NEUES ALBUM: Amy Macdonald: «Wir sehen alle die gleichen Sterne»

Die schottische Singer-Songwriterin Amy Macdonald (29) über die Inspiration zur neuen CD «Under Stars», ihre spezielle Beziehung zur Schweiz sowie die Passion für Fussball und Ferrari.

Reinhold Hönle
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Amy Macdonald hat sich soeben zum zweiten Mal verlobt – zum zweiten Mal mit einem Fussballer. (Bild: PD)

Amy Macdonald hat sich soeben zum zweiten Mal verlobt – zum zweiten Mal mit einem Fussballer. (Bild: PD)

Interview: Reinhold Hönle

kultur@luzernerzeitung.ch

Amy Macdonald, «This Is The Life» erreichte in der Schweiz fünffach Platin, der Titelsong den fünften Platz der ewigen Single-Hitparade, und Ihre Tourneen sind Pub­li­kums­magnete. Wann haben Sie gemerkt, dass es da eine besondere Chemie gibt?

Ich erinnere mich an meinen ersten Gig in einem kleinen Club – ich glaube, er hiess «Abart». Als der Veranstalter mir sagte, dass mein Konzert ausverkauft sei, dachte ich: «Wow, das ist cool!» Als der Erfolg in den folgenden Monaten «explodierte», kam mir dieser Moment immer wieder in den Sinn. Es gibt hier so tolle ­Lokalitäten und Festivals. Bei meinem «Moon & Stars»-Auftritt war ich von den Menschenmassen auf dieser Piazza total überwältigt.

Weshalb haben Sie Ihr viertes Album «Under Stars» getauft?

Ich habe den Titelsong für meine beste Freundin geschrieben, die ein Jahr in New York arbeitete, wo sie sich isoliert fühlte und unter grossem Heimweh litt. Als ich sie dort besuchte, machte sie das enorm glücklich, aber als ich wieder nach Hause musste, war sie am Boden zerstört. Auf dem Rückflug schaute ich aus dem Fenster und dachte: Obwohl wir Tausende Kilometer entfernt sind, sehen wir trotzdem die gleichen Sterne! Das fand ich einen wunderschönen verbindenden Gedanken, gerade in einer Zeit, wo viele Politiker nur die Unterschiede betonen und Zwietracht zwischen den Völkern säen.

Ihre Single heisst «Dream On». Welches sind Ihre verrücktesten Träume?

Ich träume immer wieder von Dinosauriern. Vielleicht, weil meine Schwester und ich als Kinder öfter im Garten von Freunden «Jurassic Park» gespielt haben?

Im Videoclip sind Sie kein Dino, sondern ein Winzling in einer realen Umwelt. ­Weshalb?

Videos sind etwas, das ich wirklich ungern mache, weil ich Filmproduktionen oft eine etwas langweilige Angelegenheit finde. Erstmals vor einer Green Screen zu spielen, fand ich jedoch eine spannende Herausforderung. In all den Szenen, wo ich hohe Stufen hinaufklettere oder riesige Türklinken öffne, tue ich vor der grünen Leinwand nur so, als ob. Das hat Spass gemacht! Zudem kommt Glasgow im Film gut zur Geltung.

Sie sind schon zum zweiten Mal mit einem Fussballprofi verlobt. Was haben diese Männer, was andere nicht haben?

Ich glaube nicht, dass meine Liebe damit zu tun hat, welchen Sport Richard betreibt. Mir geht es um die Person. Von mir aus könnte mein Freund auch Reinigungskraft oder CEO sein.

Sie sind aber ein grosser Glasgow-Rangers-Fan. Was gefällt Ihnen am Fussball?

Es ist einfach eine tolle Sportart, die ihren Ursprung in Schottland hat, wo das erste Regelbuch gefunden wurde. In Glasgow, wo es die Rivalität zwischen den Rangers und Celtic gibt, saugst du diese Leidenschaft schon mit der Muttermilch auf.

Ist es nicht ein schwieriges Los, wenn man schottischen Mannschaften die Daumen drückt?

Naja, daran gewöhnt man sich ... Letztmals waren wir 1998 bei der WM in Frankreich an einer Endrunde dabei. Wir bestritten das Eröffnungsspiel. Ich weiss noch, dass sich mein Vater frei genommen hatte und ich ganz aufgeregt von der Schule nach Hause kam. Brasilien erzielte kurz vor Schluss den 2:1-Siegtreffer. Seither ging es nur noch bergab. Die Qualifikation für Russland 2018 werden wir wieder verpassen. Die positive Nachricht ist, dass die Fifa die Teilnehmerzahl auf 48 Teams aufgestockt hat. Wenn wir 2026 nicht dabei sind, sollten wir das Fussballspielen aufgeben! (lacht)

Wann packte Sie Ihre dritte Passion, der Ferrari?

Als ich 2011 in vielen Artikeln gelesen hatte, dass der 458 einer der besten Sportwagen des Jahres sei, wollte ich ihn unbedingt ausprobieren, und ich habe mich sofort total verliebt. Ein Ferrari fühlt sich nicht wie ein normales Auto an, sondern wie ein Biest, das du respektieren musst, da du es nicht wirklich zähmen kannst. Als der 458 Speciale lanciert wurde, dachte ich: «Oh, Gott, den muss ich auch haben!» Nur konnte ich mich vom Alten nicht trennen ...

Was haben Sie getan?

Ich habe ihn behalten, im Bewusstsein, dass er ein Sammlerstück wird und dass es schon lächerlich ist, einen Ferrari zu besitzen, aber deren zwei – einfach nur verrückt! (lacht)

Wie wichtig ist Ihnen der Klang des Motors?

Sehr! Viele Leute fragen mich ja, was für Musik ich höre, wenn ich Ferrari fahre. «Keine!», antworte ich. «Das wäre ein Unding. Die Musik macht in einem Ferrari der Motor!»

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur schottischen Polizei charakterisieren?

Ich bin eine sehr vorsichtige Fahrerin und probiere nichts Riskantes aus. Okay, es gibt in Schottland ein paar gute Strassen, auf denen kaum Polizei anzutreffen ist ... Ich würde aber nie etwas tun, das irgendjemanden einem Risiko aussetzen könnte.