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Mutter gegen Mutter – da gibt es nur Verliererinnen

TV-Kritik
Ramona Buser ist die Vierfachmutter mit klassischer Rolle. (Bild: SRF)

Ramona Buser ist die Vierfachmutter mit klassischer Rolle. (Bild: SRF)

Man muss das Schweizer Fernsehen auch mal loben. Etwa dann, wenn es dem Sender gelingt, statt nur Heimatgefühle zu schüren, einen Einblick in junge Schweizer Familien zu geben und dies auch noch als Diskurs aufzuziehen.

So geschehen in den soeben ausgestrahlten vier Folgen «SRF Heimatland – Achtung Mütter». Die Übungsanleitung ist effektvoll: Man nehme vier Mütter, vier Familienmodelle, und lasse sie aufeinanderkrachen. Denn wie heisst es so schön: «Die grösste Kritikerin einer Mutter ist immer eine andere Mutter.» Da ist die Vollzeit-Vierfachmutter Ramona Buser. Von morgens um sechs bis abends um neun ist da immer irgendein Kind, das gestillt, getröstet, gefüttert, gebracht und geholt werden muss. Mutter zu sein, sei schon immer ihr Traum gewesen. Eine leichte bis grössere Überforderung diagnostizieren hingegen die anderen Mütter. Für Claudia Argentato wäre dieses Leben der «pure Albtraum». Sie ist Mutter einer sechsjährigen Tochter, alleinerziehend und arbeitet 100 Prozent in einer leitenden Position. Als gebürtige Finnin ist es für sie selbstverständlich, dass Mütter arbeiten und ihre Kinder im Hort betreuen lassen. Sie könnte es sich nie vorstellen, von einem Mann und dessen Einkommen abhängig zu sein. Die beiden Vollzeitmütter in der Runde lachen die Abhängigkeit von ihren Ehemännern einfach weg. Solange die Kinder da sind, wird das schon halten. Für arbeitende Mütter haben sie wenig Verständnis, dafür viel Mitleid übrig.

Bei Bäuerin Ramona Zimmermann geht das Ideal der Mutter-Kind-Beziehung so weit, dass sie ihren Nachwuchs nicht in die Schule schickt. Sie ist vom Konzept des Freilernens absolut überzeugt und zahlt lieber hohe Bussen, als dem Kanton St. Gallen den schulischen Zugriff auf ihre Kinder zu ermöglichen. Da die heile Welt auf dem Hof, dort die böse Realität mit Schule, Stress und Fremdbetreuung. Die anderen Mütter werden darob still. Verglichen mit Ramona Zimmermann ist auch die Vierfach-Vollzeitmutter ein egoistisches Mami, lässt sie ihre Kinder doch in Spielgruppe und Schule ganz gern einige Stunden «fremdbetreut».

Karin Jost vertritt in der Sendung das Modell der teilzeitarbeitenden Mutter. Sie ist immer auf Zack: Kinder, Partnerschaft, Arbeit und Haushalt halten sie auf Trab. Dreht ein Rädchen nicht mehr richtig, fällt alles in sich zusammen. SRF hat gut daran getan, dieses Modell an den Schluss der Serie zu stellen. Denn an ihm entzünden sich die Diskussionen. Ein bisschen Mutter, ein bisschen Berufsfrau, und nichts richtig. Alles kommt zu kurz. Wen wundert es, ist Karin Jost die verunsicherteste Mutter in der Runde. Ständig hin- und hergerissen, will es allen recht machen. Und wird genau dafür kritisiert.

Gut, dass die Sendungsmacher just in diesem Moment darauf hinweisen, dass rund 60 Prozent der Schweizer Mütter genau dieses schwierige Modell leben. Hier hätte die Sendung politisch werden können, doch dafür ist das Format dann doch zu brav. Und eine Frage bleibt: Was ist mit den Vätern? Eine Fortsetzung wäre nötig. (kaf)

Alle Folgen sind zu sehen unter www.srf.ch/sendungen/heimatland/achtung-muetter.

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