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NEUES ALBUM: Adrian Stern weiss, was er kann

Adrian Sterns neues Album hat einen unfassbar langen Titel. Musikalisch wagt er dagegen keine Experimente und klingt doch irgendwie anders.
Ist mittlerweile sesshaft geworden: Adrian Stern (41). (Bild: PD)

Ist mittlerweile sesshaft geworden: Adrian Stern (41). (Bild: PD)

«Ich liebe eusi Fäschter und liebe eusi Gschichte, liebe jede Winkel und lieb alli Gsichter», singt Adrian Stern im Song «Chlini Stadt & Wildi Ross» seines neuen Albums. Es ist eine Ode an Baden, eine Hymne auf seine Heimatstadt. Dort, in der kleinen Stadt, ist er aufgewachsen, ist er verwurzelt, fühlt er sich wohl. «In Baden stimmt fast alles», sagt er, «Baden hatte schon immer einen internationalen Anspruch und Charme. Es ist aber eine kleine Welt geblieben, in der man sich kennt, grüsst und weiss, wie man Feste feiert.»

Familienvater Stern

Interessant an der Karriere von Adrian Stern ist, dass wir mit ihm zusammen die Stationen seines Lebens durchlaufen. Mit «Ha nur welle wüsse ...» (2003) lernten wir einen abenteuerlustigen, jungen Musiker kennen, der die Welt im Sturm erobern wollte. Sein Erfolgsalbum «Herz» war geprägt von Liebesgeschichten, und in seinem Hit «Amerika» war er von Fernweh getrieben. Doch danach folgte die grosse Zäsur: Als Familienvater begann ein neuer Lebensabschnitt. Fertig Zweierkiste, keine Flausen mehr, dafür Verantwortung, viel Verantwortung. Das Album «1+1» (2013) widerspiegelt diese Phase. «Das Leben ist mir dazwischengekommen», sagte Stern damals.

Auf dem neuen Album mit dem PR-feindlichen Titel «Chumm, mir singed die Songs, wo mir liebed, und tanzed mit ine dur d Nacht» ist er nun angekommen. Eben in Baden, wo er mit seiner Frau Mylen (33), den beiden Kindern Mina (4) und Juno (2) lebt und sesshaft geworden ist. «Das Fernweh packt mich immer wieder», sagt er, «Distanz tut gut, aber das Heimkommen ist mindestens so schön.» «Chlini Stadt & wildi Ross» ist Sinnbild dieser Lebenssituation.

Sterns Prioritäten haben sich verschoben. Gleichzeitig kann er mit dem Druck besser umgehen. Er kann mit neuen Situationen besser umgehen. Es ist das Privileg der Erfahrung im fortschreitenden Alter. Stern stellt im Songschreiben eine neue Gelassenheit fest. Er weiss, was er kann, und lässt sich von seiner Intuition treiben. Die Songs hat er sich locker «erjamt». Diese neue Leichtigkeit ist auch in den Songs zu finden. Allen voran «Elektrisch», der am ehesten das Zeug zum Hit hat. «Ich liebs, wie du mi us de Bahn rüehrsch.»

Zweifel einer Midlife-Crisis

Es sind neue Inhalte dazugekommen, die Stern gut anstehen. Themen, die einen 40-Jährigen beschäftigen. Abnützungserscheinungen in der Partnerschaft. «Weisch, dass öppis nüme stimmt ... Ich heb di, bis es wieder gaht» singt er in «Liebi macht mi blind» oder «Irgendwie han i di verlore, irgendöppis isch andersch worde» in «Irgendwie» sowie «Mir wird klar, du fühlsch di nümme wohl» in «Los nöd uf mich». Es sind Themen zwischen Abschied, Verlust, Hoffnung und Zuversicht. Und da sind die grossen Zweifel und Fragen einer typischen Midlife-Crisis («Älter»). «Machts Sinn, was i da mache? Isches zwenig? Will i meh?»

Stern hat seinen Stil gefunden. Und doch klingt «Chumm, mir singed ...» etwas anders. «Elektronische Musik hat mich lange kaltgelassen», sagt er, «doch die aktuelle elektronische Musik hat sich dem klassischen Songwriting angenähert. Ich hatte eine Vision von elektronischen Sounds.» So umgarnen jetzt elektronische Klänge die Akkorde von Sterns Gitarre. Es sind keine Kontraste, die scheinbaren Gegensätze ergänzen sich. Massive synthetische Bassbeats wie in «Liebi macht mi blind» geben der Gitarre sogar mehr Raum. Stern hat seinen Sound aufgefrischt und aktualisiert, ohne das Handgemachte zu vernachlässigen.

Stefan Künzli
kultur@luzernerzeitung.ch

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