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NEUBAD: Gesamtkunstwerk um das Element Wasser

Der Luzerner Chor Molto cantabile brachte im Neubad die «Water Symphony» von Hans Schanderl zur herausragenden Uraufführung. Alle Facetten des Wassers wurden zu intensivem Klang.
Gerda Neunhoeffer
Originell: Fünf Chorsänger mit ihren Waterdrums (Kürbisschalen in mit Wasser gefüllten Schalen). (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. März 2018))

Originell: Fünf Chorsänger mit ihren Waterdrums (Kürbisschalen in mit Wasser gefüllten Schalen). (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. März 2018))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Weltwassertag wurde im Neubad, dem ehemaligen Hallenbad Luzern, am Donnerstagabend mit einem aussergewöhnlichen Projekt des jungen Chores Molto cantabile besonders begangen. In Zusammenarbeit mit dem international tätigen Netzwerk «Viva con Agua», das Projekte in Entwicklungsländern für sauberes Trinkwasser und sanitäre An­lagen fördert, wurde das Programm der Weltwassertage vom 22. bis 24. März entwickelt.

Die «Water Symphony» von Hans Schanderl war aus gemeinsamen Gesprächen des Komponisten mit Chorleiter Andreas Felber entstanden. Bis wenige Tage vor der Uraufführung wurde noch vor Ort geändert, die Musik der speziellen Akustik angepasst, mit Chor und Instrumentalisten geprobt.

Fantastisch bewegte Bilder gezeigt

Dabei entstand ein faszinierendes Gesamtkunstwerk, das die vielen Zuhörer in eine klingende Wasserwelt entführte, die alle Aggregatzustände des Elements direkt erfahrbar machte. Und dass zur eindringlichen Musik auch fantastisch bewegte Bilder gezeigt wurden, die der Komponist selbst gefilmt hat und die genau der ­Musik zugeordnet waren, hatte einen unbeschreiblichen Reiz.

Aus dem Dunkel heraus begann der Chor unsichtbar mit ­leisem Summen, langsam formierten sich die Sängerinnen und Sänger auf der oberen Ebene, und nur die Lichter auf den Noten erhellten nun den Raum ein wenig. Wasser über Steinen schimmerte zart auf der Leinwand, und der Gesang klang mit kurzen Silben wie Tropfen, die auf verschiedenen Untergrund treffen. Während Bassklarinette (Niklaus Mäder) und Alphorn (John Loretan) tiefe, archaische Töne einstreuten und Klänge der Streicher und Obertongesang leise hinzukamen, wanderte der Chor nun hinter das Publikum und sang dort a cappella «The Voice Of The Rain» (Text von Walt Whitman). Da erklangen vielstimmige Dissonanzen, die sich in den schimmernden Bildern von bewegtem Wasser widerspiegelten. Und allmählich leiser werdend stieg der Chor hinunter und stellte sich hinter die drei Streicher und die Obertonsängerin Anna Maria Hefele.

In «Crossing The Water» (Sylvia Plath) mischten sich Instrumente und Stimmen wie Wellen, Töne zitterten, fügten sich zusammen und strebten weit auseinander, bis sie langsam verebbten. Welch ein Kontrast dazu der «Song Of The Rainmaker» aus West­afrika. Da wurden die Silben ausgesprochen rhythmisch gesungen, wieder ganz ohne ­Ins-­ trumente klangen die Stimmen mal perkussiv, mal fast wie Jodeln. Die intensive Klang­sprache brachte das zu Eis ge­frorene Wasser in den Bildern nach und nach zum Schmelzen. In «La balada del agua del mar» (Die Ballade vom Wasser des Meeres, Federico Garcia Lorca) war ein fast durchgehender Rhythmus das ver­bindende Element, und dass hier fünf Chorsänger mit Waterdrums (das sind grosse Schalen, die mit Wasser gefüllt sind, und mit einer kleineren Kürbisschale darüber kann man die Tonhöhe verändern) den Rhythmus mitspielten, gab besondere Klangeffekte. Dazu sah man heisse Quellen sprudeln, und der Chor – den ­Andreas Felber exzellent vorbereitet hat – und alle Instrumente ver­einten sich zu einem wahren Meer an Tönen. Der Komponist Hans Schanderl ­spielte, auf dem Sprungturm sitzend, ein meditatives Zwischenspiel auf dem Santur (Urform des Hackbretts aus Persien), dazu ­begab sich auch Anna-Maria ­Hefele auf den Turm und liess die Obertöne in den Raum schweben.

Leise glitzernder Klangteppich

Andreas Gabriel, Violine, Noemi Glenck, Bratsche, und ­der Cellist Nicola Romano, dazu Bassklarinette und Didgeridoo (John Loretan) fanden sich im letzten Stück zusammen, viele Sänger erzeugten mit Gläsern in der Hand, wieder von oben, den leise glitzernden Klangteppich einer Glasharfe, andere spielten mit kleinen Gongs zu ihrem Gesang. Das Gedicht «Schneebett» von Paul Celan wurde so zum ­poetischen Abgesang, in dem der Text nochmals klangmalerisch interpretiert wurde.

Unter lang anhaltendem ­Applaus erhielten Instrumen­talisten, die Solistin, Dirigent und Komponist Blumengebinde. Aber jedes Chormitglied hätte ebenfalls Blumen verdient: Bis in ­sechzehn Stimmen waren sie ­aufgeteilt und bewältigten die hoch komplizierten Klang­verbindungen souverän. Der Abend endete mit einem Film über ­Wasserprojekte von Viva con Agua und Gesprächsrunden.

Hinweis

Am Samstagabend nochmals um 18.30 Uhr Einführung, 19.30 Uhr «Water Symphony» und anschliessend Dokumentarfilm.

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