NEUBAD-TALK: Verdoppelung der Luzerner Kinosäle? Kein Problem

In der Stadt und Agglomeration Luzern wird innert Jahresfrist die Anzahl Kinosäle verdoppelt – und das, obwohl immer weniger Leute ins Kino gehen.

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Diskutierten im Neubad (von links): Brian Jones, Berater Pathé Schweiz, Frank Braun, Geschäftleiter Programm Neugass Kino AG, Philipp Portmann, Filmexperte bei Tele 1 und Radio Pilatus und Moderator Beat Glur, Geschäftsleiter Schweizerischer Verband der Filmjournalisten. (Bild: PD)

Diskutierten im Neubad (von links): Brian Jones, Berater Pathé Schweiz, Frank Braun, Geschäftleiter Programm Neugass Kino AG, Philipp Portmann, Filmexperte bei Tele 1 und Radio Pilatus und Moderator Beat Glur, Geschäftsleiter Schweizerischer Verband der Filmjournalisten. (Bild: PD)

«2016 war nach 2014 das schlechteste Kinojahr seit langem», brachte es Beat Glur vom Schweizerischen Verband der Filmjournalisten und Filmjournalistinnen bei einem Podiumsgespräch am Dienstag im Neubad Luzern auf den Punkt. Es gehen also immer weniger Leute ins Kino. 2015 besuchte der Durchschnittsschweizer nur 1,8 Mal das Kino. Dennoch wird die Kinobetreiberfirma Pathé in der Mall of Switzerland Ende September zwölf neue Kinosäle betreiben. Auch die Kitag plant beim Maxx am Seetalplatz in Emmen sechs zusätzliche Kinosäle.

«Massiv mehr Kinosäle für Luzern – mit welchen Folgen?», war denn auch entsprechend der Titel des Neubad-Talks. Einer der Gesprächsteilnehmer war Frank Braun, Programmleiter der Neugass Kino AG, die unter anderem das Kino Bourbaki in Luzern betreibt. Obwohl Konkurrent Pathé im neuen Ebikoner Multiplex – ab acht Kinosälen spricht man von Multiplex – eine Mischung von Blockbuster- und Arthouse-­Filmen zeigen will, macht sich Frank Braun keine grossen Sorgen um sein Kino: «Während die Eintritte bei den grossen Kinos oft recht schwanken, sind sie bei uns eigentlich recht stabil.»

Multiplex-Kinos sind auf dem Vormarsch

Ähnlich sieht dies Peter Leimgruber vom Stattkino Luzern: «Für das Stattkino hat das Pathé-Kino in Ebikon keine Auswirkungen. Wir decken mit unserer Programmation einen völlig anderen Bereich ab.» Grössere Sorgen macht sich Frank Braun angesichts des Trends zu immer mehr grossen Multiplexkinos in der Peripherie um die Innenstädte: «Wenn die Kinos aus der Stadt ziehen, hat das weitreichende Konsequenzen. Das betrifft dann zum Beispiel auch die Gastronomie und das Ausgangsverhalten der Leute ganz allgemein. Das trägt zur Verkümmerung der Städte bei.»

Multiplexkinos sind in der Schweiz auf dem Vormarsch. Während die Anzahl Kinositze und Kinos seit 2000 leicht gesunken sind, nimmt die Anzahl Kinosäle zu. Knapp ein Viertel aller ­Kinositzplätze befinden sich ­heute in Multiplexkinos – 2000 waren es erst gut 7 Prozent.

Brian Jones, der frühere CEO von Pathé, ist überzeugt, dass Kino Zukunft hat, auch wenn die Konkurrenz immer stärker werde. Im Zusammenhang mit dem Online-Filmstreaming-Dienst Netflix (dort kann man online Filme schauen), sagte Jones: «Nichts ersetzt einen Kinobesuch, daheim hat man nicht das gleiche Erlebnis.» So werde auch das neue Kino in Ebikon auf eine technisch hochmoderne Ausstattung für Bild und Ton setzen. Sogar ein Imax-Kino sei geplant. Ausserdem müssten Kinos heute auch Nebenverdienst generieren, etwa mit der Gastronomie oder Events im Kino. Die Konkurrenz führe auch zu Innovationen bei den ­Kinobetreibern – auch in Luzern.

Im Publikum waren auch Filmemacher wie Luke Gasser und Erich Langjahr. Sie erlebten Talkteilnehmer, die entspannt der quasi Verdoppelung der Luzerner Kinosäle entgegenblicken. Dass ausgerechnet die Kitag, die in ­Luzern das Capitol und das ­Moderne und in Emmenbrücke das Maxx betreibt, nicht am Talk teilnahm, wurde bedauert. Denn auch die Sicht dieses Schweizer Kinogiganten wäre spannend gewesen. Kitag hatte sich gegen eine Teilnahme entschieden, da man aus ihrer Sicht nichts Neues zur Diskussion betragen könne. Wollte Kitag sich einfach nicht in die Karten blicken lassen?

Natalie Ehrenzweig

region@luzernerzeitung.ch