Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

NACHRUF: US-Komiker Jerry Lewis ist tot

Als Grimassen-König hatte er Menschen weltweit zum Lachen gebracht. Jetzt ist der US-amerikanische Komiker und Entertainer Jerry Lewis gestorben.
Christina Horsten und Barbara Munker (dpa)
Jerry Lewis bei einem Interview im TZL Chinese Theatre in Los Angeles. (Bild: Dan Steinberg/AP (12. April 2014))

Jerry Lewis bei einem Interview im TZL Chinese Theatre in Los Angeles. (Bild: Dan Steinberg/AP (12. April 2014))

Christina Horsten und Barbara Munker (DPA)

Als Jerry Lewis 2014 einen zweiten Stern auf dem berühmten Walk of Fame in Hollywood erhielt, blödelte er herum und biss Regisseur Quentin Tarantino in die Hand. Dieser feierte Lewis danach trotzdem als «Schatz» und «einen der grössten Schauspieler und Regisseure in der Geschichte des Kinos».

Nun trauern seine Familie, seine Freunde, Fans und Kollegen: Lewis ist mit 91 Jahren gestorben. Nach Angaben seine Familie starb er gestern in seinem Haus in Las Vegas eines natür­lichen Todes, friedlich im Kreise seiner Angehörigen.

Lewis’ Karriere umfasste sieben Jahrzehnte. Erst als eine Hälfte des Komikerduos Martin und Lewis in den 1940er- und 50er-Jahren, dann bis zu den 70ern als Slapstick-Filmstar und Regisseur – und schliesslich in grösseren Rollen in Hollywood und auf dem Broadway. Lewis arbeitete auch noch mit über 90. «Ich frage mich auch manchmal, wo ich die ganze verdammte Energie hernehme», sagte er 2014 dem Magazin «GQ».

Süchtig nach Applaus

Die Liebe zur Bühne bekam Lewis, der 1926 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey als Joseph Levitch geboren wurde, von seinen Eltern. Vater Danny Levitch, ein Nachtclub-Sänger, brachte mit seinem komischen Talent auf der Bühne den Saal zum Kochen. Sein Sohn, der nach eigener Aussage mit «Schminke im Blut» aufwuchs, wurde süchtig nach Applaus und tingelte schon mit 18 als Alleinunterhalter durch die Clubs.

Den Durchbruch schaffte er, als er 1945 den neun Jahre älteren italoamerikanischen Schnulzensänger Paul Dino Crocetti kennen lernte, der sich Dean Martin nannte. Sie waren das perfekte Paar: Der gut aussehende Martin in der Rolle des seriösen Charmeurs, Lewis als blödelnder Kindskopf und tollpatschiger Clown. Damit landeten sie auf Olymp des Unterhaltungsgeschäfts: Von Charlie Chaplin holte sich Lewis Tipps für das Schneiden seiner Filme, und der alternde Stan Laurel erzählte ihm viele Abende lang von seinen Frauengeschichten. Doch nach rund zehn gemeinsamen Bühnenjahren zerstritten sich Lewis und Martin und sprachen 20 Jahre kein Wort mehr miteinander.

Als «verrückter Professor» brilliert

Aber auch solo begeisterte er die Massen. Er drehte Kassenknüller wie «Der Regimentstrottel», «Geisha Boy», «Hallo, Page» und «Geld spielt keine Rolle». Als Höhepunkt seiner Blödelkunst gilt «Der verrückte Professor» von 1963, der 33 Jahre später mit Eddie Murphy neu verfilmt wurde. «Mein Baby», nannte Lewis den Film. Aber auch in dramatischen Rollen wie 1981 an der Seite von Robert de Niro in «King Of Comedy» feierte er Erfolge. Lewis spielte in mehr als 80 Kino- und Fernsehfilmen und führte Regie in über einem Dutzend anderer.

Doch nicht auf all seine Arbeit war er stolz. Sein Film über einen deutschen Zirkusclown, der nach einem abfälligen Kommentar über Adolf Hitler ins Konzentrationslager kommt, wo er jüdische Kinder erst zum Lachen bringt und sie dann in die Gaskammern führen soll, kam nie an die Öffentlichkeit. Der 1972 gedrehte «The Day The Clown Cried» galt lange als Kinomythos und Filmphantom. In einem Dokumentarfilm, der 2016 zu Lewis’ 90. Geburtstag ausgestrahlt wurde, äusserte er sich erstmals ausführlich dazu. Er sei mit dem Filmprojekt gescheitert. «Ich habe schlechte Arbeit abgeliefert, als Autor, als Regisseur, als Schauspieler, als Produzent. Bei meinem Versuch, dieses grosse Menschheitsverbrechen von der Realität in die Fiktion hinüberzubringen, besetzten die Gräuel mein ganzes Denken und Fühlen.» Der Misserfolg beschäftigte Lewis so sehr, dass er mehr als zehn Jahre lang keinen Film mehr drehte. Am Ende hat er seinem Ruf aber kaum geschadet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.