Neuer Roman
Zuger Autor zeigt einen Familienvater im Banne einer betörenden Künstlerin

David Weber verbindet in seinem Roman Thrillerspannung und Abenteuer mit Philosophie sowie den dunklen Seiten des Kunsthandels.

Arno Renggli
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Autor David Weber (68): Sein Held folgt dem Ruf der Begierde.

Autor David Weber (68): Sein Held folgt dem Ruf der Begierde.

Bild: Philippe Hubler/PD

Man könnte schon etwas den Kopf schütteln, wie sich in David Webers Roman «Im Schwarzlicht» Familienvater Andy in ein haarsträubendes Abenteuer hineinmanövrieren lässt. Nur weil er scharf auf eine Künstlerin ist, die ihm der Zufall zugeführt hat.

Das Psychogramm aber kann man nachfühlen: Andy hat eine sogar für Männer unterdurchschnittliche Lust, erwachsen zu werden. Und die Verantwortung für eine Familie, zu der er sich von seiner erneut schwangeren Frau drängen liess, drückt ihn ebenso wie die Masterarbeit, die ihn zum Langzeitstudi macht.

«Das schwarze Quadrat» von Kasimir Malewitsch existiert in vier oder fünf Versionen des Malers selber. Im Roman gerät die Hauptfigur an eine Version des berühmten Bildes - oder eine Kopie davon.

«Das schwarze Quadrat» von Kasimir Malewitsch existiert in vier oder fünf Versionen des Malers selber. Im Roman gerät die Hauptfigur an eine Version des berühmten Bildes - oder eine Kopie davon.

Bild: PD

Die Schwärmerei für eine Frau, die das pure Gegenteil seiner eigenen zu sein scheint, aktiviert ihn. Und Künstlerin Ludmilla macht ihn zum willfährigen Handlanger eines lukrativen Schmuggels mit Kunstwerken. Als sie ihre Auftraggeber bescheisst und fliehen muss, gerät Andy in Besitz eines wertvollen Gemäldes (oder der Fälschung davon?) Und zwischen die Fronten von Kriminellen, vermeintlichen Freunden und Polizisten, die ihr eigenes Süppchen kochen. Was ihn nicht etwa zur Vernunft bringt. Sondern dazu, in einem bizarren Nacht- und Nebeltrip nach Nizza zu reisen, wo er seine Flamme vermutet. Immer noch ist er vor allem eines: scharf auf sie.

Philosophisches Thema, dem die Hauptfigur verfällt

Na schön, nennen wir es Begierde, schliesslich gehört diese zu den Affekten, die der Philosoph Spinoza behandelte und über die Andy in seiner Masterarbeit sinniert, während er ihr selber verfällt. Damit zeigt David Weber nicht nur dunkle Seiten des Kunsthandels, sondern bietet auch einen philosophischen Hintergrund. Durch die Spinoza-­Zitate muss man sich zunächst etwas durchkämpfen. Trefflich streiten lässt sich auch über die finale Wendung bei Hauptfigur und Erzählposition, die wir natürlich nicht verraten. Vor allem aber unterhält die Story auf kluge, spannende Art. Und mit einem Antihelden, der uns in seiner oft auch komischen Naivität nicht ganz fremd ist. Hand aufs Herz: So was Ähnliches hätte uns doch auch passieren können.

David Weber: Im Schwarzlicht. Knapp Verlag, 390 S., Fr. 29.--.