Konzert im KKL: Nach dem «Halleluja» feiert auch ein Jauchzer den Erlöser

Ein doppeltes Ereignis: Das Luzerner Sinfonieorchester und das Ensemble Corund spannen für Händels Messias-Oratorium zusammen.

Urs Mattenberger
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Jonathan Cohen leitet im KKL das Luzerner Sinfonieorchester und das Ensemble Corund. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 12. Dezember 2019)

Jonathan Cohen leitet im KKL das Luzerner Sinfonieorchester und das Ensemble Corund. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 12. Dezember 2019)

Verkehrte Welt im KKL: Das Luzerner Sinfonieorchester, das sich immer mehr grosssinfonisch profiliert, präsentierte sich auf der Bühne des Konzertsaals als musikalische Grossfamilie mit nur 26 Musikern. Dahinter erhob sich das Ensemble Corund mit gleich vielen Sängerinnen und Sängern – also mehr, als man es von Konzerten des Luzerner Berufsvokalensembles gewohnt ist.

Dass am Donnerstag beide Luzerner Top-Formationen erstmals in einem abendfüllenden Programm zusammenfanden, war nicht nur Händels Messias-Oratorium unter der inspirierenden Leitung des englischen Barockspezialisten Jonathan Cohen zu verdanken. Die Zusammenarbeit ist vielmehr eine logische Folge der Entwicklung beider Formationen.

Das Luzerner Sinfonieorchester hat sich mit der Repertoire-Erweiterung bis hin zu Schostakowitsch vom Barock entfernt und findet mit dem auf diese Epoche spezialisierten Ensemble Corund quasi dahin zurück. Letzteres hat sich umgekehrt in Zusammenarbeit mit Schweizer Orchestern mit grösseren Besetzungen profiliert und präsentierte sich in einer solchen jetzt in Luzern.

Monumental im Stil des Barock

Das Resultat zeigte, wie eine solche Zusammenarbeit für beide Seiten zum Ereignis werden kann. Einzelne Einsätze wirkten zwar zunächst etwas verhalten, sowohl des Chors wie gleich im ersten Teil der Ouvertüre des Orchesters. Aber dieses spielte sich schon im lebhaften Fugatoteil frei und verblüffte detailfreudig mit barocker Klangrede. Sie liess das läuternde Feuer aufrührerisch züngeln, den Flügelschlag der Engel schwirren und geisselte dramatische Momente akzentscharf über mächtigen Bässen. Auch solistische Glanzleistungen (Trompete: Philipp Hutter, Oboe: Andrey Cholokyan) kamen in diesem transparenten und mit zügigen Tempi zugespitzten Klangbild hinreissend zur Geltung.

Das Ensemble Corund führte das gleichermassen agil und strahlkräftig durch alle Register im Chorischen weiter. Während das Orchester zu einem extrem kammermusikalischen Musizieren fand, ging der Chor auch den umgekehrten Weg: Die tänzelnde und rhythmisch spannungsvoll pointierte Freude über die Geburt Jesu steigerte sich im Passionsteil zu einer Klangfülle, die Erwartungen an Händels Monumentalstil nicht nur im «Halleluja» im Barockstil einlöste. Zu Letzterem gehörte, wie Cohen selbst im Chor und Orchester das Geschehen mit Verzierungen sparsam akzentuierte und verflüssigte.

Charakterstark setzte das auch das Solistenquartett um – mit dem strömenden Tenor von Allan Clayton, dem schwebend leichten Countertenor von John Holiday und dem furchterregenden, kernig-klaren Bass von Neal Davies. Und wenn die Sopranistin Amanda Forsythe ihre Verzierungen aus einem atemlosen Pianissimo heraus zum verschwenderischen Jauchzer steigerte, musste man ihr einfach glauben, dass der Erlöser lebt.

Wiederholung des Konzertes: morgen Sonntag, 15. Dezember 2019, 11.00 Uhr, Konzertsaal, KKL (Restkarten).