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NACHRUF: Er war ein Star in Ost und West

Im «Tatort» hat er ermittelt, in «Liebling Kreuzberg» einen Anwalt gespielt. Jetzt ist Manfred Krug gestorben. Der erste Teil seiner Karriere hatte sich in der DDR abgespielt.
Rolf Appkultur@luzernerzeitung.ch
Manfred Krug war nie um einen Spruch oder einen launigen Auftritt verlegen. (Bild: Hendrik Schmidt/Keystone)

Manfred Krug war nie um einen Spruch oder einen launigen Auftritt verlegen. (Bild: Hendrik Schmidt/Keystone)

«Diese trüben Tassen!», dachte Manfred Krug, als er 1977 weg musste aus der DDR. Die Zukunft war ungewiss. Jetzt ist er mit 79 Jahren gestorben, der Schauspieler und Sänger, der spätestens ab 1984 auch im Westen ein Begriff war. Da begann er nämlich, im «Tatort» als ewig griesgrämiger Hauptkommissar Stoever zu ermitteln. Er tat dies insgesamt 41-mal, bis er 2001 in den Ruhestand ging.

«Diese trüben Tassen!» Manfred Krug hatte wenig Grund, die DDR besonders zu mögen, in die er nur durch familiäre Zufälle geraten war. Anfangs zwar schon, da fand er die Leipziger weit weniger hochnäsig als die Rheinländer. Von dorther, genauer: aus Duisburg war sein Vater nach Osten gezogen, der später in Brandenburg ein Stahlwerk leitete.

Ärger im Studium, Ärger mit dem Minister

Die Eltern hatten sich getrennt, der Sohn war dem Vater zugesprochen worden. Der erste Beruf, den er in der DDR erlernte, war Stahlschmelzer. Und dann, nach der Abendschul-Matura, die Schauspielerei. Allerdings: Wegen «disziplinarischer Schwierigkeiten» war sein Studium schon bald zu Ende.

Trotzdem wurde Manfred Krug schon bald zum Kino-Idol, dank zweier Filme von Frank Beyer: «Fünf Patronenhülsen» und «Die Spur der Steine». Letzterer, ein unterschwellig sehr kritischer Film über die DDR-Planwirtschaft, erregte schon während der Dreharbeiten das Misstrauen des zuständigen Ministers. Drei Tage nach der Uraufführung wurde er 1976 wegen «antisozialistischer Tendenzen» verboten.

Als Krug im Jahr darauf auch noch einen Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterschrieb, weil ihm «diese Blödheit so unangenehm war», wurde er mit einem Teilberufsverbot belegt und beantragte die Ausreise. «Es war ein Sprung ins kalte Wasser», erzählte er vor zwei Jahren. «Aber ich habe immer auf mich gebaut.»

Amerikaner haben «blöde Nazimusik erledigt»

Zu Recht. Bald wurde er auch im Westen mit seinem schrägen Humor und lockeren Sprüchen zum festen Begriff: Nicht nur im «Tatort», sondern auch in der Kindersendung «Sesamstrasse» und in der Serie «Liebling Kreuzberg» um einen Rechtsanwalt, der nicht aufs Maul gefallen ist.

Daneben verfolgte Manfred Krug die Leidenschaft weiter, die er schon in der DDR begonnen hatte: jene des Jazzsängers. Entdeckt hatte er den Jazz mit den Amerikanern, die Duisburg 1945 besetzten. Sie hätten zwar die Demokratie gebracht, sagte er, «aber vor allem haben sie diese blöde Nazimusik über Nacht erledigt».

Krug war verheiratet und hatte mit seiner Frau Ottilie drei Kinder. 2002 bekannte er sich zudem zu einer unehelichen Tochter. In einem Kondolenzbrief an Ottilie Krug schrieb der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der Verstorbene habe «uns in seiner wundervollen Art Stärken und Schwächen der Menschen vor Augen geführt».

Rolf App
kultur@luzernerzeitung.ch

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