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NEUBAD LUZERN: Hauptfrage blieb unbeantwortet

Das Ensemble Helix der Hochschule Luzern – Musik untersuchte den französischen Kompositionsstil. Die Interpretationen waren ausgezeichnet, das Konzept ging trotzdem nicht ganz auf.
Katharina Thalmann
Das Ensemble Helix brachte im Neubad die Nuancen der gespielten Werke wunderbar zur Geltung. (Bild: Corinne Glanzmann (2. Februar 2018))

Das Ensemble Helix brachte im Neubad die Nuancen der gespielten Werke wunderbar zur Geltung. (Bild: Corinne Glanzmann (2. Februar 2018))

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

Extremer könnten die Pole kaum sein: Während am Montag die «Alpini Vernähmlassig» Stilfragen in der Volksmusik untersuchte, nahm sich das Ensemble Helix am Freitag die französische Moderne vor. Bei den Alpinis stand der spielerische Umgang mit stilistischer Innovation im Zentrum. Da hatte es das Ensemble Helix schwerer. Denn ob Boulez, Hurel oder Xenakis: Die Gestaltungsspielräume der klassischen Moderne sind eng, die Partituren kompliziert. Umso wichtiger wäre es gewesen, dem Publikum diese Musik schmackhaft zu machen.

Denn was ist der französische Stil? Debussys transparente Farbigkeit, Berlioz’ handwerkliche Meisterschaft? Pierre Boulez’ und Iannis Xenakis’ elegant-französische Intellektualität? Es tauchten viele Fragen aus dem Neubad-Pool auf. Leider wurden sie weder durch Erläuterungen im Programm noch durch einleitende Worte beantwortet. So stellte der Konzertabend zwar ein reizvolles Panoptikum des französischen Musikschaffens der letzten sechzig Jahre dar. Doch die «Question du style», das Motto des diesjährigen Szenenwechsel-Festivals, blieb unbeantwortet.

Schlagzeug sorgte für Höhepunkte

Zwei Highlights des Abends waren Xenakis’ «Rebonds A» und «Rebonds B». Der Schlagzeuger Corentin Marillier, übrigens selber Franzose, begeisterte: Er schien die Neubad-Akustik zu geniessen, kostete die perkussiven Peitschenhiebe und Donnerschläge voll aus. Dabei blieb sein Ausdruck stets natürlich und tänzerisch. Die archaische Kraft von Xenakis’ Musik liegt in ihrem Kommunikationsbedürfnis. Und Marillier erwies sich als Interpret mit Sendungsbewusstsein.

Weiter ging es mit Pierre Boulez’ «Incises» für Klavier. Im Neubad steht ein neuer Steinway-Flügel, der erst am Donnerstag durch die Luzerner Konzept-Impro-Band Iety eingeweiht wurde. Unter uns gesagt: «Incises» klingt ziemlich ähnlich wie Iety. Mal klangschön, mal sperrig, spielte die Pianistin Huang Yu-Ting das Stück hervorragend, wenn auch mit etwas abruptem Ende.

Fast so etwas wie ein Groove

Philippe Hurel gehört mit Jahrgang 1955 zur jüngeren Generation französischer Komponisten. Sein Duo für Klavier und Schlagzeug, «Tombeau in Memoriam Gérard Grisey», musizierten ­Huang und Marillier fantastisch. Dass der Widmungsträger Gérard Grisey ein wegweisender Komponist und Landsmann war, blieb unerwähnt. Wurde erwartet, dass Griseys Spektralismus allgemein bekannt ist?

Zum Verständnis von Hurels Stück wäre folgende Information wichtig gewesen: Hurel verwendet die Schlaginstrumente als ­erweiterten Resonanzraum des Flügels, erkundet in Grisey-Manier mit Xylophon und Glockenspiel neue Klangfarben. Das Ohr folgte mit Vergnügen den aufwärtswallenden Phrasen und den pointilistischen Passagen, die bisweilen fast so etwas wie einen Groove erahnen liessen.

Vor der Pause folgte das Ensemblestück «Le Gel, par jeu» von Gérard Pesson (mit Jahrgang 1958 noch jünger als Hurel). Man könnte es als luftig-leicht bis phlegmatisch umschreiben. Das Ensemble Helix brachte die musikalische Fragilität wunderbar zur Geltung. Dirigent Uli Fussenegger sagte danach, die ganze Musik spiele sich wie «hinter einer Gaze» ab. Das ist ein treffendes Bild, das schon während des Konzerts hilfreich gewesen wäre.

Synthi-Sounds für Weltausstellung

Prekär wurde die Nichtvermittlung bei Edgar Varèses «Poème électronique». Das Licht ging aus, und aus zwei Lautsprechern sprudelten acht Minuten unbeholfene Synthesizer-Sounds. Solche bekommt man im Neubad-Pool auch von Pop-Bands öfters zu hören. Nur: Das Stück war 1958 ein Meilenstein der elektroakustischen Musik! Varèse komponierte es für die Brüsseler Weltausstellung. Auf 350 Lautsprechern wurde es im Le-Corbusier-Pavillon gespielt – den Iannis Xenakis designt hat. Sind solche Geschichten nicht aufregend?

So zauberhaft die gebotene Musik war, sie will erklärt werden. Das gilt auch für Volksmusik. Die Alpinis haben ihre Stilfragen am Montag zwar etwas rudimentärer, aber auch zugänglicher erörtert. Das Konzert im Neubad sagte mit hervorragenden Interpretationen mehr über den Stil der zeitgenössischen Musikszene aus als über französische Musik.

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