Interview

«Wir haben keinen Sponsor verloren» – Der neue Präsident des Lucerne Festival äussert sich im Interview zu den internen Konflikten

Als CEO der Mobiliar ist Markus Hongler Spezialist für Schadenfälle. Das zeigt sein Krisenmanagement als Präsident des Lucerne Festival.

Urs Mattenberger
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Markus Hongler an der Medienkonferenz in Luzern.

Markus Hongler an der Medienkonferenz in Luzern.

Bild: Manuela Jans Koch

Lucerne Festival hatte in den letzten Monaten mit internen Konflikten national für Schlagzeilen gesorgt. Eskaliert waren sie zwischen dem Intendanten Michael Haefliger und dem vormaligen Stiftungsratspräsidenten Hubert Achermann sowie dem Academy-Leiter Dominik Deuber. Der neue Präsident Markus Hongler sagt jetzt, wie er die Gräben schliesst.

Sie machten Schlagzeilen, als Sie sich als CEO der Mobiliar mit 25 Prozent beim Ringier-Konzern beteiligten. Wie wird man in dieser Funktion Präsident des Stiftungsrats eines Klassikfestivals?

Markus Hongler: Ich wurde in eine Musikerfamilie geboren und schon als Jugendlicher ein Fan der klassischen Musik. Ich besuchte Konzerte der Musikfestwochen und entdeckte erst Recht nach diversen Aufenthalten im Ausland, welch tolles Musikangebot Luzern hat. Musik ist Bestandteil meines Lebens. Sie gibt mir auch den Ausgleich zum Job eines Versicherungsmanagers.

Sie haben eine Analyse der Vorfälle beim Festival angekündigt – können Sie schon Resultate nennen?

Als erste Massnahme haben wir die getrennten Organisationen der Festivalstiftung und der Stiftung Freunde von Lucerne Festival wieder zusammengeführt. Das heisst, dass wir die Mitarbeitenden der Freundestiftung, unserer Gönnerorganisation, wieder in die Struktur von Lucerne Festival integriert haben. Das vereinfacht die Zusammenarbeit. Weiter habe ich viele Gespräche geführt, um teilweise verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Diese Gespräche machen mich zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.

Der Fall Deuber, für den das Festival einen Nachfolger sucht, ist inzwischen abgeschlossen?

Ja, wir haben uns letzte Woche einvernehmlich von ihm getrennt. Dominik Deuber hat ja ausserordentlich viel für das Festival geleistet. Da wollten wir ihm auf seinem weiteren Weg nicht im Weg stehen.

Was ist falsch gelaufen, dass die Konflikte eskalierten?

Ich habe mich mit Hubert Achermann im Januar getroffen, wir haben uns gegenseitig versprochen, dass wir in der Öffentlichkeit nicht mehr dazu Stellung nehmen, was passiert ist. Das möchte ich jetzt respektieren.

Aber mit der nichtssagenden Mitteilung, in der Achermanns Rücktritt kommuniziert wurde, hat das Festival indirekt öffentlich gemacht, dass etwas im Argen lag.

Es war schon vorher in der Öffentlichkeit darüber berichtet worden, intern haben wir das seit längerem diskutiert. Insofern kam das nicht so überraschend.

Zur Person

Markus Hongler
Markus Hongler
Er stand mit im Zentrum der Medienkonferenz, an der Lucerne Festival das Programm für den Sommer und das erste Herbstwochenende bekannt gab. Da nämlich stellte sich Markus Hongler erstmals als neuer Präsident des Stiftungsrats von Lucerne Festival (seit Anfang dieses Jahres) den Medien vor. Der Klassikfan Hongler (61) ist seit 2011 CEO der Mobiliar. Zuvor war er in verschiedenen Management-Positionen für die Zurich Versicherung im In- und Ausland tätig. Seine Wahl zum Präsidenten des Stiftungsrats war zwar seit Längerem mit seinem Vorgänger Hubert Achermann abgesprochen. Aber sie erfolgte überraschend schnell, als der Stiftungsrat sich im Konflikt zwischen Achermann und dem Intendanten auf dessen Seite stellte. (mat)

Liegt bei Festivals darin Konfliktpotenzial, dass der Präsident für die Finanzkontrolle und der Intendant für die Inhalte zuständig ist?

Für mich ist klar, dass der Intendant sowohl für die künstlerischen Inhalte wie auch den wirtschaftlichen Erfolg zuständig ist – im Rahmen der Strategie, die der Stiftungsrat verabschiedet. Der Präsident muss die Voraussetzungen schaffen, damit der Intendant seinen Job optimal machen kann. Dass man an einem Festival, das auf Einnahmen angewiesen ist, Fragen der Inhalte und Wirtschaftlichkeit gemeinsam diskutiert, ist selbstverständlich. Es gibt ja auch Jahre, die weniger erfolgreich sind und wo man diskutieren muss, was man besser machen könnte.

Das war im Jahr 2017 der Fall, das am Anfang der internen Konflikte stand. Wie gross war das finanzielle Loch in diesem Jahr und weshalb?

Es gibt in jedem Unternehmen manchmal ein Jahr, das nicht so läuft, wie man es geplant hatte. 2017 war tatsächlich so ein Jahr. Dafür baut jedes Unternehmen in den Jahren, in denen es gut läuft, Reserven auf. Aus meiner Sicht ist das per se nichts Schlimmes. 2017 mussten wir zusätzlich eine Million Franken aus den Reserven nehmen. 2018 war dann ein gutes und 2019 ein sehr gutes Jahr. Finanziell ist das Festival jedenfalls breit und solide abgestützt. Ich habe auch die meisten Sponsoren besucht. Wir haben keinen einzigen verloren, sie stehen alle hinter dem Festival. Bei den Freunden gab es zum Jahresende Aus- und Neueintritte, die sich etwa die Waage halten. Wir sind also zuversichtlich, dass wir künftig über genügend Mittel verfügen, um ein erstklassiges Programm zu bieten.

Der Stiftungsrat hat sich im Konflikt hinter Michael Haefliger gestellt, aber seinem Vertrag eine Kündigungsklausel eingefügt. Ist das doch ein Misstrauensvotum?

Nein, überhaupt nicht. Es ist unser gemeinsamer Wille, dass Michael Haefliger seine sehr erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann. Daran hat sich nichts geändert. Dass wir in seinen bis 2025 laufenden Vertrag in gegenseitigem Einvernehmen eine Klausel eingebaut haben, die beiden Seiten eine vorzeitige Kündigung ermöglicht, ist eine Frage der zeitgemässen Corporate Governance und des gegenseitigen Respekts und Vertrauens.

Markus Hongler und Michael Häfliger

Markus Hongler und Michael Häfliger

Bild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 12. Februar 2020

An der Medienkonferenz haben Sie Achermanns Verdienste um das Festival verdankt – in seiner Abwesenheit. Ist da im Nachhinein ein versöhnlicher Abschluss möglich?

Ich bin Hubert Achermann tatsächlich sehr dankbar für das, was er für das Festival geleistet hat. Und ich bin mit ihm im Gespräch darüber, wie wir das zu einem guten Abschluss bringen ­können.

Putsch am Lucerne Festival: die Hintergründe zum Abgang von Hubert Achermann

Seit Tagen wird über die Hintergründe des Abgangs von Stiftungsratspräsident Hubert Achermann gerätselt. Jetzt zeigen Recherchen: Der Spitzenmann der Wirtschaft wurde faktisch weggeputscht. Statt hohe Kunst zu fördern, verlegt man sich im Lucerne Festival derzeit auf die hohe Kunst der Intrige.
Pascal Hollenstein