Neue historische Aufnahme bewahrt die Gesangskunst von Edith Mathis für die Zukunft

Historische Aufnahmen lassen den Gesang des Luzerner Opernstars Edith Mathis wieder aufleben.

Fritz Schaub
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Edith Mathis rezitiert Gedichte bei einer Veranstaltung des Lucerne Festivals.

Edith Mathis rezitiert Gedichte bei einer Veranstaltung des Lucerne Festivals.

(Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival, Luzern, 18. August 2018)

Nach der gross angelegten Anthologie mit Aufnahmen des international bekannten Schweizer Tenors Ernst Haefliger liegt nun auch zusätzlich eine historische Aufnahme des Luzerner Opernstars Edith Mathis von den Luzerner Musikfestwochen vor.

Bereits aus Anlass des 80. Geburtstages von Edith Mathis gab die Deutsche Grammophon eine sieben CDs umfassende Anthologie heraus. Sie hält die Höhepunkte der internationalen Laufbahn der Luzernerin fest, die bei Elisabeth Bosshart Gesang studierte und im Luzerner Stadttheater ihre ersten Bühnenauftritte hatte. Drei CDs sind allein Liedern von Mozart bis Brahms gewidmet.

Regelmässig bei Musikfestwochen zu Gast

Jetzt hat die Anthologie eine Ergänzung erfahren, indem in der Reihe der historischen Aufnahmen des Lucerne Festivals (Internationale Musikfestwochen Luzern) auf der neuesten CD der erste Liederabend herauskam, den die Luzernerin am 3. September 1975 im damaligen Kunsthaus gab.

Nicht weniger als zehnmal ist Edith Mathis bis 2001 an den Musikfestwochen aufgetreten, wobei sie ihr Debüt 1965 an der (längst der Vergangenheit angehörenden) Mozart-Serenade vor dem Löwendenkmal mit zwei Mozart-Konzertarien gab.

Mit Mozart, mit dessen «Veilchen», begann sie auch ihren Liederabend an den Musikfestwochen (vorher war sie nur in Chorwerken und Sinfoniekonzerten aufgetreten).

«Aus höchster Kunstfertigkeit geboren»

Wenn man das heute hört, wird einem wieder mit einem Schlage bewusst, wie ideal gerade für Mozart ihre Stimme war. Da hört man beglückt die Natürlichkeit des Mozart-Gesangs, die, wie der grosse Stimmfachmann Jürgen Kesting in seinem Essay bemerkt, «aus höchster Kunstfertigkeit geboren ist». Und doch ging sie weit über Mozart hinaus, wie gerade diese historische Aufnahme beweist, die durchweg Lieder von Komponisten enthält, die auf der eingangs erwähnten Anthologie nicht vertreten sind.

Die Mathis hat zwar ihr Fach als lyrischer Sopran nicht und den deutschsprachigen Umkreis nur selten verlassen – mit ein Grund, weshalb sie sich so lange auf ihrem hohen Niveau halten konnte. So singt sie mit einer erfrischenden Direktheit die Slowakischen Volkslieder «Dorfszenen» von Bela Bartok und trifft den folkloristisch-primitiven Werkstil genau.

Neben Volksliedern von Brahms, den innig-romantischen Liedern von Schumann und dem Glanz der Lieder von Richard Strauss überrascht sie am Schluss auch mit der Zugabe «Auch kleine Dinge können uns entzücken», ein Stück aus dem Italienischen Liederbuch von Hugo Wolf.

Hinweis: Edith Mathis. Ausgewählte Lieder von Mozart, Bartok, Brahms, Schumann und Strauss; Karl Engel, Begleitung am Klavier. Live-Aufnahme mit illustriertem Begleitheft, Historic Performances Lucerne Festival, audite 95.647.