Klassik-CD
Karl Böhm setzte auch in Luzern Massstäbe für Bruckner

Karl Böhm gehörte zu den bedeutendsten Dirigenten der Nachkriegszeit, ging aber als Antistar etwas vergessen. Eine Aufnahme aus dem Archiv von Lucerne Festival zeigt, wie er mit Bruckner bis heute Massstäbe setzt.

Fritz Schaub
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Karl Böhm sorgte an den Internationalen Musikfestwochen Luzern (IMF, heute Lucerne Festival) für Höhepunkte der klassischen Musik. Er zählte zwischen 1950 und 1980 zu den bedeutendsten Dirigenten, wurde früher als Karajan an den Salzburger Festspielen gefeiert, debütierte 1960 an den IMF, denen er 18 Jahre lang die Treue hielt. Dennoch ist Böhm, der als Antistar im Hintergrund wirkte, ein wenig in Vergessenheit geraten. Er war vor allem der massstabsetzende ­Dirigent der Werke Mozarts und Richard Strauss’. Für letzteren, aber auch für Anton Bruckner, gilt dies auch heute noch.

Das beweist der in der Reihe «Historic Performances» erschienene Luzerner Mitschnitt der Siebten Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern, ­obwohl das Klangbild aus dem Jahre 1964 nicht die ganze sinfonische Fülle und alle artikulatorischen Details zu erfassen mag. Bei aller scheinbaren al fresco-Musizierhaltung achtete Böhm sehr auf Details und entfachte einen musikantischen Schwung in Bruckners Tonsprache, ohne den grossen Bogen zu vernachlässigen. So vermied er jede Weihrauch-Atmosphäre.

Ergänzt wird die Sinfonie auf der CD mit der 1970 mitgeschnittenen Wiedergabe des Konzerts für Holzbläser, Harfe und Orchester von Paul Hindemith. Die Solisten, die für eine lebendige Wirkung des unterschätzten Werks aus Hindemiths antiromantisch-neoklassizistischer Periode besorgt waren, kamen aus dem Orchester der Wiener Philharmoniker, mit dem Böhm während Jahrzehnten eng verbunden war.

Wiener Philharmoniker, Karl Böhm: Bruckner: Sinfonie Nr. 7, Hindemth: Konzert für Holzbläser, Harfe und Orchester (1 CD, audite)