zu erfahren.

In der Schweiz ist das Verhältnis zu den grossen Nachbarn Deutschland und Frankreich ähnlich.

Haben Sie auch das Gefühl, dass Sie eine eigene eigenständige Kultur haben, aber – wenn es sein muss – eine Maske aufsetzen und sich als grossen Bruder ausgeben können? Ich habe einen Freund, der ein Genie ist: Schauspieler Michael J. Fox. Als die Amerikaner ihn fragten, wie es wäre, Kanadier zu sein, sagte er: «Ich bin so sehr Kanadier, wie ich es unter diesen Umständen sein kann.»

Als Künstler befinden Sie sich ständig auf einer Gratwanderung.

Für Kanadier ist es besonders schwierig, in den Vereinigten Staaten Erfolg zu haben. Wenn du nicht schon der Beste im eigenen Land bist, hast du praktisch keine Chance. Dafür musst du jedoch etwas sehr Kanadisches an dir haben.

Sie wirken bodenständig. Kommt das auch daher, dass Sie Ihrem Vater viele Sommerferien lang bei seiner harten Arbeit, dem Lachsfischen, geholfen haben?

Ich glaube, wenn ich bodenständig wirke, schwindle ich die Aufrichtigkeit einfach gut vor. In Wahrheit bin ich ein Vollidiot und trete kleine Tiere. Nein, ich mache nur Spass. Man kann viel über eine Person sagen, wenn man seine Eltern getroffen hat. Wenn Sie meine Mutter und meinen Vater kennen würden, wüssten Sie alles. Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben uns verwöhnt und geliebt, obwohl sie nicht tonnenweise Geld hatten. Natürlich bin ich weit weg davon, perfekt zu sein, aber ich bin ein glücklicher Mensch. Ich habe eine wunderschöne Frau mit einem wunderbaren Charakter, und hoffe, dass wir unseren Kindern auch geben können, was wir bekommen haben.

Stimmt es, dass Sie mit der Bibel zu Bett gingen und beteten, dass sich Ihr Traum von einer Musikkarriere erfüllen möge?

Ja, das ist richtig. Es ist mir etwas peinlich, aber ich war damals 8 oder 9 Jahre alt und wurde sehr katholisch erzogen. Heute habe ich Mühe mit organisierter Religion und wofür sie steht. Ich habe aber immer noch eine sehr persönliche Beziehung zu Gott.

Ihre aktuelle Single handelt auch nicht von dem, was der Titel und die fröhliche Musik verheissen.

Mit «It’s A Beautiful Day» wollte ich eine Hymne für all die Leute schreiben, deren Herz gebrochen wurde und nach einiger Zeit realisieren, dass es ihnen ohne die Person, welche sie schlecht behandelt hat, viel besser geht.

Im fremdsprachigen Ausland wird es wohl für ein Liebeslied gehalten.

Selbst bei uns hören viele Leute nicht auf den Text. Manchmal bin ich einfach nur schockiert, denn ich gebe mir beim Schreiben doch so viel Mühe gebe! Schliesslich ist es die Verbindung von Text und Melodie, welche ein Lied ausmacht.

Ist die nächste Single «Close Your Eyes» eine Liebeserklärung an Ihre Frau?

Ja, ich singe davon, was ich für meine Frau fühle, aber in Wahrheit ist der Song viel universeller. Er handelt von der Stärke der Frauen und wie glücklich wir uns als Männer schätzen können, dass sie unser Leben bereichern. Ich meine damit auch Mütter, Grossmütter oder Schwestern. Wir Männer reden immer von unseren Muskeln und wie viel Gewicht wir heben können. Dabei ist die innere Stärke der Frauen doch viel beeindruckender.

Wie ist zum Duett mit Landsmann Bryan Adams gekommen?

Bryan und ich haben seit zehn Jahren den gleichen Manager. Bryans «Reckless» war das erste Album, das ich als Kind geschenkt bekommen habe. Sein Erfolg hat mich ermutigt. Später wurden wir Freunde, und er nahm mich unter seine Fittiche. Ich wollte schon immer ein Duett mit Bryan machen, obwohl das viele Kollegen seltsam finden. Ich mag merkwürdige Duette. «After All» ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Er rockt! Wir haben ihn live gesungen und unsere Knie haben gewippt. Dieses Lied wird uns immer verbinden.

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