Lucerne Blues Festival: Neue Mischungen verzaubern das Publikum

Der pure Blues war dünn gesät am Donnerstag beim Lucerne Blues Festival. Der Akzent lag auf bluesgetränktem Soul, Funk und Gospel.

Pirmin Bossart
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Ganz in seinem Element: Billy Price.                                         Bild: Heinz Steimann, Luzern

Ganz in seinem Element: Billy Price.                                         Bild: Heinz Steimann, Luzern

Die langen Blues-Nächte haben am Donnerstag sanft begonnen. Das Trio Gumbo, Grits & Gravy zelebrierte eine akustische Mischung aus Songs, die aus wenigen Akkorden bestanden und von einem einfachen Groove vitalisiert wurden. Reduziert und repetitiv, jenseits der üblichen Blues-Schemen intonierte das Trio abwechselnd zwischen Innigkeit und Ausgelassenheit. Irgendwie unspektakulär, aber die Beharrlichkeit der einfachen Strickmuster wob dennoch einen warmen Pullover.

Es waren vor allem Sympathie und Herzlichkeit, die einem von der Bühne entgegenwehten. Sie habe schon lange den Wunsch gehabt, einmal in Luzern auftreten zu können, rief die Geigerin Anne Harris ins Publikum. «Alle Musiker, die ich traf und schon mal an diesem Festival waren, schwärmten davon, wie aufgehoben sie sich beim Publikum fühlten und wie geradezu königlich sie hier behandelt wurden. Und es ist wunderbar!» Das Publikum applaudierte und am Festival sprang leise der erste Funke, der bis heute Nacht noch Vieles entzünden wird.

Aufgehoben beim Publikum

Die Geigerin Anne Harris tänzelte manchmal wild über die Bühne, während ihr Saitenspiel immer höher flirrte. Marcella Simien, die vor Jahren in Luzern mit ihrem berühmten Vater Terence Simien eine Zydeco Party in Szene setzte, spielte das Knopfakkordeon, setzte sich ans Keyboard oder hängte sich das Waschbrett vor die Brust. Und da war Gitarrist und Sänger Guy Davis, der souverän seine Melodiespur zog und den Songs das Fundament lieferte, darunter auch eine Version von «Drop Down Mama» von «Sleepy» John Estes.

Mit der Altered Five Blues Band zog anschliessend der Blues auf die Bühne. Er war von Rock genährt, hatte mit Jeff Taylor eine eindringliche Stimme, mit Jeff Schroedl einen tadellosen Gitarristen und mit der Band eine Band, die kochte. Das Quintett hatte letzte Woche schon im Hotel Schweizerhof gespielt, im Casino klang es noch fetter (siehe Ausgabe Montag).

Der Kontrast war gross, als anderthalb Stunden später ein weisser Sänger mit schwarzem Hut, schwarzer Sonnenbrille und in heller Kleidung mit seiner Band auf die Bühne trat: Billy Price. «Er war ein enger Freund von Otis Clay», kündigte President Martin «Kari» Bründler, den bekannten Soul-Blueser, an. Jetzt verliess der Blues wieder seine Akkordfolgen und Skalen und eine Melange aus Soul und Funk grundierte die Musik, in der sich Billy Price mit seinen Geschichten-Flows inszenierte. Der Sänger, soeben 70 geworden, hat eine eher hohe und schneidende Stimme, die aber noch immer Kraft und Schneid entfaltet. Und zweifellos hatte er die Band und den Sound im Griff, senkte auch mal den Pegel, um das Publikum mit einer Songzeile als Teaser auf den nächsten Song einzustimmen. «I get a pain in my heart, baby – and I tell you why.»

Songs mit souligem Pathos

Hammondorgel und Saxofonist sorgten zusammen mit der Rhythm-Section und einem emsigen Gitarristen für etliche orchestrale Momente, in denen der Sound fett und dicht wurde. Lange Tracks mit viel funky touch kickten die Körper des Publikums. Songs mit souligem Pathos wärmten das Gemüt, die R&B-Phrasierungen klangen wie eine Frühform von Disco und ein paar ferne Reggae-Tupfer zauberten die Leichtigkeit des Seins in den Panoramasaal. Price und die Band hatten starke Momente, aber als Ganzes zündete dieser Funke nie ganz.

Zu später Stunde machte der Blues noch einen Abstecher in die Kirche. Rev. John Wilkins und seine Band riefen zur euphorischen Gospelmesse. John Wilkins, der im richtigen Leben auch Pfarrer einer Gemeinde ist, spielte eine elektrische Country-Blues Gitarre und sang. Er wurde von einer jungen Band begleitet, darunter drei Back-Sängerinnen, die das archaische Mississippi-Fundament mit Memphis-Soul und Rock’n’Roll würzten.

Der Reverend sang, animierte und predigte frohgemut. Legt euer Leben getrost in Gottes Hände, dann wird es gut kommen, lautete die Botschaft, «Show me the Way» intonierten die Sängerinnen, und man fragte sich wieder mal, ob die versammelte Luzerner KMU- und Blueswelt im richtigen Leben wohl auch so gottesfürchtig ist. Oder einfach nur den Blues kennt.

Hinweis

www.bluesfestival.ch