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NEUERSCHEINUNG: Lukas Hartmann – Roman über den zweiten Start ins Leben

Lukas Hartmann spürt in seinem neusten Buch einem Mörder nach. Und dem, was dieser im Umfeld alles zerstören kann.
Irene Widmer,sda
Schreibt feinfühlig und mit Sympathie: Lukas Hartmann. (Bild: Keystone)

Schreibt feinfühlig und mit Sympathie: Lukas Hartmann. (Bild: Keystone)

Für «Ein passender Mieter» hat sich Lukas Hartmann von einem der bekanntesten Kriminalfälle der Schweiz inspirieren lassen: jenem des Berner Messerstechers Mischa Ebner. Bei Hartmann heisst er Beat. Trotz dieser bekannten Geschichte legt der Autor den Fokus des Buches aber auf ein älteres Ehepaar, das einen Mieter für den Anbau seines Einfamilienhauses sucht.

Während die Frau, eine frühere Tänzerin, den Anbau gern als Übungsraum nutzen würde, besteht der Mann darauf, ihn zu vermieten – zu günstigen Konditionen, um Gutes zu tun. Beat scheint perfekt. Dass er im selben Alter ist wie der ausgeflogene Sohn Sebastian und ihm sogar etwas ähnlich sieht, ist wohl kein Zufall. Die Mutter Margret nimmt den freundlichen, aber scheuen jungen Mann unter ihre Fittiche. Als sie erfahren muss, welche Untaten er im Anbau ausgebrütet hat, bricht sie zusammen, mehrmals, in immer heftigerer Ausprägung.

Verhinderte Emanzipation

Margrets krankhafte Verstörung lässt sich nicht allein damit erklären, dass der Untermieter für sie so etwas wie ein Ziehsohn war. Auch nicht damit, dass die Nachbarn und selbst Beats Mutter Margret zur Mitschuldigen erklären. Es geht eigentlich gar nicht so sehr um Beat – schliesslich war er nicht mehr als ein Untermieter –, sondern um den Anbau und seine Bedeutung für Margret: Die Wohnung war als Startrampe gedacht in die Zukunft, zunächst für den Sohn, dann für die Mutter. Indem der Vater eine Art Kindsersatz in diesen Raum setzt, verhindert er Margrets Emanzipation.

Es ist eine klassische Familienkonstellation: Der Vater, ein Historiker, ist ein Patriarch, felsenfest von seiner Unfehlbarkeit überzeugt. Die Mutter kann ihre Bedürfnisse nicht äussern, und täte sie es, ihr Gatte würde eh nicht hinhören. In der von Autorität und Unterwerfung geprägten Atmosphäre kann der Sohn Sebastian keine wirklich eigene Perspektive entwickeln – weder beruflich noch in seiner ersten richtigen Liebesbeziehung. Die Philosophie von Karl Barth bietet ihm eine Zeit lang Leitplanken, freilich aber auch nicht dauerhaft.

Viel Fingerspitzengefühl

Aber für einmal steht nicht der Jugendliche im Mittelpunkt. «Ein passender Mieter» ist keine Coming-of-Age-Geschichte, eher eine über den zweiten Start ins Leben – ein Thema, das mit der ständig steigenden Lebenserwartung bei gleich bleibendem Pensionsalter immer wichtiger wird.

Die Buchhändlerin Margret, die nebenbei auch mit grosser Begeisterung Kindern von Immigranten Deutschunterricht erteilt, steht als einzige in der Familie richtig im Leben – im Gegensatz zum rückwärtsgewandten Gatten und zum noch orientierungslosen Sohn. Der Autor, der unter anderem Psychologie studiert hat, begleitet seine Protagonistin mit viel Fingerspitzengefühl und Sympathie auf dem Weg in die Freiheit.

Sie waren Nachbarn

Manche mögen es schade finden, dass Hartmann, der bei Mischa Ebners Verhaftung laut «Blick» vis-a-vis dem «Mitternachtsmörder» wohnte, dessen Fall nicht ergiebiger ausgeschlachtet hat. Doch für den Autor, der seine Stoffe meist der Wirklichkeit entlehnt, war Diskretion schon immer wichtig.

Da sich Ebner 2002 im Strafvollzug das Leben genommen hat und die Untersuchungsergebnisse nicht veröffentlicht werden, hätte man eh nur spekulieren können. Und das wird auch der Film «Der Läufer», in dem Max Hubacher («Der Verdingbub») die Hauptrolle spielt, aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen nicht tun, wie Regisseur Hannes Baumgartner kürzlich betonte.

Irene Widmer, sda

Lukas Hartmann: «Ein passender Mieter», Roman, Diogenes Verlag, 363 Seiten, zirka 32 Franken.

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