Musikalisches Zusammentreffen am Erstklassik am Sarnersee

Mit Jugendwerken von Rossini und Mendelssohn war Erstklassik am Sarnersee nah am Kindheitsthema des Lucerne Festival. Doch die «Metamorphosen» von Richard Strauss gaben starken Kontrast.

Gerda Neunhoeffer
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Das Kammermusikkonzert im Alten Gymnasium war praktisch ausverkauft. Bild: Pius Amrein (Sarnen, 5. September 2018)

Das Kammermusikkonzert im Alten Gymnasium war praktisch ausverkauft. Bild: Pius Amrein (Sarnen, 5. September 2018)

Neben den vielen Konzerten des Lucerne Festivals in der näheren Umgebung ein weiteres Festival zu veranstalten, scheint gewagt – das Wagnis aber greift. Schon zum elften Mal zieht das Kammermusikfest Erstklassik am Sarnersee viele Besucher an die verschiedenen Konzertorte. Und da wird erstklassige Kammermusik geboten. Solisten aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks treffen sich in der Landschaft Obwaldens zum gemeinsamen Musizieren.

Sie haben das Festival gegründet und beleben es immer wieder mit Neuerungen. Da gab es vor einem Jahr zur Eröffnung ein Pilgerkonzert; am letzten Samstag begann das diesjährige Festival mit einem Wanderkonzert von der Kirche Sachseln bis zur Kapelle Flüeli, das trotz etwas nasskalter Witterung erfolgreich durchgeführt werden konnte. Im zweiten Konzert am Mittwochabend spielten die Münchner zum ersten Mal mit Solisten des Luzerner Sinfonieorchesters zusammen. Es war eine musikalische Begegnung, die im fast ausverkauften Theater Altes Gymnasium Sarnen bestens ankam.

Ausgesprochen schwungvoll

Wie hervorragend die Musiker aus den beiden Orchestern harmonierten, welche Klänge sie wie beflügelt einander zuspielten, das war ein musikalisches Zusammentreffen, das man sich auch in Zukunft vorstellen könnte. Und zwei Werke, die da interpretiert wurden, passten genau in das Thema Kindheit des Lucerne Festival: Rossinis und Mendelssohns Frühwerke.

Die ausgesprochen schwungvoll und mit viel Humor gestaltete «Sonata a Quattro» Nr. 3 C-Dur hat Rossini mit zwölf Jahren komponiert und sich dabei den virtuosen Part der zweiten Geige auf den Leib geschrieben. Lisa Schatzman spielte diese Partie spritzig und filigran, Julita Smolen an der ersten Geige, Katharina Jäckle, Cello (beide vom Bayerischen Rundfunkorchester) und David Desimpelaere, Kon­trabass, hielten wunderbar mit. Die opernhaften Wendungen, das Gesangliche und die kunstvollen Themenvariationen lassen schon den zukünftigen Meister erkennen. Ein echtes «Wunderkind» war da am Werk, wie auch Felix Mendelssohn Bartholdy, der sein meisterhaftes Streichoktett mit gerade mal sechzehn Jahren geschrieben hat.

Nach Rossinis jugendlichem Geniestreich wurden die «Metamorphosen» von Richard Strauss in der Bearbeitung für Streichseptett von Rudolf Leopold gespielt. Ein Werk des 80-jährigen Komponisten, in dem er Veränderungen subtil und unnachahmlich entwickelt. Die Original­besetzung sieht 23 Streicher mit Dirigenten vor, die sieben Solisten in Sarnen aber spielten in orchestraler Klangdichte, in der man nichts vermisste.

David van Dijk, Violine, Benedict Hames, Viola und Katharina Jäckle (Bayerischer Rundfunk) sowie David Guerchovitch, Alexander Besa, Heiner Reich und der Kontrabassist (Luzerner Sinfonieorchester) spürten den in sich verschlungenen Klängen ungemein intensiv nach. Einzelne Stimmen hoben sich aus dem dichten Tongewebe, das in unaufhörlichem Legato gespielt wurde, wie kleine Lichtspuren heraus, die wieder verschwanden. Fast schmerzhaft verstärkten die sieben Solisten die Intensität der Reibungen; die teilweise sphärisch entrückten Harmonien, die am Ende das «Trauermarsch»-Thema aus Beethovens «Eroica» umgrenzen, liessen sie hauchleise verklingen.

Die Ideen sprudeln nur so

Wie anders das Streichoktett von Mendelssohn, in dem sich noch einmal alle (ohne Kontrabass) zu einer mitreissenden Interpretation vereinten. Die kühne Virtuosität, das Ineinandergreifen aller Stimmen, die sich auch im Unisono fantastisch zusammenfanden, die vielen Ideen des jungen Felix, die nur so sprudeln, wurden atemberaubend umgesetzt.

Lyrisch kosteten die Musiker das achtstimmige Klanggewebe im Andante aus, elfenhaft, luftig und durchsichtig tanzten sie sich durch das Scherzo. Im Presto zeigten sie, dass sie auch die Virtuosität in dem fast schon irrwitzigen Tempo lustvoll ausspielen konnten. Entsprechend tosend war der Applaus.

Weitere Konzerte 8.9. um 20 Uhr Klosterkirche Engelberg, 9.9. um 10.30 in Sarnen