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Luzerner Sinfonieorchester: «Nach der Aufführung übernimmt das Publikum»

Was braucht es, damit zeitgenössische Musik den Weg ins Repertoire findet? Antworten gibt der Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters, Numa Bischof, vor der Aufführung eines Violinkonzerts des Jazz-Trompeters Wynton Marsalis.
Urs Mattenberger
Solistin im Violinkonzert von Wynton Marsalis: Nicola Benedetti. (Bild: PD)

Solistin im Violinkonzert von Wynton Marsalis: Nicola Benedetti. (Bild: PD)

Viele zeitgenössische Werke verschwinden nach der Uraufführung wieder von Bildfläche. Umgekehrt werden auch Meisterwerke der Moderne so selten aufgeführt, dass sie sich im Bewusstsein des Publikums nicht festsetzen. Was braucht es also, damit neue Musik Eingang ins normale Repertoire finden kann? Und welche Rolle kann dabei ein Orchester wie das Luzerner Sinfonieorchester spielen?

Die Frage stellte sich angesichts der Abo-Konzerte von dieser Woche, in denen Chefdirigent James Gaffigan das von ihm uraufgeführte Violinkonzert von Wynton Marsalis dirigiert: Ein klassisches Konzert von einem Jazz-Trompeter – das klingt spannend, ist aber keine Garantie für die Zukunft. Moderne Violinkonzert-Klassiker findet man in dieser Saison beim LSO dagegen vergeblich. Dabei gehörten Werke wie Ligetis Violinkonzert oder Wolfgang Rihms «Gesungene Zeit» wohl so selbstverständlich in Abo-Programme wie zum Beispiel Beethovens Violinkonzert.

Europa trifft Amerika

Wie stark also ist das Luzerner Sinfonieorchester neben Entdeckungen dem Aufbau eines Moderne-Repertoires verpflichtet? «Als Residenzorchester des KKL müssen wir da eine breite Vielfalt pflegen», sagt Intendant Numa Bischof. Aber auch er weiss, wie wichtig es ist, das Publikum durch Wiederholung mit neuer Musik vertraut zu machen. «Deshalb bilden wir mehrjährige Schwerpunkte wie in der Zu­sammenarbeit mit Wolfgang Rihm oder Fazil Say. In der Reihe ‹Œuvres Suisses› haben wir auf eine Uraufführung verzichtet und dafür nochmals Dieter Ammanns ‹Glut› gespielt, weil wir von dessen Qualität überzeugt sind.»

Eingeschränkt wird der Spielraum für die Repertoirebildung im Bereich Moderne, weil es eine solche in allen Epochen braucht. Jüngere Beispiele dafür sind Schwerpunkte mit Busoni oder Jean Sibelius, die das Luzerner Sinfonieorchester erstmals in Luzern breit eingeführt hat.

Programm soll sinnvolle Bezüge ergeben

Bei der Wahl zeitgenössischer Werke ist für Bischof aber ein anderer Punkt zentral: «Wir versuchen unsere Programme so zusammenzustellen, dass sich sinnvolle Bezüge ergeben.» Ein Paradebeispiel dafür ist eben das Konzert von Wynton Marsalis. Es erklingt im zweiten Programm, in dem James Gaffigan Musik aus seiner amerikanischen Heimat aufführt. Da steht Gershwin (mit der «Cuban Ouverture»), für einen Komponisten, der Klassik und Jazz verbindet. Kurt Weills «Sieben Todsünden», mit denen Weill erst im US-Exil Erfolg hatte, repräsentieren eine europäische Tradition stilistischer Offenheit im Zeichen des Cabaret oder – beim späteren Weill – Broadway: «Da passt das Violinkonzert des Jazz-Trompeters Wynton Marsalis perfekt hinein», erläutert Bischof solche Programmüberlegungen. Ob daraus ein Klassiker wird, weiss auch er nicht: «Unsere Aufgabe endet mit der Aufführung auf möglichst hohem Niveau. Ab diesem Punkt übernimmt das Publikum.»

Konzerte: Mi/Do, 13./14. Februar, 19.30, KKL Konzertsaal: Luzerner Sinfonieorchester, Singphoniker, Delia Meyer, Gesang (Gershwin, Weill, Marsalis). VV: Tel. 041 226 05 26.

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