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MUSIKTHEATER: Am Flughafen verfliegt der Liebesschmerz

In «Arrivals & Departures» zeigen Studierende der Hochschule Luzern ihr Bühnentalent: mit starken Stimmen, lauten Handygesprächen und leisem Witz.
Emotionen in hektischer Atmosphäre: der Flughafen als Schauplatz für Operndramatik. (Bild: Roger Grütter)

Emotionen in hektischer Atmosphäre: der Flughafen als Schauplatz für Operndramatik. (Bild: Roger Grütter)

Simon Bordier

Links der Bühne sieht das Publikum eine Aufseherin, die wie eine Fluglotsin mit steifen Bewegungen für Ordnung sorgt, rechts einen Flüchtling im Schlafsack. Die beiden werden wie das Publikum Zeugen der zahlreichen Dramen, die sich am Samstagabend im Musiktheater «Arrivals & Departures» auf der Bühne des Stadttheaters Sursee abspielen: Abschiedsszenen, Heiratsanträge, Liebesabenteuer, Eifersuchtsanfälle und eine Geburt folgen einander Schlag auf Schlag, mal auf Italienisch, mal auf Deutsch, dann wieder auf Englisch.

Idealer Schauplatz

Eine derart geballte Ladung an Ereignissen und Emotionen könnte das Publikum schnell mal überfordern. Doch die Gesangsstudentinnen und -studenten der Musikhochschule Luzern haben für ihre Auswahl an Opernnummern von Mozart, Purcell, Händel und anderen auch modernen Komponisten einen Schauplatz gewählt, wo sich die Ereignisse tatsächlich überstürzen können: in der Transitzone eines internationalen Flughafens – ideale Kulisse für das Stage-Lab-Projekt, mit dem die Hochschule seit einigen Jahren dem Gesangsnachwuchs Bühnenpraxis bietet.

In leichter Abwandlung des Originaltitels «We, The Spirits Of The Air» von Henry Purcell ist das Putzpersonal des Flughafens zu Beginn im Chor mit «We, The Spirits Of The Airport» zu hören. Offenkundige oder leise Witze durchziehen die Aufführung. Eine hinreissende Kabarettnummer bieten die Sopranistin Bettina Bucher und der Bariton Serafin Heusser als Liebespaar, das seine Beziehungsfragen lauthals per Handy löst. Es ist eine Nummer aus Gian Carlo Menottis Oper «The Telephone», bei der das Gespräch in dramatischen Koloraturen der Sopranistin gipfelt.

Ruhe kehrt spätestens mit dem Countertenor Martin Caduff ein, der als «Verwirrter» die Händel-Arie «Stille amare» anstimmt: Leise, traurig, ohne Nachdruck singt er in hoher Tonlage seinem Liebestod entgegen und bricht tatsächlich zusammen. Sogleich eilt das Erste-Hilfe-Team des Flughafens herbei, bestehend aus Maria Korovatskaya, Katharina Rückl und Susanne Andres, die sich zu Mozarts «Ein holder Jüngling sanft und schön» um den Patienten streiten. Mozart entzückt auch als Quintettmusik, mit der sich zwei Soldaten (Serafin Heusser, Remy Burnens) zärtlich von ihren Freundinnen trennen (Simone Felber, Kathrin Hottiger), während Benjamin Widmer seinen schönen Bass beisteuert.

Wehenschreie mit Anfeuerung

Als Höhepunkt ist die Geburtsszene zu erleben, in der die Wehenschreie der hochschwangeren Stewardess (Katharina Rückl), die anfeuernde Klavierbegleitung (Nadia Carboni) und die «Push»-Rufe des Chors die Grenzen zwischen Geräusch, Klang und Musik verschwinden lassen. Die Szene stammt aus der Oper «Flight» von Jonathan Dove.

Das 1998 uraufgeführte Stück «Flight» spielt ebenfalls in einem Flughafenterminal mit einem Aufseher und einem Flüchtling als Protagonisten. «Arrivals & Departures» lehnt sich an die Oper an, ohne die Handlung zu betonen. Vielmehr verschwinden die Aufseherin (Olivia Allemann) und der Flüchtling (Stefan Wieland) an die linke und rechte Bühnenseite, werden so zu einem Teil der Kulisse und mischen sich nur sporadisch ins Geschehen ein (Regie: Regina Heer). Am nächsten kommen sich die Sopranistin und der Countertenor gleich zu Beginn in den gemeinsam gesungenen Melismen in der Musik von Jonathan Dove, um dann gebannt den Stimmen ihrer Kollegen zu lauschen. Das musikalische Niveau und die schauspielerische Leistung sind beachtlich.

Hinweis

Das Musiktheater «Arrivals & Departures» läuft heute Abend um 19.30 Uhr im Theater Pavillon Luzern (Abendkasse ab 18.15 Uhr).

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