NEUES ALBUM: Charlie Puth: «Im Jazz liegen meine Wurzeln»

Charlie Puth würzt seinen charttauglichen Pop mit einem Hauch Jazz. Im Interviewspricht der Amerikaner über schmutzige Fantasien und falsche Gerüchte.

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«Ich bin kein Produkt irgendeiner Kinderstar-Akademie und komme auch nicht aus dem Reality-TV», sagt Charlie Puth (24) durchaus selbstbewusst. (Bild: PD/Catie Laffoon)

«Ich bin kein Produkt irgendeiner Kinderstar-Akademie und komme auch nicht aus dem Reality-TV», sagt Charlie Puth (24) durchaus selbstbewusst. (Bild: PD/Catie Laffoon)

Interview Steffen Rüth

Der Junge kommt aus gutem Bildungsbürgerhaus, hat in Berklee Jazz studiert und ist aktuell für drei Grammys nominiert. Charlie Puth, 24, ist also kein neues Castingshow-Gesicht, sondern ein Popsänger und Songschreiber mit sehr solidem Fundament. Nach seinen Welthits «See You Again» (mit Wiz Khalifa) und «Marvin Gaye» (mit Meghan Trainor) kommt Puth, dessen Stil ein bisschen an Bruno Mars erinnert, jetzt mit dem kurzweiligen Album «Nine Track Mind» und der wie fürs Radio gemachten Single «One Call Away».

Charlie Puth, ist Ihnen die Songzeile «Let’s Marvin Gaye and get it on» nach einer besonders heissen Liebesnacht eingefallen?

Charlie Puth: Träumen Sie weiter (lacht). Ich habe den Song zusammen mit einem Freund geschrieben. Der Refrain war erst nur so als Witz gedacht, aus dem sich dann für uns selbst überraschend ein richtiges Lied entwickelte.

Kapieren die Kids, was Sie mit dem Satz meinen?

Puth: Die Abgebrühteren schon. Aber viele fragen auch: «Was heisst das denn, Marvin Gaye machen?» Ich antwortete dann: «Es bedeutet genau das, was du ahnst. Deine schmutzigen Fantasien sind korrekt.»

Sie sind Single. Ist Einsamkeit der Preis des Erfolgs?

Puth: Naja, ich komme damit zurecht. Das ist ein kleiner, negativer Teil des Pakets, für das ich unterschrieben habe.

Wären Sie mit allen Frauen liiert, mit denen Sie das Internet in Verbindung bringt, hätten Sie eine Menge zu tun.

Puth: Absolut. Ich habe das mal eine Woche lang mitgezählt und kam auf 15 Mädels. Das würde mir gefallen ... nein, Quatsch (lacht).

Sie sind 24, sehen frisch und noch recht jugendlich aus und machen Popmusik. Nervt es Sie, wenn Sie Leute für einen Teeniestar halten, für den nächsten Bieber zum Beispiel?

Puth: Schön ist das nicht. Ich bin kein Produkt irgendeiner Kinderstar-Akademie und komme auch nicht aus dem Reality-TV. Mir ist schon wichtig, dass die Menschen das wissen.

Ursprünglich kommen Sie sogar vom Jazz.

Puth: Ganz genau. Meine ersten Auftritte hatte ich mit zwölf im Youth Jazz Ensemble bei uns in New Jersey. Heute spiele ich noch manchmal mit einem Jazztrio im berühmten Club Birdland in New York. Im Jazz liegen meine Wurzeln.

Sie haben dann auch Jazz studiert, und zwar am berühmten Berklee College of Music in Boston. Wer sind Ihre Vorbilder?

Puth: Irving Berlin, James Taylor, The Commodores. Als Kind habe ich Klavier gelernt. Meine Mutter liess mich immer Mozart und Chopin vorspielen. Ich konnte diese Musik ziemlich mühelos aufs Piano übertragen und spürte so, dass ich ein ganz gutes Ohr habe.

Wann haben Sie auf Pop umgesattelt?

Puth: Ich habe während des Studiums gemerkt, dass mich Pop immer mehr interessiert. Und ich denke, dass Jazz eine erstklassige Grundausbildung ist, um Popsongs zu schreiben. Wenn ich auch nur ein Prozent Jazz in meine Kompositionen einfliessen lasse, macht sie das den Tick besser als die eher typischen Popsongs. Jazzmelodien sind einfach sehr speziell.

Sie haben 2013 Ihr Studium abgeschlossen und wenig später «See You Again» geschrieben. Lernt man in Berklee, wie man Welthits bastelt?

Puth: Nein, das kann man nicht lernen. Für das Schreiben von Hits gibt es keine Lehrer, denn es gibt ja auch keine klaren Formeln. Du kannst nur üben und versuchen, in den Tiefen deiner Seele ein Gefühl auszugraben, das viele Menschen kennen, und dieses Gefühl so emotional wie möglich umzusetzen. Jeder Mensch auf der Welt ist ein Individuum, und doch sind wir alle auch ein bisschen gleich.

Sie sind für drei Grammys nominiert und treten bei einer Preisverleihung nach der anderen auf. Haben Sie sich an den Popstar-Lebensstil schon gewöhnt?

Puth: Man findet sich recht schnell in diesem System zurecht. Ich finde es wichtig, ab und zu die Tür hinter mir zuzumachen und wirklich meine Ruhe zu haben, ich kann nicht immer so viele Menschen um mich herum haben. Aber die Preise und das Berühmtsein und das viele Reisen, das gefällt mir gut.

Charlie Puth: Nine Track Mind (Warner)

Bewertung: 4 von 5 Sternen