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NACHRUF: Linkin-Park-Sänger Chester Bennington – ein nahbarer und verletzlicher Mensch

Am Donnerstag nahm sich der Sänger von Linkin Park in seinem Haus südlich von Los Angeles das Leben. Chester Bennington wurde nur 41 Jahre alt.
Steffen Rüth
Chester Bennington hat sein Leben lang gegen seine Ängste und seinen Selbsthass gekämpft. (Bild: Alessandro Della Bella/Keystone)

Chester Bennington hat sein Leben lang gegen seine Ängste und seinen Selbsthass gekämpft. (Bild: Alessandro Della Bella/Keystone)

«Who cares if one more light goes out / In a sky of a million stars?», fragt Chester Bennington im Refrain von «One More Light», dem berührenden Titelsong des aktuellen Linkin-Park-Albums; «wen juckt es denn, wenn noch ein Licht ausgeht in einem Himmel mit einer Million Sternen?», um sich dann selbst die Antwort zu geben: «Well I do». Das Lied schrieb Bennington mit Co-Frontmann Mike Shinoda zu ­Ehren einer Freundin, die gerade den Kampf gegen den Krebs verloren hatte.

Nun ist Chester Benningtons eigenes Licht erloschen. Mit 41 Jahren hat er sich in seinem Haus erhängt. Er hinterlässt seine Ehefrau Talinda, die drei gemeinsamen Kinder sowie zwei leibliche Kinder und einen Adoptivsohn aus zwei früheren Beziehungen. Wir trafen uns das letzte Mal Ende März in Berlin, wo Bennington und Shinoda Interviews zum neuen Album gaben. Der Sänger machte einen ausgeglichenen, ja glücklichen Eindruck. Er scherzte viel und war wie immer die Herzlichkeit in Person.

Er trank und litt immer wieder an Depressionen

Aber wer sich die – zwar ungewohnt poppig produzierten, aber textlich sehr düsteren – Songs auf «One More Light» anhört, der bekommt unweigerlich einen anderen Eindruck von Chesters Gemütszustand. Im süssen «Heavy» singt er: «Ich mag mich gerade überhaupt nicht / Warum ist alles nur so schwer?». «Auch sprach Chester Bennington darüber, dass er eine furchtbare Zeit hinter sich hatte, wieder trank (aber auch wieder aufgehört hatte) und erneut an Depressionen litt. Aber der Sänger betonte auch, wie gut es ihm tue, offen über seine Probleme zu reden, wie eng das Verhältnis zu den fünf Bandkollegen sei und dass die Arbeit mit Linkin Park ihm Halt gebe. Leider reichte das am Ende nicht mehr.

Zur Welt kam Chester Bennington 1976 als Sohn einer Krankenschwester und eines Polizisten in Phoenix. Dort lebte er bis zuletzt mit seiner Familie. Als er elf ist, lassen sich die Eltern scheiden, Chester beginnt, Drogen und Alkohol zu konsumieren. In der Schule ist er ein Aussenseiter, der gehänselt und verprügelt wird. Ein älterer Freund der Familie missbraucht ihn jahrelang sexuell, was Chester damals für sich behält. Er arbeitet bei Burger King und in einem Copyshop, liebt Musik, singt in örtlichen Bands und wird schliesslich über einen Plattenfirmenkontakt Sänger von Linkin Park, die damals noch Xero heissen. Im Jahr 2000 veröffentlicht Linkin Park das Debütalbum «Hybrid Theory». Die Kombination aus hartem Rock, Rap und Electro trifft den Nerv der Massen. Linkin Park wird zu einer der erfolgreichsten Rockbands weltweit. «Wir sind die Stimme der angepissten Kids», so Chester 2014. Trotz zunehmender musikalischer Experimentierfreude kann die Band ihren Status weitgehend halten, bis zuletzt tourte Linkin Park als Festival-Headliner. «Aber auch, wenn du Geld und Erfolg hast, bist du nicht immun gegen das volle Programm des menschlichen Empfindens», sagte er. Im persönlichen Gespräch wirkte Chester Bennington denn auch nicht wie ein egozentrischer Rockstar, sondern wie ein sehr nahbarer und verletzlicher Mensch. Ein Mensch, der mit sich, seinen Ängsten in einer Art immerwährendem Ringkampf verkeilt war.

Aus der eigenen Zerrissenheit, der eigenen Misere schöpfte er immer wieder kreative Kraft. Kunst als Therapie, das Konzept hat bei ihm lange Zeit funktioniert. Immer und immer wieder sang er über Verzweiflung, Hoffnung und das Aufbäumen gegen die Selbstaufgabe. An diesem Donnerstag hat Chester Bennington für immer aufgehört zu kämpfen.

Steffen Rüth

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