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"Seeklang Hergiswil": Musikalische Geister und Traumwelten

Mit Überschwang begeisterten die jungen Musiker um Jesper Gasseling. Aus fünf Ländern haben sie sich im Studium in Luzern und London gefunden, um gemeinsam Kammermusik zu machen.
Gerda Neunhoeffer
Violinist Jesper Gasseling ist in Hergiswil aufgewachsen. (Bild: PD)

Violinist Jesper Gasseling ist in Hergiswil aufgewachsen. (Bild: PD)

Auf dem Plakat für die Klassikreihe «Seeklang Hergiswil» ist eine Violine malerisch hinter Wassertropfen zu sehen. Oder versinkt sie gerade im See? Dann ist es zum Glück nicht die 400 Jahre alte italienische Violine «Prinz Yusupov/Graf Orlov» von G. P. Maggini, auf der Jesper Gasseling seit drei Jahren spielt. Der junge Geiger ist in Hergiswil aufgewachsen und hat dort die Klassikreihe ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Studienkollegen aus Luzern und London gestaltet er nun im dritten Jahr Kammerkonzerte.

Am Sonntagnachmittag fanden sich viele Besucher im Singsaal Matt in Hergiswil ein, um das Programm um Geister und Visionen zu erleben. Jesper Gasseling gab kurze Einführungen, und mit dem «Geistertrio», dem Klaviertrio D-Dur op. 70/1 von Beethoven, gelangte man mitten in den jugendlichen Überschwang der temperamentvollen Musiker.

Wobei hier die geisterhaften Klänge im Largo eher robust als unheimlich klangen und in den Ecksätzen vor allem der wütende Duktus, den Beethoven ja durchaus haben kann, herausklang. Und das mit technischer Brillanz, mit der die Pianistin Marija Bokor, gebürtig aus St. Gallen, virtuos aufspielte, und in deren Klangkaskaden Geige und Cello (Urska Horvat aus Slowenien) manchmal untergingen.

Schumanns Klavierquintett als Höhepunkt

Im «Duo Concertant» von Krysztof Penderecki aber waren ihre spielerischen Finessen, ihre dynamische Vielfalt und ihre Klangkraft bestens zu hören. Gasseling und Horvat spielten die vertrackten Verzahnungen selbst im Flageolett wohltönend. Aber das Klavierquintett Es-Dur op. 44 von Robert Schumann war der Höhepunkt des Konzertes. Mit dem Geiger Inigo Armentia aus Spanien, der wie Gasseling auch bei Daniel Dodds studiert hat, der deutschen Bratschistin Claudia Zimmermann und der Cellistin Horvat fanden sich Streicher zusammen, die sich mit der Pianistin absolut ausbalanciert vereinigten. Da stimmten nicht nur Tempi und Dynamik, da spürten sie den Fantasien und Traumwelten des Komponisten so intensiv nach, dass sein Innenleben deutlich hörbar wurde. Und wie die Bratschistin das markante Thema des zweiten Satzes immer wieder aufleuchten liess, betörte.

Marija Bokor passte sich nun der Agogik der Streicher hervorragend an, und ihre mal auch federleichte Artikulation harmonierte bestens mit den Klangfarben der Streichinstrumente. Sie hat vier Jahre bei Oliver Schnyder studiert und ihr Masterstudium an der Hochschule Luzern bei Konstantin Lifschitz abgeschlossen. Die Zuhörer waren zu Recht begeistert, auch wenn der Saal für solch ein teilweise orchestrales Werk eigentlich nicht so gut geeignet ist.

Kennengelernt haben sich die Musiker bei Studien in Luzern und London. Es ist Jesper Gasselings Anliegen, möglichst weit gestreute Kammermusik zu gestalten. Dass er auch arrangieren kann, zeigte sich in der Zugabe «Er, der Herrlichste von allen» aus Schumanns Liederzyklus «Frauenliebe und Leben», wo die Singstimme reizvoll wechselnd in allen Streichinstrumenten erklang.

Die Reihe wird am 17. Mai fortgesetzt (19.30 ref. Kirche Hergiswil, Brahms Streichsextett u. a.)

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