NACHRUF: Bud Spencer – der gutmütige Riese mit harten Fäusten

Carlo Pedersoli alias Bud Spencer war nie ein richtiger Schauspieler. Vielleicht genau deswegen haben seine Filme immer noch Kultstatus.

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Bud Spencer als Moses im 1994 erschienen Hill/Spencer-Film «Die Troublemaker». (Bild: Imago)

Bud Spencer als Moses im 1994 erschienen Hill/Spencer-Film «Die Troublemaker». (Bild: Imago)

Domink Straub, Rom

«Vier Fäuste für ein Halleluja», «Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle», «Sie nannten ihn Plattfuss»: Das waren die deutschsprachigen Filmtitel, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren alle kannten. Ebenso bekannt und beliebt waren ihre Helden: Bud Spencer und Terence Hill. Was viele nicht wussten: Die beiden Protagonisten waren waschechte Italiener, und die meisten ihrer Filme stammten aus italienischer Produktion. Bud Spencer hiess mit bürgerlichem Namen Carlo Pedersoli, Terence Hill heisst eigentlich Mario Girotti (77). «Ich habe meinen besten Freund verloren, ich bin bestürzt», erklärte Girotti, nachdem er gestern vom Tod seines Filmpartners vernommen hatte. Tatsächlich waren die beiden Schauspieler auch privat befreundet.

Wenig Worte, viel Haue

Es war eine lange Freundschaft gewesen: Ihren ersten gemeinsamen Film «Gott vergibt ... Django nie» hatten Spencer/Hill im Jahr 1967 gedreht. Dieser erste gemeinsame Spaghetti-Western war noch halbwegs ernsthaft gewesen; in den folgenden Jahren wurden ihre Streifen immer komödiantischer. Aufwendig inszenierte Prügelszenen wurden zu ihrem Markenzeichen und zu einer neuen Kunstform entwickelt. Die Rollenverteilung war immer die gleiche: Terence Hill, der schlanke Charme-Bolzen mit den blauen Augen, redete und haute; Bud Spencer, der bärtige Hüne mit dem guten Herzen, haute nur. «Mir genügten vierzig, fünfzig Worte, um ­einen ganzen Film zu bestreiten», erklärte der Schauspieler einmal.

Insgesamt haben Spencer/Hill sechzehn Filme zusammen gedreht – fast alle wurden Millionenerfolge. Daneben ist Bud Spencer auch noch in über hundert weiteren Filmen aufgetreten. Aber eigentlich sei er gar kein Schauspieler, betonte Pedersoli immer wieder; im Unterschied zu Terence Hill habe er nie Schauspiel studiert. «Und ich konnte weder Englisch, noch konnte ich reiten, noch habe ich mich je rasiert. Sie brauchten für ihre Ulk-Filme einfach einen Charaktertypen mit einem Körper, wie ich einen habe.»

Schwimmen, Wasserball, Boxen

Zunächst hatte auch nichts darauf hingedeutet, dass der 1929 in Neapel geborene Carlo Pedersoli dereinst einer der bekanntesten und beliebtesten Darsteller Italiens werden sollte. Bekannt wurde er nämlich – wie einst der spätere «Tarzan»-Darsteller Johnny Weissmüller – zunächst als erfolgreicher Schwimmsportler: Pedersoli war zwanzigfacher italienischer Meister; 1950 unterbot er in der Disziplin 100 Meter Freistil als erster Italiener die Einminutenmarke. Er hat auch an zwei Olympischen Spielen teilgenommen, 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne. Daneben hat er Wasserball gespielt und – wie könnte es anders sein – geboxt.

Pedersoli war schon vor seiner Filmkarriere viel in der Welt herumgekommen: Als er 18 war, zog seine Familie nach Südamerika; nach seiner Rückkehr nach Italien absolvierte er in Rom ein Jus-Studium – um danach auf eigene Faust wieder nach Südamerika zurückzukehren. In Venezuela baute er am Panamerica Highway mit, in Brasilien erhielt er zunächst eine Stelle im italienischen Konsulat und später bei Alfa Romeo. Er habe es im Römer Snob-Quartier Parioli nicht mehr ausgehalten, begründete er seine Flucht nach Südamerika. «Ich wollte wissen, wer ich bin.»

Gesicht der glücklichen Jugend

Anfang der Sechzigerjahre kehrte er nach Italien zurück, wo er sich als Musiker und Songwriter betätigte. Zum Film kam er über seinen Schwiegervater, den Produzenten, Regisseur und Kinobesitzer Peppino Amato, der unter anderem auch den Film «La dolce vita» von Federico Fellini produziert hatte.

In Italien wurde Pedersoli alias Bud Spencer liebevoll «il gigante buono» (der gutmütige Riese) und «il piedone» (Plattfuss) genannt. Seine immense Popularität erklärte er einmal so: «Wer von uns kennt nicht jemanden, im Büro oder sonst wo, dem er einmal eine runterhauen möchte? Alle kennen so einen. In den Filmen haben wir das gemacht, und die Leute haben sich damit identifiziert.» Gleichzeitig war Bud Spencer für Millionen Italiener das Gesicht des glücklichen und erfolgreichen Italiens ihrer Jugend, ein Held der inzwischen lange vergangenen Boom-Jahre. Ein trauerndes Italien sagte gestern: «Addio, gigante buono!»

Kabel eins zeigt Heute und Morgen jeweils ab 20.15 mehrere Filme mit Bud Spencer