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Musiker sorgten für einen magischen Moment vor der Bühne

Erstmals bespielte das Festival Swiss Alps Classics seine künftige Heimstätte: Eine Ensemble um den Klassik-Comedy- Geiger Aleksey Igusesman unterzog am Freitag den neuen Konzertsaal in Andermatt erfolgreich einem doppelten Akustiktest.
Urs Mattenberger
Nach 12 Jahren exklusiv für Andermatt wieder vereint: Das Ensemble Triology um den Klassik-Comedy-Geiger Aleksey Igudesman (links). (Bild: Peter Fischli)

Nach 12 Jahren exklusiv für Andermatt wieder vereint: Das Ensemble Triology um den Klassik-Comedy-Geiger Aleksey Igudesman (links). (Bild: Peter Fischli)

Wenn ein Festival ohne Heimstätte zum Wandern gezwungen ist, kann das ein Vorteil sein. Das haben die ersten beiden Jahre des Swiss Alps Classics gezeigt: Von früheren Konzerten im Sasso San Gottardo oder in der Zwischenstation des Nätschen schwärmten Besucher am Freitag, beim zweiten Konzert des diesjährigen Festivals Swiss Alps Classics.

Dass dieses am Donnerstag in Vitznau eröffnet worden war und morgen in Altdorf zu Ende geht (vgl. Kasten), führt zwar die Vision des Initianten, des Österreichers Peter Michael Reichel, weiter, ein «Klassik-Festival rund um den mystischen St. Gotthard» zu etablieren. Trotzdem gingen die Wanderjahre am Freitag ein Stück weit zu Ende: Erstmals fand ein Swiss-Alps-Classics-Konzert in der neuen Konzerthalle in Andermatt statt.

Ethno-Klassik mit Urner Gästen

Nach der kürzlichen Eröffnung des Saals durch 45 Berliner Philharmoniker war man gespannt, wie sich die Akustik bei Kammermusik bewährt. Bei den Berliner hatte man den Hall nur minimal künstlich verlängert, wie es die raffinierte Anlage mit Mikrofonen über der Bühne und im Saal verteilten Lautsprechern erlaubt. Und trotzdem hatte der Orchesterklang Volumen entwickelt und wurde nicht durch eine trocken abgeschnittene Akustik erstickt.

Jetzt sassen auf der Bühne bloss drei Musiker. Der Geiger Aleksey Igudesman, im Duo mit Hyung-ki Jo eine erste Adresse für Klassik-Comedy, liess exklusiv für Andermatt das Ensemble Triology mit der Geigerin Daisy Jopling und dem Cellisten Tristan Schulze aufleben. Comedy fand sich darin nur subtil und musikalisch. Aber überragende musikalische Qualitäten zeigten Jazz- und Ethno-Stücke, die den Streichern geheimnisvolle Marimba- und andere Farben entlockten und in die sich die Urner Maria Gehrig (Violine) und Fränggi Gehrig (Akkordeon) archaisch einfügten. Virtuose Höhepunkte waren frech pointierte Klassiker-Arrangements: Rossinis Tell-Ouvertüre und Beethovens Fünfte weckten beim zahlreichen Publikum ebenso Begeisterungsstürme wie der Radetzky-Marsch, dessen Walzerkick Mitklatschreflexe unterband.

Der Klang entfaltete sich in dieser Kleinbesetzung so schön, dass man darauf gewettet hätte, dass er stärker künstlich verlängert wurde als im Fall der Berliner. Dies allerdings war nicht der Fall, die Anlage war auch hier auf der niedrigsten von drei Stufen eingestellt. Dass sie Wirkung entfaltet, ohne dass man diese gesondert wahrnimmt, offenbarte die Zugabe zum Schluss. Als die Musiker das Podium und damit den Mikrofonschirm verliessen, gewann ihr Spiel an Direktheit, was es an räumlicher Präsenz leicht einbüsste. Es war ein magischer Moment, weil man die Hallverlängerung erst wahrnahm, als sie wegfiel. Und weil man zum Schluss kam, dass der Saal in solchen Besetzungen wohl auch ohne auskommen könnte, womit der Saal diesen zweiten Akustiktext gleich doppelt bestand.

Stargeiger als Dirigent

Den hohen Starfaktor verdankt Swiss Alps Classics dem künstlerischen Leiter Clemens Hellsberg. Als ehemaliger Geiger und Vorstandsmitglied der Wiener Philharmoniker verfügt er über die Kontakte, um selbst Stars wie Lang Lang (im letzten Jahr) nach Andermatt zu bringen. Dass der Anspruch auch mit jungen Rising Stars eingelöst wird, zeigt das heute zu Ende gehende Festival mit zwei Konzerten. So hatte das Eröffnungskonzert vom Donnerstag zwei Schüler von Lang Langs International Music Foundation im Parkhotel Vitznau präsentiert. Und im heutigen Schlusskonzert wirkt der Österreicher Emmanuel Tjeknavorian (24) mit, der als Geiger früh international Karriere machte und in der kommenden Saison zum jüngsten «Artist in Residence» beim Wiener Musikverein wird. Die Besonderheit ist, dass sich Tjeknavorian jetzt als Dirigent vorstellt. Er leitet das Swiss Alps Chamber Ensemble in einem Concerto von Franz Xaver Frenzel und in Gustav Mahlers vierter Sinfonie: Ein gutes Beispiel, wie das Festival und Rising Stars von einander gegenseitig profitieren können. (mat.)

Schlusskonzert Sonntag, 30. Juni, 11.00, Theater Uri, Altdorf, Swiss Alps Chamber Ensemble, Leitung: Emmanuel Tjeknavorian: www.andermatt-classics.ch

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