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Sie heissen Martha oder Lore, Gustav, Max oder wie auch immer. Sie treffen zu fortgeschrittener nächtlicher Stunde aufeinander, und sie sind ziemlich betrunken. Es ist die Stunde der Abrechnung mit der Welt, die Stunde, in der sich Geist und Emotion ein brisantes Stelldichein geben. Was im Stück «Betrunkene» des russischen Dramatikers Iwan Wyrypajew (1974 in Sibirien geboren) beeindruckt, ist wie die Protagonisten anfangen zu reden. Sie wiederholen sich, reden aneinander vorbei und – kommen sich dabei doch näher. Unter der Regie von Elina Finkel wird in Konstanz beeindruckendes Theater entworfen, bei dem man herzlich lacht, während auf der Bühne der Sinn des Lebens kenntnis- und erfahrungsreich wahlweise konstruiert oder demontiert wird.

Gott ist nicht tot, sonder einfach anders

Das Bühnenbild von Elena Bulochnikova, eine schräge Ebene mit Linien, die an verkrümmte Längen- und Breitengrade erinnert, gibt vor, auf welch schwankendem Boden jede Existenz angesiedelt ist, während im Hintergrund gedämpft Bilder der christlichen Ikonografie aufscheinen. Gott ist hier nicht tot, sondern einfach - «anders». Gustav, der sich eben noch der Tatsache stellen musste, betrogener Ehemann zu sein, bringt es zu dem wunderbaren Satz: «Du bist Herrgott, Lore. Und Linda ist auch Gott, und ich bin Gott, und sogar unser sehr, sehr schlechter Karl, er ist auch Gott.» Auf herzzerreissend komische Art stolpern sie durch die Welt auf der Suche nach Glück und Liebe. Zunächst Rosa, die Prostituierte, die sich als Ballerina träumt und plötzlich in den Armen von Mark liegt. Eine grosse Liebe dieser seltsamen Stunde, während die Liebe eines jung vermählten Paares schon im Alkohol verflossen zu sein scheint. Überhaupt das Heiraten. Schon der anstehende Beginn einer Ehe ist Iwan Wyrypajew hemmungslose Komik wert. Stichwort «Junggesellenabschied». Auf der Konstanzer Bühne gibt dazu eine Männertruppe (unter Verstärkung der bereits bekannten Ballerina-Prostituierten) eine wunderbare Choreografie zum besten, zu der Cellist Stefan Baumann mal himmlische, mal wabernde Töne beisteuert.Hier stimmt einfach alles. Die Schauspieler, die jeweils Doppelrollen auszufüllen haben und den Schlussapplaus dann auch freudig geniessen konnten, sind dazu in bester Form.

Als Quintessenz des Theaterabends mag dabei trotzdem das Stück selbst gelten, diese kluge Analyse, die sogar einen menschenfreundlichen Ausweg aus dem Dilemma anbietet: Die Liebe. Aufrichtige und verzeihende Liebe. Als hätte man es nicht gerade live bei Harry und Meghan im Fernsehen gesehen.

Spielpan

Spieldauer: bis 15.6. im Theater Konstanz

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