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Kino mit weiblichen Superstar: Neue Liebe dank Weisswein und Sadomaso

Die Frauenclique rund um Jane Fonda und Diane Keaton hat in den USA mi «Book Club» einen Überraschungserfolg gelandet. Das hat wenig mit der Story des Films zu tun. Und viel mit dem Charme und dem Können der hochkarätigen Darstellerinnen.
Christian Fahrenbach (DPA)
Diane Keaton, Candice Bergen, Jane Fonda und Mary Steenburgen (von links) brillieren im Film "Book Club". (Bild: Ascot Elite)

Diane Keaton, Candice Bergen, Jane Fonda und Mary Steenburgen (von links) brillieren im Film "Book Club". (Bild: Ascot Elite)

«Book Club» kommt zu spät: Der Film hinkt der Zeit um mindestens sechs Jahre hinterher, was seine grundsätzliche Ausgangsidee angeht. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe älterer Frauen, die in ihrem Lesekreis beschliessen, «50 Shades of Grey» zu lesen. Dank dieser Softsadomaso-Geschichte beginnen sie, ihr eigenes Liebesleben aufzuräumen. Auch wenn diese Ausgangslage fürchterlich konstruiert ist und der Einstieg über den schnell in die Jahre gekommenen Softporno aus dem Jahr 2012 überaus holprig daherkommt, macht die Frauenkomödie vieles richtig.

Allem voran ist der Film herausragend besetzt: Jane Fonda spielt Vivian, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die am liebsten Beziehungen ohne allzu viel Verbindlichkeit eingeht; Diane Keaton übernimmt die Rolle von Diane, nach 40 Jahren Ehe frisch geschieden, dementsprechend etwas orientierungslos und mit wenig Lust, wieder bei der eigenen Tochter einzuziehen; Sharon (Candice Bergen) hat die Scheidung schon einige Jahrzehnte hinter sich, ohne je wirklich darüber hinweggekommen zu sein; und Mary Steenburgen als Carol erlebt nach 35 Jahren Ehe eine schwere Krise, weil sich ihr Mann kaum noch für sie zu interessieren scheint.

Wie geht die Gesellschaft mit Frauen über 60 um?

Diese klischeehaften Frauentypen schickt das Drehbuch durch oft absehbare Eskapaden. Doch angesichts der Besetzung sind der absehbare Plot und die teils schamlos künstlichen Sonnenuntergänge aus dem Computer zweitrangig. Die Figuren sind hübsch, die Hosenanzüge teuer, die kalifornischen Häuser der weissen Oberklasse geräumig. Immer ist klar, dass da eine Premiumbesetzung zu sehen ist, die es auf beinahe ein Dutzend Oscar-Nominierungen und vier Auszeichnungen bringt. Ihnen hat die Zuschauerin, der Zuschauer 104 Minuten lang beim Weissweintrinken zu folgen.

Die Männerrollen um Andy Garcia und Don Johnson sind zwar auch ordentlich besetzt; aber die Figuren sind dermassen dünn gezeichnet, dass sie wie Accessoires der Set-Dekoration wirken.

Die Damen schaffen es im Verlauf des Films, auch ernstere Themen abseits all der Romanzen und halb-frivolen SM-Anspielungen anklingen zu lassen: Wie geht die Gesellschaft eigentlich mit Frauen über 60 um? Welche Berechtigung haben ihre eigenen Wünsche? Und wieso sehen wir diese Schauspielerinnen nicht viel häufiger auf der grossen Leinwand?

Günstig produziert, ein Vielfaches eingespielt

Hollywood stellt sich gerade eine Reihe solcher Fragen, etwa zu bisher unter-repräsentierten Gruppen. Ähnlich wie beim aktuellen US-Hit «Crazy Rich Asians» mit ausschliesslich asiatischen Stars oder bei der Teenage-Schwulen-Romantikkomödie «Love, Simon», treten hier Charaktere auf, die sonst kaum zu sehen sind. Es mag auch finanzielle Gründe geben, wenn Figuren abseits des Mainstreams in den Mittelpunkt rücken. Denn wie erwähnte Beispiele hat auch «Book Club» sein Budget um ein Vielfaches eingespielt. Die Branchenseite «The Numbers» beziffert die Produktionskosten auf für US-Verhältnisse schlanke 10 Millionen Dollar. Denen stehen allein in den USA und Kanada Einnahmen von 68 Millionen Dollar gegenüber.

Am Ende bleibt, dass dieser Streifen mit seiner formelhaften Story ins Sommer-Open-Air-Programm gehört hätte, der Kinostart nun aber am Beginn des Herbstes liegt. Mit einem Glas Weisswein während der Vorstellung liesse sich das ausgleichen.

«Book Club» läuft in den Kinos Capitol + Moderne (Luzern), Cinéboxx (Einsiedeln), Maxx (Emmenbrücke), Cinema 8 (Schöftland), Mythen-Forum (Schwyz), Cinepol (Sins), Afm Cinema (Stans), Seehof (Zug).

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