NEUER GRISHAM-ROMAN: Staatsanwälte und Cops sind übler als Kriminelle

Glaubt man John Grisham, sind das Polizei- und das Justizwesen ein einziger Sumpf von Korruption und Unfähigkeit. Entsprechend munter haut er drauf. Das ist unterhaltsam, die Story verliert sich aber in Einzelepisoden.

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Schlägt nicht nur gerne auf Baseballbälle, sondern in schreibender Form auch auf Justizbehörden ein: John Grisham. (Bild: Jonas Karlsson)

Schlägt nicht nur gerne auf Baseballbälle, sondern in schreibender Form auch auf Justizbehörden ein: John Grisham. (Bild: Jonas Karlsson)

Arno Renggli

«Der Gerechte» lautet der Titel des Buches, gemeint ist Strafverteidiger Rudd. Er ist der selbst ernannte Albtraum von Staatsanwälten, Richtern und Polizisten. Denn er verteidigt zum einen die übelsten Verbrecher (einer muss es ja tun), zum anderen Leute, denen von besagten Behörden übel mitgespielt worden ist. Rudd tut dies mit allen, auch schmutzigen Tricks. Die Gegenseite zieht ja auch sämtliche Register der Unfairness.

Fakten zurechtbiegen

Ein erster Fall konfrontiert ihn mit einem Mord an zwei Mädchen. Die Polizei hat den passenden Täter, einen zurückgebliebenen 18-Jährigen. Was an Beweisen fehlt, wird eben durch Kons­truktionen und fingierte Zeugenaussagen kompensiert. Ein Fall für Rudd, der den Behörden einheizt. Zumal ein anderer Verdächtigter perfekt zu den Fakten passt. Um den zu überführen, scheut Rudd auch die Hilfe von Schlägertypen nicht.

Womit wir bei einem zweiten Fall sind: Einer der Schläger ist ein erfolgreicher Käfigkämpfer. Leider prügelt er nach einem kontroversen Entscheid den Ringrichter zu Tode. Dass Rudd, der eigenes Geld in Käfigkämpfe investiert, diesen Unbelehrbaren mit Herzblut verteidigt, macht ihn wenig sympathisch. Und gehört überdies nicht zu den stärksten Episoden des Buches.

Das gilt eher für den Fall eines alten Mannes, der sich bei einem fehlgeleiteten nächtlichen Zugriff eines schwer bewaffneten Swat-Teams mit der Schusswaffe gegen die vermeintlichen Einbrecher wehrt, worauf ein Polizist verletzt und die Frau des Mannes getötet wird. Der – und nicht etwa die Polizisten – landet vor Gericht. Ein Fressen für Rudd.

Weniger gut fühlt er sich, als ein anderer Mandant und Chef einer Verbrecherorganisation aus der Todeszelle ausbricht. Will der ihm nun ans Leben? Zu schaffen macht Rudd auch der Kleinkrieg mit seiner Ex um ihrer beider Sohn. Zum klassischen Thriller wird die Episode um ein entführtes Mädchen. Der Täter startet ein Katz-und-Maus-Spiel mit Rudd.

Überzeichnet und tempostark

«Der Gerechte» ist aufgeteilt in verschiedene, teils ineinandergreifende Episoden. Damit hat sich Grisham die Aufgabe einfacher gemacht als bei einem durchkomponierten Roman. Insofern kann das Buch auch nicht mit grossen Justizthrillern aus Grishams früheren Zeiten mithalten. Auch führt sein offensichtliches Ziel, an Justiz- und Polizeibehörden möglichst kein gutes Haar zu lassen, zu einigen Überzeichnungen. Wie immer aber ist Grishams Erzählweise sehr gekonnt, und in diesem Buch bietet er gerade wegen der Einzelepisoden ein besonders hohes Tempo. Dadurch ist es gut lesbar und unterhaltsam, auch wenn man es mitsamt dem übermotivierten Helden nicht ganz ernst nehmen kann. Übrigens gut möglich, dass dieser mit weiteren Fällen zurückkommt.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

John Grisham: Der Gerechte. Heyne, 415 Seiten, Fr. 29.90.

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