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NACHRUF: Der Tastengott im Hintergrund

Für viele ist er einfach der Vater der «Alperose». Doch Hanery Ammans Werk ist weit mehr. Der Interlakner geht als begnadeter Komponist und Pianist in die Schweizer Musikgeschichte ein.
Christian Zingg, sda
Hanery Amman ist tot. Der Mundartmusiker starb im Alter von 65 Jahren. (Archivbild) (Bild: Peter Schneider (Keystone))

Hanery Amman ist tot. Der Mundartmusiker starb im Alter von 65 Jahren. (Archivbild) (Bild: Peter Schneider (Keystone))

Christian Zingg, SDA

Sein Weggefährte Polo Hofer bezeichnete ihn als «Chopin vom Berner Oberland». Für Kuno Lauener von Züri West war er «einer der wenigen, dem ich gerne zuhöre, wenn er berndeutsch singt». Stephan Eicher sah in ­Amman «eine Mischung aus je einem Drittel Peter Frampton, George Harrison und Erzengel Gabriel».

Hanery Ammans lange Karriere begann 1971, als er mit dem etwas älteren Polo Hofer in Interlaken an einem neuen Projekt ­herumbastelte. Inspiriert von den Berner Troubadours um Mani Matter, aber auch von Udo Lindenberg gründeten die beiden Freunde die Band Rumpelstilz. Hofer war der Texter, Sänger und Verkäufer der Band – Amman die musikalische Seele, die den Sound mit seinen vollen Akkorden und den beiläufig eingestreuten Jazzigkeiten prägte.

Das kongeniale Duo schrieb Gassenhauer wie «Kiosk» und «Teddybär», wo sich Amman vom karibischen Rhythmus ­inspirieren liess und so zum ersten Reggae-Komponisten der Schweiz wurde. Die Band schuf aber auch zeitlose Klassiker wie «D’ Rosmarie und i», «Die gfallene Ängel» und «Es Blatt im Wind».

Schwieriges Verhältnis zu Polo Hofer

Rumpelstilz zerbrachen an ihrem Erfolg und internen Streitereien. Polo suchte und fand weiter das grelle Rampenlicht, Hanery ging seinen eigenen Weg. Er lebte seine zweite Leidenschaft aus, das Komponieren von Filmmusik («Kleine frieren auch im Sommer»). Und er veröffentlichte 1980 sein erstes Solo-Album «Burning Fire». Wenig später schrieb er den Song «Kentucky Rose», der zunächst keine grosse Beachtung fand, obwohl das ­Demotape sogar bei Radiostationen landete. Polo Hofer war es, der das Potenzial des Songs entdeckte und ihn – ohne Einverständnis Ammans – mit einem berndeutschen Text versah. ­«Alperose» wurde zum Schweizer Jahrhunderthit, mit dem man Hofer/Amman für immer verbinden wird. «Ja, das war mein ­erfolgreichster Song», sagte ­Amman viele Jahre später. «Was aber nicht unbedingt heisst, dass es auch der beste ist.»

Amman ging seinen Weg in den 1990er-Jahren weiter, er komponierte viel und veröffentlichte wenig. Eine einzige Soloplatte gab er noch heraus, «Solitaire» im Jahr 2000. Auch sie zeichnete sich aus durch Songs, die einfach nicht verleiden – «Chasch mers gloube» zum Beispiel wird bis heute regelmässig im Radio gespielt.

Gesundheitliche Probleme

Dass der Output nicht höher war, hat verschiedene Gründe. Einer davon waren Ammans Gesundheitsprobleme ab Mitte der 1980er-Jahre. Nach einem Ärztefehler plagte ihn ein permanentes Rauschen auf einem Ohr – der Tinnitus beeinträchtigte fortan seine Arbeit. Vor allem aber liess sich Amman bei allem Zeit, viel Zeit. Er wollte selber bestimmen, wann seine Songs reif waren für die Öffentlichkeit – und so feilte er endlos und nächtelang an ­ihnen herum. Wie viele Kompositionen noch in seinem Archiv lagern, kann wohl niemand mit Bestimmtheit sagen. In den vergangenen Jahren tourte Amman schier endlos durchs Land, weil er Konzerte als «die ehrlichste Art des Musizierens» empfand. Das Publikum blieb ihm treu, auch wenn er seinen Fans nur selten einen neuen Song gönnte. Der Kindersong «Kroki-Loki-Rock» gehört dazu, ebenso «Waldgeischt», den er zu seinem 60. Geburtstag als Gratis-Download publizierte. Den letzten veröffentlichten Song «Du & I gäge Räscht vo de Wält» schrieb Amman mit Adrian Stern für das Schweizer Fernsehen. Der Mann mit den langen blonden Haaren trank lieber Tee Crème als Alkohol. Er hatte nicht einmal geraucht, dennoch erkrankte er 2007 an Lungenkrebs. 2011 musste er sich den rechten Lungenflügel entfernen lassen.

2017 kam der Krebs zurück. Amman investierte nun alle Kraft in die Fertigstellung seines Instrumentalalbums. Noch ein halbes Jahr brauche er, sagte er ­Anfang Dezember. Dem Mann, der sich immer viel Zeit genommen hatte, lief die Zeit davon. Hanery Amman starb am Abend vor Silvester daheim im engsten Familienkreis.

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