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NEUER ROMAN: Jonas Jonasson – Wie menschlich können Schwerverbrecher sein?

Ein bekehrter Mörder, eine gottlose Pfarrerin und ihr junger Geliebter. Bestsellerautor Jonas Jonasson hat seinen dritten Roman geschrieben. Und darin seiner Fantasie wieder freien Lauf gelassen.
Jonas Jonasson (54) setzt diesmal nicht mehr auf sympathische Hauptfiguren. (Bild: Sara Arnald)

Jonas Jonasson (54) setzt diesmal nicht mehr auf sympathische Hauptfiguren. (Bild: Sara Arnald)

Andreas Heimann, dpa

Skurrile Figuren, Drogenmissbrauch, Mord und Totschlag: Jonas Jonasson greift wieder in die Vollen. Der erfolgsverwöhnte Autor hat seine Nummer drei vorgelegt: Nach dem Riesenerfolg mit seinem Debütroman «Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand» und «Die Analphabetin, die rechnen konnte» erscheint nun «Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind» auf Deutsch.

Der schwedische Schriftsteller bleibt sich treu: ausgefallene Ideen, Lust am Fabulieren und die Regel, dass der Fantasie keine Fesseln angelegt werden dürfen. All das gilt für den dritten Roman genau wie für die vorherigen, die gerade hierzulande erfolgreich waren: Die deutsche Ausgabe des Romans über den Hundertjährigen, der aus dem Altenheim flüchtet (2011), führte wochenlang die Bestsellerlisten an und verkaufte sich mehr als 4,2 Millionen Mal. Das zweite Buch (2013) über die Analphabetin Nombeko, die in einem Slum in Soweto gross wird und auf abenteuerlichen Wegen nach Schweden flieht, stürmte ebenfalls die Spitze der Bestsellerlisten.

Pfarrerin ohne Glauben

Der dritte Roman ist der dünnste, nicht nur punkto Seitenzahl. Vor allem aber hat er keine Hauptfigur, der die Sympathien der Leser zufliegen: Johan Andersson, Mörder Anders genannt, ungebildet und mit einem Hang zur gedankenlosen Gewalttätigkeit, kommt dafür nicht in Frage. Per Persson auch nicht. Beruflich Fuss gefasst hat er als Mitarbeiter eines Bordells, zuständig dafür, dass jeder Kunde bekommt, was er wünscht, aber der Zeitplan eingehalten wird. Als sein Arbeitgeber das Bordell in ein Hotel umwandelt, wird er Rezeptionist und lernt so Mörder Anders kennen, der sich dort ein Zimmer nimmt.

Der war schon mit 20 hinter Gitter gekommen, weil er einen Dealer ermordet hatte. Kaum ist er frei, erschiesst er sein nächstes Opfer und landet wieder im Knast. Als er in der schmuddeligen Pension einzieht, sieht es nicht so aus, als wende sich nun alles zum Guten.

Per Persson seinerseits hat gerade Johanna Kjellander getroffen, eine Pfarrerin, die bald zu seiner Partnerin wird. Sie stammt aus einer Pastorenfamilie, glaubt aber nicht an Gott. Persson und Mörder Anders kommen ihr gerade recht. Das Trio etabliert sich erfolgreich in der Körperverletzungsbranche: In erster Linie geht es darum, säumige Zahler dazu zu bringen, ihre Schulden zu begleichen.

Für Arm- oder Beinbrüche ist Mörder Anders zuständig. Persson und die Pfarrerin verhandeln mit den Auftraggebern. Und so hätte es immer weitergehen können, aber Mörder Anders will aus religiösen Gründen plötzlich ein anderer Mensch werden. Und so haben sie bald eine Menge geprellter Auftraggeber aus der Stockholmer Unterwelt gegen sich.

Nicht so gut wie Vorgänger

Dass Mörder Anders seine eigene Kirche gründet, kann die Kriminellen nicht beeindrucken. Für Persson und Partnerin gehts ohnehin nur um Geldmache. So nehmen die Verwicklungen ihren Lauf inklusive dreier Toter. Am Schluss lebt das Trio auf Gotland und wird reich mit einer ganz neuen Geschäftsidee. So weit, so fantasievoll. Aber an die beiden ersten Romane reicht der neue nicht heran.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Carl’s books, 348 Seiten, 28.90 Franken.

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