NEUBAD: Im Bad höhere Sphären erreicht

Versöhnlicher Saison-Auftakt beim Forum Neue Musik: Dabei scheute Lukas Langlotz in seiner Messe beim lateinischen Text auch irritierende Klänge nicht.

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Starke Leistung: Vokalensemble Zürich und das verstärkte Mondrian Ensemble im Neubad. (Bild: Pius Amrein)

Starke Leistung: Vokalensemble Zürich und das verstärkte Mondrian Ensemble im Neubad. (Bild: Pius Amrein)

Simon Bordier

Bachs Weihnachtsoratorium oder Mozarts «Missa brevis» sind heute im Konzertsaal mindestens so beliebt wie im liturgischen Kontext. Doch der christliche Kern der Werke lässt sich nicht leugnen; die vertonten Texte bringen ihn unmissverständlich zum Ausdruck.

Der Basler Komponist Lukas Langlotz (44) hat einen neuen Zugang zum lateinischen Messetext gesucht: Er wollte ihn nicht einfach vertonen, sondern den christlich geprägten Inhalt über Klänge «weiterfassen» und «aufheben». Seine vor fünf Jahren vollendete «Missa Nova» sei daher nicht allein als «Kirchenmusik» zu verstehen, sondern in einem «überkulturellen Sinn».

Kein Entrinnen fürs Publikum

Am Dienstag hielten nun das Vokalensemble Zürich und das Mondrian Ensemble Basel diese gut einstündige «Messe» im Neubad Luzern. Symbolträchtige 12 Solostimmen stellten sich im Halbkreis um 7 Instrumentalisten auf. Diese eröffneten das Stück mit zwei kontrastierenden Clustern: das Akkordeon und die Bläser rauschten und brummten in der Tiefe, die Streicher breiteten einen hohen Klangteppich aus, bis sich einzelne, verzerrte Stimmen in die gähnende Lücke verirrten.

Auch die Singstimmen machten mit ihrem «Kyrie»-Einsatz einen im besten Sinne mitleiderregenden Eindruck: Ihre musikalische Figur schien nicht einfach abwärts zu führen, sondern geradezu schlapp herunterzufallen. Eindrücklich war die Zusammenführung in einem feinen, mikrotonalen Tuttiklang, der einen Moment der Besinnung bot, aber in seiner schwer durchschaubaren Form auch irritierte. Die mikrotonale Struktur ermöglichte nach einer Gewöhnungsphase äusserst subtile Übergänge zwischen den Sing- und Instrumentalstimmen; so auch im «Gloria», wo sich Klarinette, Sopransax und Bratsche in die choralartigen Wendungen der Sängerinnen nahtlos einfügten.

Der Höhepunkt wartete im «Credo», wo sich die Singstimmen auf den Vokal «a» konzentrierten: Man konnte ihn wie einen Stimmton hören, aber auch wie ein schmerzerfülltes «Ah!», das mit dem drängenden Rhythmus des Akkordeons, dem Tremolo der Streicher und der pulsierenden Kontrabassklarinette in eine höhere Sphäre – welche auch immer – gehievt wurde. Im ehemaligen Schwimmbecken, das als Konzertlocation diente, gab es für das Publikum kein Entrinnen.

Alle gemeinsam

Linderung verschaffte die anschliessende «Meditatio» der Instrumentalisten, die rund um markante Quint-Intervalle ihre gesanglichen Qualitäten zeigten. Im «Sanctus» liessen die Sänger im rezitierenden Tonfall und mit «Hosanna!»-Jubel nochmals liturgische Anklänge hören, die die Instrumentalisten mit einem tänzerischen Intermezzo gleich wieder beiseite wischten. Zum Schluss blieb die erwähnte Quint-Melodie, welche nun alle Beteiligten gemeinsam anstimmten und in einem «Pacem» der Bassstimmen ausklingen liessen.

Stiller Dank

Die anschliessende anhaltende Stille im Neubad war wohl der grösste Dank, den das Publikum dem Vokalensemble Zürich und dem Ensemble Mondrian unter der Leitung von Peter Siegwart für die starke Leistung erweisen konnte. Das Konzert markierte jedenfalls einen vielversprechenden Auftakt in die neue Saison des Forums Neue Musik Luzern.

Hinweis

Programm Forum Neue Musik Luzern: www.forumneuemusikluzern.ch