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NEUE ALBEN: Gasser und Borel – Raue Energie gemischt mit cooler Brillanz

Pete Borel, Klasse-Gitarrist aus Luzern, hat eine neue Scheibe auf dem Markt. Bereits die vierte Platte in vier Jahren legt der Obwaldner Rockmusiker Luke Gasser vor.
Pirmin Bossart
Liebt den Rock: Luke Gasser (51). (Bild: Mike Weibel)

Liebt den Rock: Luke Gasser (51). (Bild: Mike Weibel)

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Luke Gasser hat in den letzten Jahren praktisch im Jahrestakt ein Rockalbum veröffentlicht. Der Output des Malers, Musikers, ­Autors und Filmemachers ist beträchtlich, hat Gasser doch neben der Musik im letzten Jahr noch ein Doku-Essay über Bruder Klaus gedreht und ein Buch über den Obwaldner Eremiten veröffentlicht. Da scheint sich einer mit künstlerischer Working-Class-Hero-Energie auf Trab zu halten.

Gasser bietet auf «Mercy On Me» musikalisch nichts Neues: Er macht, was er kann und auch liebt: vorwärtsdreschende Songs mit satten Riffs, wenig Varia­tionen in der Melodieführung, knappen Soli und einer soliden Rhythm-Section mit Zach Prather (Bass) und Rudolf Halter (Drums). Manchmal schimmert die Ahnung eines alten Stones-Riffs durch, manchmal wird einfach bodenständig der Rockacker bestellt. Das Trio hat sich vor den Aufnahmen mit rund 40 Konzerten gut eingespielt und sich auf Tourneen mit Dodo, Nazareth und Status Quo auch ein internationales Rock-Flair geholt.

Aufgeraute Formel

Das Markenzeichen von Luke Gasser sind der Sound und seine rau-heisere Stimme. In den Texten wird gelebt und gelitten, angedeutet und gepredigt, geflucht und gebetet. Die meisten Songs beginnen mit ein paar Auftaktakkorden, um dann loszurocken. Das klingt immer ähnlich, die Fallhöhen zwischen den Songs sind gering, wenig prägt sich auf Anhieb ein, es ist mehr eine aufgeraute Formel, die variiert wird: irgendwo zwischen Hard Rock und Melodic Rock, mit einer Prise Blues und einem Funken Punk.

Der erste ruhigere Song kommt an sechster Stelle («Rooster On A Prowl») und zeichnet ein düsteres Bild unserer Welt («Politi­cians now got frivoulos/and jerks got president»).

Im Titelsong «Mercy On Me» bittet Gasser den Herrn um Erbarmen für seine Sünden, und auch im folgenden «Twinge Of Sadness» finden wir einen Protagonisten, der mit Dunkelheit und Verzweiflung ringt. Auf dem melodiös rollenden «Strive» kommen die Back-Vocals prominent ins Spiel, «Throw A Light» hat eine hymnisch-balladeske Seite, bevor Gasser und sein Trio mit den beiden Schlusstracks die Rösser zurück auf den Highway treiben.

Verschiedene Blues-Spielarten

Mit den Dead End Cowboys hatte der Luzerner Gitarrist Pete Borel in den 1990er-Jahren eine coole Rockband, die auch in der Restschweiz auf sich aufmerksam machte. Später hörten wir ihn dann immer wieder an diversen Jamsessions in der ehemaligen Frigorex Blues-Bar, wo er sich jeweils als technisch ausgefeilter und kaltblütig souveräner Instrumentalist gekonnt in Szene setzte.

Dabei war er nie Showman, sondern immer diskreter Könner. In jüngster Zeit ist er Mitglied der Gypsy-Jazz-Band Piri Piri von Christian Wallner, wo er den leichtfüssigen Swing gekonnt mit seinen amerikanischen Rock Roots eine eigene Färbung gibt.

Mit János Szenogrady (Bass), Imad Barnieh (Drums) sowie Gast Marcel Keckeis (Keyboards/Orgel) bildet Borel das Trio Blues Rocket Men, das kürzlich sein ­Album «Lifted» veröffentlichte. Blues und Boogie sind die stilistischen Dominanten, die gleich im Eröffnungstrack mit Rock’n’ Roll verlinkt werden. Bei «An­other Painful Time» fühlt man sich an den Laid-Back Groove von J.J. Cale erinnert. «D Pro» ist dagegen ein atmosphärischer Slow Blues mit ­Gitarren-Space- Soli zwischen Roots und Experiment.

«Going in Circles» ist ein schwelgerischer Dark-Blues, «Your Darling Hall» kommt als schummriger Nachtbar-Song mit launiger Jazzblues-Gitarre, und auf «Guitar Boogie» bringt Borel unter stoischem Groove die Gitarre zum Rollen und Raunen. Längster Track ist eine schwelende Version von «Voodoo Chile» von Jimi Hendrix, in der Borel mit Effekten auch die psychedelischen Jagdgründe anpeilt. Und mit «Cissy Strut» (The Meters) ist nochmals ein trockener Rock-Funk angesagt.

Geschliffener Sound

Trotz des eher geschliffenen Sounds gehen die bluesig-eleganten Blues Rocket Men musikalisch und gitarristisch interessanter und auch deutlich abwechslungsreicher in die Ohren als Luke Gasser. Andererseits vermisst man bisweilen dieses hemdsärmlig Unpolierte, mit dem der Obwaldner seinen Rock über die ganze CD rettet.

Die coole Brillanz von Borel und die raue Energie von Gasser: Das vereint, wäre dann wieder ein anderes Album. Eines, das wir aber ganz gerne einmal hören würden.

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