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NEUENKIRCH: Theaterstück: Eine Frau tut alles für andere – und verliert sich selber

Ein Traum, märchenhaft: Dies widerfährt Frau Frei, der Protagonistin des Theaterstücks «ei(ge)ngemachtes» von und mit Rebekka Bünter, das in der Theaterbar Bunterbünter aufgeführt wird.
Rebekka Bünter in ihrer abendfüllenden Solorolle als Frau Frei. (Bild: PD)

Rebekka Bünter in ihrer abendfüllenden Solorolle als Frau Frei. (Bild: PD)

Man stelle sich vor, entspannt in einem dieser sehr bequemen Relaxsessel zu sitzen. Und unversehens hebt sich der Stuhl, schwebt erst und fliegt dann durch lichte Sphären zu einem imposanten Schloss mit Türmen und weitläufigem Park.

Dabei verfügt Frau Frei nicht über aussergewöhnliche Fähigkeiten oder gar magische Kräfte. Im Gegenteil, sie ist in ihrer ganzen Existenz von leicht gehobenem Durchschnitt, gut situiert, lebt in eigenem Haus, hat einen Mann und zwei pubertierende Kinder. Sie macht Yoga, hat schon eine Menge Workshops hinter sich und reichlich Ratgeber-Literatur konsultiert. Sie fühlt sich frei, weil sie in der freien Schweiz leben darf, und glücklich, weil sie hier nicht hungern muss.

Das Glücklichsein ist nur eine bröckelnde Fassade

Frau Frei tut alles, um ihr Glück zu bewahren. Sie passt sich an, untersagt sich Widerworte, verschafft sich Anerkennung und Liebe, indem sie allen, die da um sie sind, zudient. Frau Frei ist rundum positiv und optimistisch.

Allerdings ist das Glücklichsein nur Fassade, die zusehends bröckelt. Man muss nicht besonders einfühlsam sein, um zu merken, dass das Glück vermeintlich und eine teuer bezahlte und kräftezehrende Illusion ist. Die Frau, die alles tut für andere und sich dabei selbst aufgibt, hat ihr Selbst verloren. Selbstwert, Selbstsicherheit und Selbstständigkeit sind weg, ihr Potenzial ist unter dem Alltagsstress verschüttet, und ihre eigenen Träume und Wünsche sind ihr im Lauf der Jahre abhandengekommen.

Die Begegnung mit der Wahrheit

Angesichts dieser Ausgangslage ist es nicht schwierig, zu ahnen, was es mit dem Flug im Relax­sessel auf sich hat und wohin der Ausflug Frau Frei letztlich führen soll: zu sich selbst, selbstverständlich, zu neuer Lebenslust, die sie nur durch die harte Konfrontation mit der ungeschminkten Wahrheit über ihr Leben ­wiedergewinnen kann. Die Befreiung kann nur gelingen, wenn sie sich ihren inneren Dämonen stellt. Begleitet wird sie auf diesem emanzipatorischen Selbstfindungstrip von einem Hofnarr, der dafür sorgt, dass sie den richtigen Weg nicht nur findet, sondern auch zu Ende geht.

Protagonistin zeigt vielleicht etwas zu viel

«ei(ge)ngemachtes» bringt ein aktuelles gesellschaftspolitisch relevantes Thema auf die Bühne. Dabei bestreitet die Schauspielerin Rebekka Bünter den ganzen Abend als Solistin und zeigt sich als vielseitige, spielfreudige Künstlerin. Sie meistert beeindruckend lange Textpassagen, schlüpft agil in verschiedene Rollen, tanzt, singt, trommelt, fiedelt und produziert mit dem Looper atmosphärische Sounds. Mit Wortwitz und -spielereien lockert sie den ernsten Stoff auf, sodass letztlich eine musikalisch kabarettistische Collage entsteht, die das Publikum, auch den kleineren männlichen Teil, ansprechend unterhält.

Rebekka Bünter hat die «fulminante Offenbarung mit philosophischem Schalk» (Eigenwerbung) selbst geschrieben und erarbeitet. Sie ist gleichzeitig auch Regisseurin der Produktion – was sich nicht unbedingt vorteilhaft auswirkt. So virtuos sich die Schauspielerin/Musikerin in einzelnen Szenen auch präsentiert, es entsteht der Eindruck, dass solche Passagen drin sind, weil die Absolventin der Dimitri-Schule das kann und nicht weil es für das Stück zwingend ist. Auch die Spielereien mit den Bauklötzchen oder der abgelesene Text über «Macht» vermögen kaum zu überzeugen.

Eine konsequentere, an einem Inszenierungskonzept orientierte Regie hätte dies zu Gunsten einer Verdichtung und Konzentration auf das Wesentliche vermieden. Das Stück hätte eine solche Fokussierung und mehr originelle Szenen, wie diejenige mit dem philosophierenden Apfelbaum, gut ertragen.

Trotzdem, und dies ist das Wichtigste: Frau Frei hat ihre Lebenslust wiedergefunden und diese sogar in ihren Alltag hin­überretten können.

Kurt Beck

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis
Theaterbar Bunterbünter, Oberdorf 5, Neuenkirch: «ein(ge)machtes» mit Rebekka Bünter. Nächste Aufführungen: 8., 9., 15., 16. März. Infos:www.bunterbuenter.ch.

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