Kammermusik im Marianischen Saal: Musizieren unter Freunden

Im Dreikönigskonzert begeistern die Luzerner Kammermusiker mit facettenreicher Kammermusik von Beethoven.

Gerda Neunhoeffer
Hören
Drucken
Teilen
Dimitri Ashkenazy (Klarinette), Yvonne Lang (Klavier) und Gerhard Pawlica (Cello).

Dimitri Ashkenazy (Klarinette), Yvonne Lang (Klavier) und Gerhard Pawlica (Cello).

Bild: Pius Amrein (Luzern, 5. Januar 2020)

Ein «Hit» von Händel, der später zum Adventslied wurde, ein «Gassenhauer», der in allen Gassen Wiens gepfiffen wurde, und ein niederrheinisches Volkslied, das sind die Zutaten, aus denen Ludwig van Beethoven reizvolle Kammermusik machte. Sie erklingt im traditionellen Dreikönigskonzert der Gesellschaft für Kammermusik im Marianischen Saal Luzern, das auch dieses Jahr wieder ausverkauft ist.

Am späten Sonntagnachmittag bieten die Luzerner Kammermusiker um Gerhard Pawlica zum Beginn des Beethovenjahres ein reines Beethoven- programm. Von Duo über Trio bis zum Septett zeigen die Künstler, was Beethoven in seinen jüngeren Jahren an reichen Einfällen kunstvoll verwob. Dass er wohl auch begnadet improvisieren konnte, zeigt sich in den Variationen aller drei Werke. Leicht, beschwingt, unbeschwert klingt die Musik, gerade recht zur Einstimmung in ein neues Jahr. Mit Musikern aus der Region gelingt Gerhard Pawlica ein facettenreiches, qualitativ hochstehendes Konzert: Musizieren unter Freunden.

Schwelgen in gesanglichen Dialogen

Gerhard Pawlica und Yvonne Lang spielen zu Beginn die Variationen über das Thema «See the conqu’ring hero comes» aus Händels Oratorium «Judas Macchabäus». Man kennt die Melodie heute vor allem als Adventslied «Tochter Zion». Das Thema wandelt sich fein abgestuft und für beide Instrumente gleichberechtigt. Es zieht sich virtuos durch Cello und Klavier, um dann wieder in gesanglichen Dialogen zu schwelgen. Pawlica und Lang zeigen sich als gut aufeinander eingespieltes Duo, zart erklingen Klavierfigurationen, schmelzend ist der Celloklang, dann wiederzupackend, tänzerisch und ausgelassen.

Ebenso ist auch im Trio für Klavier, Klarinette und Cello B-Dur op. 11, genannt «Gassenhauer», eine eingängige Melodie für die Bekanntheit verantwortlich. Was Beethoven da aus der Melodie einer populären Oper von Joseph Weigl macht, ist grandios.

Schwungvoll, mit genauen Akzenten und klaren Figurationen spielen sich Yvonne Lang, Gerhard Pawlica und Dimitri Ashkenazy die Themen zu, ­lassen die Töne ausgelassen schweben und betören mit langen Legato-Bögen; mitreissend lebhaft, klangschön und musikantisch. Das Adagio wird von elegischem Cellosolo eröffnet, in grosser Ruhe erblüht die Antwort in der Klarinette, und das Klavier übernimmt hauchleise. Nach den vielschichtig wechselhaften, lebhaften bis innigen Variationen endet das Trio temperamentvoll und virtuos.

Musikalische Einfälle scheinen unerschöpflich

Es sei viel natürliche Empfindung darin, aber wenig Kunst, soll Ludwig van Beethoven über sein Septett Es-Dur op. 20 für Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und ­Kontrabass gesagt haben. Aber gerade diese «natürliche Empfindung», wie leicht improvisiert klingende Musik, macht das bekannte Kammermusikwerk lebendig; die musikalischen Einfälle scheinen unerschöpflich. Das wird in der Interpretation der Luzerner Kammermusiker durchgängig hörbar.

Miriam Tschopp aus Zürich, inzwischen Professorin für Violine in Wien, bezaubert mit hell leuchtendem Ton und virtuoser Leichtigkeit, die sich hervorragend mit Dimitri Ashkenazys weich gespielter Klarinette verbindet. Der sich immer wieder neu gemischte Klang von Streichern und Bläsern ist manchmal gegeneinander gesetzt, dann wieder orchestral vereint. Wie Ivo Gass einen sich stets wiederholenden Ton auf dem Horn variiert, wie Diego Chenna Kantilenen auf seinem Fagott singen lässt, wie Kontrabassist Klaus Thalmann die ­beiden Gruppen tiefgründig verbindet, das begeistert. ­Gesangliche Linien, virtuose Ausbrüche, herrliche Staccato-­Akkorde und kurz angetippte Töne verleihen den Variationen tänzerische Leichtigkeit.

Im Presto erklingen kurze Soli in Markus Wiesers Viola, Pawlica gibt dunkle Farbtupfer, die Bläser locken mit strahlenden Klängen, bis nach der Solokadenz der Violine alle dem rasanten Ende zustreben. Langanhaltender Beifall und Standing Ovations sind wohl verdient.