Porträt

Prince ist tot: Das überraschende Ende eines Zauberwesens

Prince war nicht nur eine der schillerndsten Figuren des Popzirkus. Auch hat kaum ein Künstler die moderne Popmusik so geprägt wie er.

Maria Künzli
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Prince war daran, seine Memoiren zu schreiben - es ist offen, ob sie veröffentlicht werden.

Prince war daran, seine Memoiren zu schreiben - es ist offen, ob sie veröffentlicht werden.

Keystone

Eigentlich hätte er nächstes Jahr seine Memoiren veröffentlichen wollen. Doch nun ist der amerikanische Musiker Prince gestern im Alter von 57 Jahren überraschend gestorben. Wie seine Pressesprecherin gestern Abend bestätigte, ist der Künstler leblos in seinem Haus in Minnesota gefunden worden.

Über die Todesursache war vorerst nichts bekannt. Letzte Woche musste sein Privatjet offenbar notlanden, damit er ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte. Prince litt laut Medienberichten seit längerem an Grippe und hatte deswegen Anfang April mehrere Konzerte abgesagt.

Magie im Glitzeroverall

Prince Rogers Nelson war einer der schillerndsten Figuren des Popzirkus. Er versprühte etwas Magisches, glich auf der Bühne einem Zauberwesen, dessen Aura man sich nicht entziehen konnte. Egal, ob er im Glitzeroverall, in Frauenkleidern oder als Dandy auftrat (siehe unten). Auch als Musiker befand sich Prince ständig in Verwandlung, ja der Wechsel war sein Markenzeichen. Die Sprunghaftigkeit war seine Stärke und gleichzeitig seine grösste Schwäche. Er jonglierte unverfroren mit den Musikstilen, kombinierte Pop mit Funk, Jazz, Soul und Blues.

Doch das war nicht von Anfang an so. In Amerika fand Prince zwar bereits mit den ersten Platten Beachtung, doch verglichen mit dem, was folgte, waren seine Anfänge nicht unbedingt revolutionär – musikalisch angelehnt an James Brown, Jimi Hendrix und auch an die Beatles. 1984 schliesslich wurde Prince mit dem Album «Purple Rain» und dem gleichnamigen Film international bekannt. Das Album hielt sich 24 Wochen ununterbrochen auf Platz 1 der US-Charts. Zudem gewann es zwei Grammy Awards. Für den Musikfilm «Purple Rain» bekam Prince ausserdem einen Oscar.

Prince wurde am Donnerstag, 21. April 2016, leblos in einem Lift seines Paisley-Park-Studios nahe Minneapolis aufgefunden. – Im Bild: Bei einem Konzert in Las Vegas im Mai 2013.
27 Bilder
Prince
Prince starb im Alter von 57 Jahren. Das Bild zeigt ihn am Montreux Jazz Festival im Juli 2013.
Der Tod von Prince spricht sich schnell herum. Erste Fans versammeln sich vor seinen Studios.
Der Eingang zu den Paisley Park Studios.
Fans trauern vor dem Anwesen von Prince.
Eines der letzten öffentlichen Bilder von Prince: Am 3. März 2016 verlässt er ein Basketballspiel in Oakland, Kalifornien.
Zahlreiche Medien stehen am Todestag vor dem Anwesen von Prince.
Fans trauern vor dem Anwesen von Prince, dem «Paisley Park» in Minneapolis.
Fans trauern vor dem Anwesen von Prince, dem «Paisley Park» in Minneapolis.
Der Mercedes-Benz Superdome in New Orleans erstrahlt in jener Farbe, die an Prince' Welthit «Purple Rain» erinnert.
Fans trauern auch in Los Angeles um Prince.
Fans trauern auch in Los Angeles um Prince.
Ein trauernder Fan vor dem Anwesen von Prince – darüber ein Regenbogen.
Grosse Trauer: Fans können den Tod von Prince nicht fassen.
Eine Zeit lang nannte sich Prince «Der Künstler, früher bekannt als Prince»
Er gilt als einer der einflussreichsten Musiker seiner Zeit.
Magisch: Prince liess niemanden kalt.
Mit der Schauspielerin Eva Longoria 2016 während eines Basketball-Spiels.
Prince mit einer extravaganten Gitarre.
Prince trat mehrmals in Montreux am Jazz-Festival auf - hier 2007.
Seine grösste Zeit hatte der Künstler in den 1980er-Jahren.
Prince befindet sich 1985 auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens - hier an der «Purple Rain»-Tour im Januar 1985.
Seinen grössten Hit landete er mit «Purple Rain».
Exzentrische Auftritte gehörten zu seinem Stil.
Prince bei der Verleihung der American Music Awards in Los Angeles. (November 2015)
Prince im Jahr 2011 bei einem Konzert am Sziget Festival bei Budapest.

Prince wurde am Donnerstag, 21. April 2016, leblos in einem Lift seines Paisley-Park-Studios nahe Minneapolis aufgefunden. – Im Bild: Bei einem Konzert in Las Vegas im Mai 2013.

Chris Pizzello/Invision/AP/Invision

Mit diesem Album schien sich der Musiker endgültig freigesungen zu haben. Äusserlich spielte der 1,58 Meter kleine Mann, der als sehr schüchtern galt, fortan vermehrt mit seiner Androgynität, trug gerne mal Strapse, Tanga und Mantel. Prince, der unnahbare, geheimnisvolle, zeitweise arrogante Popstar war geboren.

Welthits blieben aus

Der Künstlername Prince bekam der Musiker von seinem Vater in die Wiege gelegt – als positives Omen. Denn John Lewis Nelson tingelte mit dem The Prince Rogers Trio erfolglos durch lokale Clubs und wünschte sich, dass der erste Sohn aus zweiter Ehe erreichen würde, wovon der Hobbypianist nur träumen durfte.

Als der Vater 1965 aus dem Haus der Patchwork-Familie auszog, liess er sein Klavier zurück. Der siebenjährige Prince brachte sich das Klavierspielen selber bei und schrieb bald seine ersten Songs. Später lernte er Gitarre, Schlagzeug und E-Bass – damit legte er den Grundstein für seine spätere Unabhängigkeit: Prince spielte die Instrumente für die meisten seiner Studioalben – es sind über dreissig – selbst ein. Mehr noch, er arrangierte und produzierte meist alles im Alleingang. Nebenbei schrieb er noch den Hit «Manic Monday» für die Frauenband The Bangles und verhalf Sinead O’Connor mit «Nothing Compares 2 U» zu Weltruhm.

Hits und Fotos

Die raren Videos der grossen Prince-Hits und die Bilder aus seinem Leben, sowie aktuelle Bilder von den Paisley Park Studios, wo der Künstler starb, finden Sie hier.

Doch seine Sprunghaftigkeit und der Drang nach Selbständigkeit, die den siebenfachen Grammy-Gewinner in den Achtziger- und Neunzigerjahren kommerziell in die Liga von Madonna und Michael Jackson beförderten, führten ihn später zu wenig fruchtbaren Entscheidungen. Prince verkrachte sich mit Plattenfirmen, änderte mehrmals seinen Künstlernamen und veröffentlichte die letzten Alben nur noch online. Die Welthits blieben aus. Live blieb er einer der Grossen. Eine Europa-Tournee hätte ihn auch in die Schweiz geführt, aber Prince sagte sie wegen der Pariser Anschläge ab.

Seine Memoiren werden 2017 vielleicht trotzdem erscheinen. Aber sie werden unvollendet sein, wie auch Prince’ Karriere nicht abgeschlossen scheint. Gerne hätte man sich noch von einem revolutionären Alterswerk verzaubern lassen.