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NEU IM KINO: «Peur de rien» – junge Immigrantin sucht Platz im Leben

Der französische Spielfilm «Peur de rien» schildert die Erlebnisse einer jungen libanesischen Immigrantin in Paris. Mit trockenem Humor und vielen Überraschungen.
Lina (Manal Issa) muss sich zwischen einer vergangenen und einer neuen Lebenswelt zurechtfinden. (Bild: PD)

Lina (Manal Issa) muss sich zwischen einer vergangenen und einer neuen Lebenswelt zurechtfinden. (Bild: PD)

Die Trailer zu den aktuellen Filmen finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/kino

Peter Mosberger

Paris, Anfang der 1990er-Jahre. Die achtzehnjährige Lina (Manal Issa) ist soeben aus Beirut angekommen, ­möchte hier studieren und soll vorläufig bei ihrem Onkel und dessen Familie wohnen. Doch sie flieht schon am ersten Abend vor dem ihr nachstellenden Onkel aus dem Haus und findet bei einer Studienkollegin eine vorläufige Bleibe.

Prekäre Situation

Das Wort «vorläufig» wird Lina die nächsten Monate und Jahre begleiten: Vorläufig sind ihre Aufenthaltsgenehmigung und ihre Studienberechtigung, und als vorläufig erweisen sich auch ihre Bekanntschaften mit Kolleginnen oder Liebhabern. Dank einer engagierten Professorin kann die junge Frau zumindest an der Universität administrative Schwierigkeiten überwinden. Ihre Männerbekanntschaften vermitteln ihr wiederum Einblicke in unterschiedliche Milieus, und ausgerechnet eine politisch rechtsgerichtete «royalistische» Studentin verschafft ihr schliesslich eine erste einfache, doch eigene Wohnung.

Überraschungsreich und mit wohldosiertem Witz erzählt «Peur de rien» mit einer die Hauptrolle perfekt ausfüllenden Manal Issa von Linas Suche nach ihrem Platz in der Welt. Der Film wirkt so authentisch, so aus dem Leben gegriffen, dass man unweigerlich vermutet, die Regisseurin und Drehbuchautorin Danielle Arbid erzähle hier ihre eigenen Immigrationserfahrungen.

Fantasie mit Erinnerung kombiniert

Die 1970 in Beirut geborene Filmemacherin, die mit siebzehn nach Paris zog, um Literatur und Journalismus zu studieren und die seither zahlreiche Kurz- und Langfilme realisiert hat, präzisiert jedoch diese Annahme. Die Handlung gleiche eher einer durch die Fantasie ausgeschmückten Erinnerung an die eigenen Erfahrungen: «Was ich über den Film vermitteln wollte, ist die Summe dessen, was man wird dank der Personen, denen man begegnet. Lina treibt zwischen Menschen und Milieus hin und her, um durch sie zu entdecken, wer sie selber ist. Die Umgebung wird zu einem Spiegel für sie. Diesen Schock wollte ich zeigen; diesen unbändigen Willen, den eigenen Platz zu finden; diesen ersten Blick auf Frankreich.»

Linas Erfahrungen abzubilden, ist der Regisseurin oft hervorragend gelungen. Sie versteht es, Milieus und Figuren in präzisen Szenen und mit sparsamen Dialogen prägnant zu charakterisieren, sodass sich Linas innere Kartografie ihrer neuen und fremden Lebenswelt sozusagen nach und nach vor den Augen des Kinopublikums entfaltet.

Zuweilen auch unbeschwert

Gleichzeitig gelingt es dem Film auch, eine gewisse, den Schwierigkeiten trotzende jugendliche Unbeschwertheit einzufangen, die Lina mit ihren oft etwa gleichaltrigen Bekannten teilt. Der Blick ist immer auf die Zukunft gerichtet. Die junge Frau hegt keine nostalgischen Gefühle für den kriegsgeplagten Libanon, auch mit der eigenen Familie verbinden sie widersprüchliche Emotionen.

Die Suche nach einer neuen Familie oder Heimat bildet so das dramatur­gische Grundgerüst dieses leicht hingetupft wirkenden und doch sehr sorgfältig gestalteten Films. Neben Manal Issa (einer seit fünf Jahren in Frankreich lebenden Libanesin) überzeugen dabei auch die anderen Darsteller. Fazit: Eine ausgesprochen sehenswerte Produktion, die von Immigrationserfahrungen und Frankreich-Eindrücken jenseits der üblichen Klischees zu erzählen weiss.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Hinweis

«Peur de rien» startet am Donnerstag im Kino Bourbaki (Luzern).

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